10.12.2018

Politik-Update: Gesundheitsgenossenschaften sichern medizinische Versorgung

Deutschland braucht eine bedarfsgerechte und nachhaltig gesicherte medizinische Versorgung. Insbesondere in ländlichen Regionen machen sich enorme Versorgungsengpässe bemerkbar. Nach Berechnungen der Bundesärztekammer werden diese in den nächsten Jahren noch gravierender ausfallen: Mit der Bevölkerung altert auch die Ärzteschaft, die Praxisnachfolge ist oft trotz steigender Fallzahlen vor allem im hausärztlichen Bereich nicht gesichert. Diese Entwicklung trifft speziell strukturschwache Regionen.

Immer mehr Ärztegenossenschaften nutzen die Vorteile einer gemeinsamen Verwaltung, Infrastruktur und Wissensbasis - insbesondere dort wo Versorgungsengpässe bereits vorhanden oder zukünftig absehbar sind. Insgesamt wächst die Zahl von Genossenschaften im Gesundheitswesen in Deutschland stetig. Und auch die Bandbreite an interessanten Aktivitätsschwerpunkten ist groß. Sie geht von Medizinischen Versorgungszentren, Ärztehäusern, Praxisnetzen und -nachfolge über Finanzdienstleistungen und Datenverarbeitung sowie Telematik bis hin zu Kooperationen von Apothekern und Pflegeeinrichtungen.

Gesundheitsgenossenschaften bieten konkrete Lösungen für die Sicherung einer wohnortnahen und fachärztlichen Versorgung. So sind die bisherigen politischen Maßnahmen - wie finanzielle Anreize für die Niederlassung in schlecht versorgten Gebieten, Veranstaltungen zur Nachwuchsgewinnung oder die Verbesserung der Studiensituation - Schritte in die richtige Richtung und tragen ihren Teil zu einer flächendeckenden hausärztlichen Versorgung bei. Daneben können genossenschaftliche Modelle die Rahmenbedingungen des Landarztberufs und damit die Versorgungsstruktur entscheidend verbessern.

Gerade im ländlichen Raum scheuen Mediziner aufgrund der unsicheren Perspektive die wirtschaftlichen Risiken einer Niederlassung. Kommunen und Ärztegenossenschaften können gemeinsam das Modell eines gemeindeeigenen Versorgungszentrums entwickeln. Solche Modelle ermöglichen den Kommunen, die Gesundheitsversorgung als Standortfaktor langfristig zu sichern und bedienen auch den zunehmenden Wunsch nach Teilzeit- und Angestelltentätigkeiten von Ärztinnen und Ärzten. Verstärkt wird die Nachfrage nach Teilzeittätigkeit durch den steigenden Anteil von Frauen im Medizinstudium.

Vorteile von genossenschaftlichen Lösungen sind nachhaltige Modelle, die eine ärztliche Versorgung langfristig sichern. Darüber hinaus gibt es keine Absicht zur Gewinnmaximierung. Die Sicherstellung der Versorgung steht im Vordergrund. Schließlich werden lokale und regionale Partner eingebunden, die Vertrauen für die Menschen sichern und Verlässlichkeit schaffen.

Der Genossenschaftsverband fordert…

  • Gründungen von Medizinischen Versorgungszentren zu ermöglichen. Dafür sollten Genossenschaften im Zuge des Zulassungsverfahrens durch die Kassenärztlichen Vereinigungen anderen Unternehmensformen gleichgestellt werden.
  • Der mögliche Gesellschafterkreis für Medizinische Versorgungszentren sollte auf Bürgerinnen und Bürger erweitert werden, um eine langfristige und nachhaltige Versorgung durch die Genossenschaft sicherzustellen.

Ansprechpartner

Hannah Silberberg

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Politische Interessenvertretung

0211 16091-4665 hannah.silberberg@­genossenschaftsverband.de