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Kreditinstitute in NRW unterstützen Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft

Politische Positionen | Veröffentlicht am 20.11.2020

Gemeinsame Positionen der kreditwirtschaftlichen Verbände in Nordrhein-Westfalen:

1. Bedeutung von „Sustainable Finance“ für die Kreditwirtschaft in NRW
Unter dem Stichwort „Sustainable Finance“ wird dem Bankensektor und der Finanzwirtschaft im Rahmen der Nachhaltigkeitsdebatte zunehmende Aufmerksamkeit zuteil. Dies ist folgerichtig, denn zu den wesentlichen volkswirtschaftlichen Aufgaben der Banken gehört es, zu beurteilen, welche unternehmerischen Projekte gute Erfolgsaussichten haben. Das macht sie zu unverzichtbaren Partnern einer ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigen Transformation.
Die Kreditwirtschaft in Nordrhein-Westfalen unterstützt den Kerngedanken von „Sustainable Finance“. Auch wenn eine eindeutige Definition dieses Begriffes fehlt, versteht man darunter allgemein die Einbeziehung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeitsaspekten in finanzielle Entscheidungen. Eine einseitige Fokussierung auf einzelne Nachhaltigkeitsaspekte ist dabei zu vermeiden. Der Anspruch an Finanzmarktakteure lautet vielmehr, alle zentralen Aspekte in vernünftiger Weise in Einklang zu bringen.
Die nachhaltige Transformation ist in Teilen mit einem hohen Investitionsbedarf verbunden, insbesondere im Hinblick auf ökologische Aspekte. Dies zeigen beispielsweise die Pläne für den europäischen Grünen Deal, der den Klimaschutz in den Mittelpunkt stellt. Bereits um das Emissionsreduktionsziel von 40 Prozent bis 2030 zu erreichen, sind nach Schätzungen der Europäischen Kommission 260 Milliarden Euro an zusätzlichen jährlichen Investitionen notwendig (ca. 1,7 Prozent des EU-Bruttoinlandsproduktes 2019). Auf das nordrhein-westfälische BIP (2019) umgerechnet, ergibt sich hier ein jährlicher Investitionsbedarf von
etwa 12 Milliarden Euro.
Den Kreditinstituten in NRW kommt bei der nachhaltigen Transformation daher eine hohe Bedeutung zu. Sie beraten nicht nur ihre Kundinnen und Kunden bei der Geldanlage und sind selbst als Anleger an den Kapitalmärkten aktiv, sondern sie erfüllen auch eine wichtige Funktion als Kreditgeber der regionalen Wirtschaft. Sie kennen ihre Kundschaft und ihr Marktumfeld gut und treffen auf dieser Basis verlässliche Kreditentscheidungen. Als Hausbanken sind sie zudem direkte Ansprechpartner für die Vergabe der Fördermittel, die die Politik über Förderinstitute wie die NRW.Bank zusagt, um Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen. Damit spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von nachhaltigen Investitionen.

2. Chancen von Sustainable Finance für die Kreditwirtschaft
Sustainable Finance bietet für Banken und Sparkassen Chancen im Wettbewerb, da das Interesse der Kundinnen und Kunden an diesem Thema zunimmt. Beispielhaft ist hier eine Umfrage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und des Umweltbundesamtes zu nennen, die zeigt, dass die Mehrheit der Befragten den Umwelt- und Klimaschutz als nötig ansehen, um Zukunftsaufgaben zu meistern (69 Prozent), Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern (62 Prozent bzw. 55 Prozent) und um Arbeitsplätze zu schaffen (55 Prozent). Insbesondere in den Bereichen Energie, Landwirtschaft, Städtebau und Verkehr sollte aus Sicht der Befragten Umwelt- und Klimaschutz eine größere Rolle spielen. (Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit/Umweltbundesamt (Hrsg.),Umweltbewusstsein in Deutschland 2019 – Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage.)

Bereits in den vergangenen Jahren haben Banken und Sparkassen auf diese Entwicklungen reagiert. Viele Institute haben ihr Produkt- und Dienstleistungsangebot um nachhaltige
Produkte ergänzt. In freiwilliger Eigeninitiative wurden Nachhaltigkeitskriterien entwickelt bzw. derartige Kriterien in die Geschäftsprozesse eingebunden. Themen wie dem Klimaschutz widmen die Institute zunehmende Aufmerksamkeit. Hervorzuheben ist zudem, dass die Kreditinstitute in NRW im Rahmen ihrer Corporate Social Resonsibility seit vielen Jahren ökologische und soziale Aktivitäten unterstützen.

3. Risiken von Sustainable Finance für die Kreditwirtschaft
Mit den unternehmerischen Investitionen, die für die nachhaltige Transformation erforderlich sind, sind zwar Chancen, aber auch erhebliche ökonomische Risiken für die betroffenen Unternehmen verbunden. Das Verhältnis zwischen Chancen und Risiken hängt entscheidend von den jeweils betroffenen Branchen ab und wird auch je nach Region stark variieren. Studien, die die Performance von nachhaltigen Kapitalmarktanlagen auf
überregionaler bzw. internationaler Ebene betrachten, können deswegen nicht ohne Weiteres auf das klassische Kreditgeschäft regionaler Banken und Sparkassen heruntergebrochen werden.
Neue Regeln für den Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken stellen die Institute daher – in Abhängigkeit von ihren regionalen geschäftlichen Schwerpunkten – vor strategische Herausforderungen. Kreditinstitute müssen solide profitabel sein, um ihre Risikofunktion erfüllen und langfristig am Markt bestehen zu können. Eine Regulierung, die einseitig einzelne Nachhaltigkeitsaspekte betont, kann dazu führen, dass Banken in ihren Kernmärkten nur noch Investitionen mit erhöhten ökonomischen Risiken finanzieren können und somit in die Gefahr geraten, ihr Finanzierungsgeschäft auf längere Sicht nicht mehr wirtschaftlich profitabel betreiben zu können. Folge einer solchen Entwicklung können auch negative gesellschaftliche Auswirkungen in den Regionen sein. Zusätzliche Herausforderungen für die Kreditinstitute können – etwa im Rahmen der Taxonomie – aus Vorgaben entstehen, die unzureichend an die Bankpraxis angepasst sind, sowie aus fehlenden bzw. nur schwer standardisierbaren Daten.

4. Handlungsempfehlungen
Vermieden werden sollte, ökonomische Risiken aus der nachhaltigen Transformation, die ja den Interessen der Gesellschaft als Ganzes dienen soll, auf die Kreditinstitute und die
Unternehmen abzuwälzen. Anstelle von Verboten und Sanktionen sollten Anreize für Sustainable Finance auf Banken- und Unternehmensseite im Mittelpunkt stehen, beispielsweise in Form von Eigenkapitalerleichterungen oder öffentlichen Förderangeboten.
Zielgerichtete, gemeinsam mit Wirtschaft und Banken entwickelte Förderprogramme – ausgestattet mit staatlichen Garantien (Haftungsfreistellungen) – können helfen, gesamtgesellschaftlich wünschenswerte langfristige ökologische Ziele etwa im Rahmen des europäischen Grünen Deals zu erreichen. Gleichzeitig bleibt die ökonomische Nachhaltigkeit der Kreditinstitute und Unternehmen auf dem Weg zur Erreichung dieser Ziele erhalten und es können positive Konjunkturimpulse erzeugt werden.
Bei der Entwicklung eines regulatorischen Rahmens für Sustainable Finance sind nationale Vorfestlegungen zu vermeiden. Erforderlich ist vielmehr eine Einbindung in eine europäische Nachhaltigkeitsstrategie mit fairen Bedingungen für alle Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer. Mögliche Konsequenzen – beispielsweise auf die Finanzierung der Produktion in Ländern, die völlig anderen Regelwerken unterliegen – müssen analysiert
werden. Auch die Auswirkungen auf nordrhein-westfälische Schlüsselbranchen wie Energie, Transport und Verkehr oder Landwirtschaft sind sorgfältig zu betrachten. Anzustreben ist, dass Finanzregularien mit branchenspezifischen Regelungen etwa für den Agrar- oder Energiebereich in Einklang gebracht werden.

Die Finanzstabilität muss bei der Entwicklung eines Regulierungsrahmens für Sustainable Finance hohe Priorität haben. Verlässliche Regeln sind daher erforderlich. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass sehr knapp bemessene Fristen für die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen die kurz- bis mittelfristigen ökonomischen Risiken für Unternehmen und ihre finanzierenden Banken erhöhen können.

Der Regulierungsrahmen für Sustainable Finance darf weder die Kreditinstitute noch ihre Unternehmenskundschaft bürokratisch überlasten. Dies gilt insbesondere für mittelständische Betriebe sowie regionale Banken und Sparkassen, die für die Nachhaltigkeitsberichterstattung im Allgemeinen und ein Nachhaltigkeitsmanagement im Besonderen nur begrenzte personelle Ressourcen aufwenden können.

Um Nachhaltigkeitsaspekte mess- und vergleichbar zu machen, sind verbindliche Kriterien für Kreditinstitute und ihre Unternehmenskundschaft hilfreich. Hierbei müssen die Aspekte Ökologie, Soziales und Ökonomie/Unternehmensführung gleichermaßen berücksichtigt werden. Es bleibt abzuwarten, ob die gerade in Umsetzung befindliche Taxonomie-Verordnung die richtigen Lösungen liefert. Erforderlich ist zudem ein Zugang zu relevanten öffentlichen Nachhaltigkeitsinformationen, beispielsweise in Form eines zentralen ESG-Datenregisters der EU.

5. Fazit
Bei der nachhaltigen Transformation der Wirtschaft kommt den Banken und Sparkassen in NRW eine Schlüsselrolle zu. Sie besitzen die besten Voraussetzungen, um Investitionsströme unter der Berücksichtigung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien effizient zu lenken. Bei der Konzeption von regulatorischen Rahmenbedingungen und Fördermaßnahmen sollte die Politik daher die Rolle der Banken und Sparkassen stärken
und die Finanzwirtschaft nicht durch zu enge Zeitpläne und zu viel Bürokratie überlasten. Die Vorreiterrolle vieler Banken und Sparkassen – beispielsweise durch verbindliche Selbstverpflichtungen zu Nachhaltigkeitsthemen – sollte berücksichtigt werden. Eine Einbindung der Expertise von Kreditinstituten und Wirtschaft in die Entwicklung von Regulierungsmaßnahmen und Förderprogrammen für die nachhaltige Transformation ist daher unverzichtbar.

Ansprechpartner
Contact
Daniel Illerhaus
Bereich Kommunikation & Change
Abteilungsleiter Interessenvertretung und Events
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