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Ergebnisse der EZB-Umfrage zur Kreditvergabe für Juli 2020

Die Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) legt nahe, dass Banken in Deutschland ihre Kreditangebotspolitik im ersten Halbjahr gegenüber allen wichtigen Wirtschaftssektoren restriktiver gestalten. Für das zweite Halbjahr sind für nahezu alle Sektoren entsprechende Vorgehensweisen geplant. Die Kreditnachfrage der Unternehmen nahm deutlich zu - auch belebt durch die Corona-Hilfsprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Förderbanken der Länder. Die Banken erwarten auch in den kommenden drei Monaten einen Anstieg der Nachfrage. Die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten ging hingegen erstmalig seit 2017 zurück.

Die befragten Banken verschärften die Kreditrichtlinien (d. h. die internen Richtlinien oder Kriterien einer Bank für die Gewährung von Krediten) im Unternehmenskreditgeschäft erneut in größerem Umfang. Auch bei den Kreditvergaberichtlinien für private Wohnungsbaukredite schlagen sich die Auswirkungen der Pandemie in strengeren Vergabemaßstäben nieder. Für die kommenden drei Monate planen die Banken keine nennenswerten Änderungen der Standards in allen erfragten Bereichen.

Gleichzeitig verschärften die befragten Institute die Kreditbedingungen (d. h. die in den Kreditverträgen vereinbarten tatsächlichen Bedingungen für die Gewährung von Krediten) in allen erfragten Geschäftsfeldern. Als Hauptgründe für die Verschärfung der Kreditstandards und -bedingungen nannten die Institute das höher eingeschätzte Kreditrisiko sowie eine geringere Risikotoleranz. Im Firmenkundengeschäft trugen zudem auch verschlechterte Refinanzierungskosten und bilanzielle Restriktionen der Banken zur Straffung bei.

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten, insbesondere von kleineren und mittleren Unternehmen, legte erwartungsgemäß kräftig zu. Dabei wurde die Nachfrage durch die Corona-Hilfsprogramme der KfW und der Förderbanken der Länder gestützt. Getrieben war der Anstieg insbesondere von dem hohen Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel.

Die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten ging erstmalig seit Ende 2017 zurück, wenngleich der Rückgang deutlich schwächer ausfiel als im Vorquartal erwartet worden war. Auch bei den Konsumenten- und sonstigen Krediten kam es zu einem kräftigen Nachfragerückgang. Nach Angaben der Banken waren ein deutlich gesunkenes Verbrauchervertrauen infolge der Covid-19-Pandemie sowie die Filialschließungen der Banken während des Lockdown die wesentlichen Gründe für die geringere Kreditnachfrage seitens der privaten Haushalte. Für die kommenden drei Monate erwarten die Banken einen weiteren Anstieg der Nachfrage nach Unternehmenskrediten, einen erneuten Nachfragerückgang bei den privaten Wohnungsbaukrediten und eine Zunahme des Mittelbedarfs bei Konsumenten- und sonstige Krediten.

Der Anteil der abgelehnten Kreditanträge stieg infolge der gestrafften Kreditvergabemaßstäbe und auch wegen einer verschlechterten Bonität der Antragsteller infolge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie in allen Kreditsegmenten deutlich an.

Für das zweite Halbjahr rechnen die Banken jedoch mit einem deutlich restriktiveren Einfluss insbesondere bei Unternehmenskrediten. Ihre Kreditangebotspolitik verschärften die interviewten Banken im ersten Halbjahr für alle erfragten Wirtschaftssektoren. Sie planen auch für das zweite Halbjahr sektorübergreifend weitere Verschärfungen. Davon ausgenommen ist der Wohnimmobiliensektor, wo die Lockerung der Kreditbedingungen geplant ist.

Die viermal im Jahr durchgeführte Befragung zum Kreditgeschäft fand in der Zeit vom 5. Juni bis zum 23. Juni 2020 statt. An der Umfrage nahmen in Deutschland 34 Banken teil. Die Rücklaufquote lag bei 100 %.

Auf europäischer Ebene insgesamt sind ähnliche Verläufe zu beobachten, jedoch mit differierenden Ausprägungen.

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Contact
WP/StB
Dr. Michael Wellmann
Spezialistenteams Banken, Region West
Abteilungsleiter
Fachlicher Leiter Spezialistenteam Gesamtbanksteuerung
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