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Bürgerstiftungen: Vom Zusehen zum Mitmachen

Stiften, sich engagieren – das geht nicht nur prominent und mit viel Geld. Auch im Kleinen und im eigenen Ort ist das möglich. In Deutschland engagieren sich rund 50.000 Menschen in mehr als 400 Bürgerstiftungen. Dr. Stefan Nährlich von der Stiftung ‚Aktive Bürgerschaft‘ erklärt wieso.

Herr Dr. Nährlich, seit etwa 20 Jahren gibt es Bürgerstiftungen in Deutschland. Wie funktioniert dieses Modell eigentlich?

Dr. Stefan Nährlich: Privatpersonen und Unternehmen tun sich zusammen und engagieren sich für gemeinnützige Projekte in ihrer Stadt oder Region. Jeder ist eingeladen, mitzumachen. Als Stifter, Spender oder ehrenamtlich Engagierter. Juristisch haben wir es mit einer rechtsfähigen Stiftung des bürgerlichen Rechts zu tun, deren Satzung den so genannten zehn Merkmalen einer Bürgerstiftung entspricht.

Was leisten die Stiftungen in ihren Regionen?

Das kommt darauf an, wie engagiert die Menschen und Unternehmen dort sind. Im letzten Jahr hat beispielsweise eine Bürgerstiftung wie die in Gütersloh, dort leben 100.000 Menschen, gemeinnützige Projekte mit 300.000 Euro im Jahr gefördert. In einem kleinen Ort wie Vreden mit 22.000 Einwohnern hat die dortige Bürgerstiftung im letzten Jahr mit einer halben Million Euro Schul- oder Integrationsprojekte gefördert, Vereine unterstützt und vieles mehr getan. Das sind Spitzenwerte, die natürlich noch nicht alle Bürgerstiftungen erreichen. Aber jedes Jahr wird die Spitzengruppe größer.

Viele Menschen – ob Privatpersonen oder Unternehmen – möchten sich in ihren Regionen gerne engagieren. Welche Vorteile bieten hier Bürgerstiftungen?

Vor allem erhöhen Bürgerstiftungen die Wirkung des Engagements. In jeder Stadt gibt es Menschen, die sich engagieren wollen und Menschen oder Initiativen und Projekte, die Unterstützung brauchen. Da Bürgerstiftungen in der Breite fördern und über ein großes Netzwerk verfügen, sind sie ideale Ansprechpartner rund um das Thema Engagement vor Ort. In den USA, dem Mutterland der Community Foundations, sagt man gerne, man engagiere sich über die Bürgerstiftung für seine Stadt. Da ist etwas dran: Ziel jedes Engagements ist ja nicht, eine Organisation groß zu machen, sondern sich ihrer zu bedienen, um sich besser für Integration oder Bildung, Kultur oder Soziales einzusetzen.

Inwiefern kann eine Bürgerstiftung auf aktuelle Herausforderungen in den Regionen, wie beispielsweise die Aufnahme von Geflüchteten, reagieren?

Zum einen weil sie die rechtlichen Voraussetzungen mitbringt. Konkret, die Vielzahl der Stiftungszwecke. Sie ermöglichen flexibles Handeln. Zum anderen, weil Bürgerstiftungen über eigene finanzielle Mittel verfügen. Das heißt, sie müssen nicht erst Anträge stellen und warten ob diese bewilligt werden. Außerdem sind die Entscheidungswege innerhalb der Bürgerstiftung kurz. Schließlich sind die Bürgerstiftungen vor Ort auch gut vernetzt und nah bei  den Menschen. Das sind alles wichtige Voraussetzungen, um flexibel, schnell und wirkungsvoll handeln zu können.

Wie können sich Interessierte in einer Bürgerstiftung engagieren?

Sie können beispielsweise für ein konkretes Projekt spenden oder ihre eigene Stiftung unter dem Dach der Bürgerstiftung gründen. Sie können sich in den Gremien ehrenamtlich engagieren oder in einem Projekt mitmachen. Es gibt keine andere Organisationsform, die so viele Möglichkeiten bietet wie die Bürgerstiftung.


Ansprechpartnerin:
Lisa König-Topf
Genossenschaftsverband e.V.
Tel: 069 6978 3491
E-Mail



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