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„Nicht nur Banker, sondern auch Unternehmer“

Im Interview erläutert Folkert Groeneveld, Vorstand der VR-Bank in Südniedersachsen, die Vorteile und Herausforderungen des Geschäftsmodells einer gemischtwirtschaftlichen Kreditgenossenschaft, die Rolle der Bank für die Region und die Vorzüge einer Genossenschaft.
„Nicht nur Banker, sondern auch Unternehmer“

Vorstandsvorsitzender der VR-Bank in Südniedersachsen eG Folkert Groeneveld (© VR-Bank in Südniedersachsen eG)

Herr Groeneveld, wie können Sie die Unternehmensphilosophie der VR-Bank in Südniedersachsen beschreiben?

Unsere Philosophie hat sich seit Gründung vor über 130 Jahren eigentlich nur dahingehend angepasst, dass wir unsere traditionellen Werte, unser Prinzip der ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘, in eine moderne Form übertragen haben. Es geht heute nicht mehr um die ganz existenziellen Fragen, aber natürlich lösen wir auch heute noch wirtschaftlich grundlegende Fragen. Wie bekommt ein Landwirt sein Getreide vom Hof? Wie erhalten Existenzgründer Finanzierungen, Fördermittel oder Beratung?

Welche Bedeutung hat die VR-Bank in Südniedersachsen für ihre Region?

Mit unserer Warensparte sind wir ganz deutlich der Marktführer und haben eine dementsprechende Bedeutung für die ländlich geprägte Region – sowohl was den regionalen Baustoffhandel angeht, als auch in der klassischen Agrarsparte. In bestimmten Regionen unseres Geschäftsgebiets haben wir einen Marktanteil von nahezu 100 Prozent. Auch im Bankbereich haben wir auf dem Land, bis zu den Randgebieten der Städte Göttingen und Kassel, einen sehr hohen Marktanteil. In den Städten selbst sind dann unsere Mitbewerber präsent.

Was sind die Vorteile im Geschäftsmodell einer gemischtwirtschaftlichen Kreditgenossenschaft?

Wir haben im Bank- und Warengeschäft verschiedene Geschäftsansätze, die sich aber sehr gut ergänzen. In einer Zeit, wie beispielsweise der Finanzmarktkrise 2008/2009, erwirtschaftete  der Warenbereich einen sehr guten Ertrag, welcher vieles kompensieren konnte. Als sich die Finanzmarktkrise später auf die Düngermärkte ausgewirkt hat, waren die Erträge des Bankgeschäfts dagegen wieder stark. Wenn wir außerdem mit einem Warenkunden Getreide handeln, hat dieser zum Beispiel auch gleichzeitig Fragen zu Finanzierungsthemen hinsichtlich seines Betriebs, die er an uns richten kann. Wenn ein Firmenkunde sieht, dass wir das Einzelhandelsgeschäft selbst auch betreiben, ist das in Beratungsgesprächen das überzeugendste Argument für unsere Expertise. Ein Kunde hat es einmal auf den Punkt gebracht: ‚Sie sind nicht nur Banker, sondern Sie sind auch Unternehmer‘.

Sie schaffen als Genossenschaft Lösungen für die Region. Können Sie ein Beispiel nennen?

Zum Beispiel haben wir neue Nutzungskonzepte für innerorts gelegene Getreidelager, die aufgrund der heutigen Anforderungen nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können, entwickelt und hier mit verschiedenen Partnern Nahversorgungszentren realisiert. So erfüllen wir unsere Aufgabe für die Region und haben gleichzeitig diese Substanz einer guten Verwendung zugeführt: für unsere Genossenschaft in Form von Mieteinträgen und für die ländlich geprägte Region in Form der Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat das Warengeschäft für die VR-Bank in Südniedersachsen?

Die absolute wirtschaftliche Bedeutung des Warengeschäfts gegenüber dem Bankgeschäft beträgt etwa 20 Prozent. Mit einer Gewinn- und Verlustrechnung lässt sich seine Bedeutung aber nicht eindeutig messen. Viele Geschäfte im Bankbereich bekommen wir nur, weil wir das Warengeschäft haben. Aufgrund dieser Expertise werden immer wieder Projekte an uns herangetragen, die kaum eine andere Bank vorgestellt bekommt. Auf der anderen Seite ist die Bedeutung der Bank für das Warengeschäft auch nicht zu unterschätzen. Bei uns können landwirtschaftliche Betriebe sicher sein, dass sie ihre Zahlungen zügig und absolut verlässlich bekommen, was bei Wettbewerbern nicht unbedingt selbstverständlich ist.

Welche spezifischen Risiken und Herausforderungen sind mit dem Warengeschäft verbunden?

Das Warengeschäft ist wie jede unternehmerische Betätigung nicht frei von Risiko. Auf Rohstoffmärkten bewegen wir uns oft völlig unabhängig von Themen, die die Bankmärkte bewegen. Im Warenbereich spielen zum Beispiel Wetterkriterien eine entscheidende Rolle. Den Dollarkurs und Ölpreis beobachten meine Kollegen aus den reinen Banken mit anderen Augen – auf den Rohstoffmärkten haben sie eine ganz elementare Bedeutung. Der Rohstoffmarkt ist ein Weltmarkt – Einfluss auf Preise haben verschiedenste Faktoren, wie etwa weltweite Ernteerträge.

Wie sichern Sie sich gegen Preisschwankungen im Rohstoffhandel ab?

Wir gehen im Realmarkt, also mit Großhändlern und der Industrie, frühzeitig Preissicherungen ein, sowohl im Einkauf als auch im Verkauf. So erfüllen wir auch die ureigene Aufgabe einer Genossenschaft, gemeinsam für die Landwirte die Verkaufssituation zu klären und das Einkommen für die Produktionsmittel zu sichern. Zusätzlich nutzen wir die Instrumente der Warenterminbörse, also virtuelle Sicherungsgeschäfte auf unsere Bestände. In unserem Risikomanagement fließen Bank- und Warenbereich zusammen, immer vor dem Hintergrund der Tragfähigkeit unseres Unternehmens.

Welche Vorteile liegen in der Rechtsform einer Genossenschaft?

Transparenz und Offenheit sind die Voraussetzungen für Vertrauen, das in der heutigen Zeit der Finanzbranche das A und O ist. Und wir haben als Genossenschaft ein sehr transparentes Geschäftsmodel. Ich glaube, es gibt kein Unternehmen in der Finanzbranche, dem man mehr Vertrauen kann als einer Genossenschaft. Konkret schaffen wir Transparenz zum Beispiel durch unsere regionalen Mitgliederversammlungen, in denen wir uns auch der Diskussion stellen. Wir organisieren pro Jahr über 60 Kundenveranstaltungen und präsentieren darin unsere Mitarbeiter und den Vorstand.

Wie kann der Genossenschaftsverband seine Mitglieder unterstützen?

Der Genossenschaftsverband ist in der Lage uns beratend zu begleiten. Besonders in Themen, die durchaus operativ geprägt und individuell sind, wie es ja auch unserer Struktur entspricht. Konkurrenzunternehmen haben sicherlich große Kompetenzen, aber sie wären mit den Fragen, die uns täglich bewegen, schnell überfordert. Auch die Gremienstruktur ist eine große Stärke des Verbands. Darüber hinaus bündelt der Verband die Themen, die uns an der Basis bewegen, und vertritt unsere Interessen effektiv gegenüber Politik und Exekutive, egal ob Steuer- oder Finanzverwaltung. In alledem ist der Genossenschaftsverband stark und hier brauchen wir ihn auch.


Ansprechpartner:
Matthias Dieler
Referent Kommunikation
Redaktion ,netzwerk‘
Tel.: 069 6978-3220
E-Mail



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