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Nobelpreisträger-Lob für genossenschaftliche Regionalbanken

newsroom | Veröffentlicht am 03.06.2019
Ralf W. Barkey
Vorstandsvorsitzender

Die Stärkung regionaler und genossenschaftlicher Banken kann helfen, die aktuellen Probleme Europas zu lösen. So argumentiert der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz in seinem neuen Buch "Rewriting the Rules of the European Economy". Veröffentlicht wurde es von FEPS, einer Brüsseler Denkfabrik, die den europäischen Sozialdemokraten nahesteht. Es freut mich sehr, dass das Erfolgsmodell der Volksbanken und Raiffeisenbanken damit zunehmend auch auf internationaler Ebene anerkannt und diskutiert wird.

Zentrales Thema des Buches ist die langfristige Wachstumsschwäche von Teilen Europas. Diese wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass Finanzinstitute in den betroffenen Ländern die Bedürfnisse der Realwirtschaft nicht optimal erfüllen. Am besten ließe sich diese Situation durch Banken verbessern, die mit den regionalen ökonomischen Verhältnissen intensiv vertraut sind, argumentieren Stiglitz und seine Co-Autoren. Hierfür seien Genossenschaftsbanken prädestiniert:

„Ohne den Druck des Shareholder Value können Genossenschaftsbanken mit einem längeren Zeithorizont agieren, der es ihnen ermöglicht, engere Beziehungen zu ihren Kunden aufzubauen. Sie sind eine wichtige Quelle für eine stabile Finanzierung kleinerer Unternehmen.“

Auch wirtschaftlich können Genossenschaftsbanken erfolgreich sein – gerade wenn sie regional ausgerichtet sind. Dies zeigt das Beispiel der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Im Buch heißt es dazu:

„Es gibt auch überzeugende Belege dafür, dass kleine Banken effizienter und wachstumsfreundlicher sein können als große. So haben beispielsweise kleine lokale deutsche Banken in der Regel eine bessere Cost-Income-Ratio als private Großbanken. Sie leisten auch höhere relative Beiträge zur Finanzierung der öffentlichen Hand.“

Eine Stärkung gut regulierter lokaler Banken sei daher für die Mittelstandsfinanzierung zielführender als beispielsweise die geplante EU-Kapitalmarktunion, heißt es weiter. Auch diese Einschätzung teilen wir. Dass in vielen EU-Ländern die Mittelstandsfinanzierung unter einem Mangel an soliden regionalen Kreditinstituten mit langfristiger Ausrichtung leidet, zeigen wir in unserem Positionspapier "Kreditklemmen genossenschaftlich lösen".

Andere Aussagen des Buches hingegen sind kritisch zu bewerten, beispielsweise die Forderung nach einer europäischen Einlagensicherung. Eine vergemeinschaftete EU-Einlagensicherung würde solide Genossenschaftsbanken zur Mithaftung für systemrelevante private Großbanken im In- und Ausland zwingen. Die Erfolgsprinzipien ihrer langjährig bewährten selbstorganisierten Sicherungseinrichtung, die vor allem auf Prävention setzt, würden ignoriert. Die Anreize für riskante Institute, auf Kosten solider Banken zu spekulieren, würden deutlich zunehmen.

Auch bei Themen wie der EU-Einlagensicherung muss daher der Nutzen genossenschaftlicher Eigeninitiative stärker in den Blick gerückt werden. Indem es die grundsätzlichen Stärken genossenschaftlicher Regionalbanken herausstellt, leistet das Stiglitz-Buch dennoch einen konstruktiven Beitrag zur Debatte um Bankenmodelle in Europa.

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