Abgestufte Regulierung dient der Stabilität des Finanzsystems

Ein Beitrag von…

Michael Bockelmann

Große, systemrelevante Banken benötigen global abgestimmte Regeln. Daher gestaltet ein internationales Gremium, der Basler Ausschuss, die Aufsichtsstandards für diese Institute mit. Dagegen ist es wenig sinnvoll, auch kleine Institute wie die Volksbanken und Raiffeisenbanken diesen Vorgaben zu unterwerfen. Weder haben sie die Finanzmarktkrise verursacht, noch sind sie "too big to fail".

Leider werden in Europa kleine, risikoarme Regionalbanken regulatorisch an vielen Stellen genauso behandelt wie systemrelevante Großbanken. Dies liegt nicht am Basler Ausschuss, sondern an der Entscheidung der EU, dessen Standards für alle Banken verpflichtend umzusetzen. Damit weicht die EU von der Absicht des Ausschusses ab, lediglich für die größten und riskantesten Institute einheitliche Regeln zu schaffen.

Dadurch macht die EU das Finanzsystem jedoch nicht sicherer – im Gegenteil. Es droht eine Destabilisierung, wie Jon Danielsson, Direktor am Zentrum für Systemrisiken (Systemic Risk Centre) der London School of Economics, warnt.

Die Umsetzung der neuen, komplexen Regelwerke aus Basel verursacht hohe Kosten, die nur begrenzt abhängig sind von der Größe einer Bank. Je größer eine Bank ist, desto leichter kann sie diese Kosten bewältigen. Um die Belastungen aus der Regulierung zu reduzieren, sehen sich viele Banken gezwungen, deutlich zu wachsen, beispielsweise durch Fusionen.

Die Konsequenzen daraus können wir in Europa bereits beobachten: Die Anzahl kleiner Institute im Euroraum ging seit der Finanzmarktkrise um 24 Prozent zurück, während der Marktanteil der fünf größten Banken von 44 Prozent auf 48 Prozent zugenommen hat.

Wenn die EU dieses Problem nicht aktiv angeht, drohen uns ein zunehmend oligopolistisches Bankensystem und damit eine Verstärkung des Too-Big-To-Fail-Problems, so Jon Danielsson. Den aktuellen Stand der EU-Regulierung wertet er als ein Zeichen dafür, dass sich Großbanken zu einseitig mit ihrer Lobbyarbeit durchgesetzt haben. Andere Gesetzgeber, wie die USA, seien hier bereits weiter, betont der Ökonom in seinem Beitrag. Sie haben seit Jahren eine abgestufte Bankenregulierung und differenzieren – abhängig von Größe und Risikogehalt – klar zwischen unterschiedlichen Bankenmodellen.

Die EU sollte sich an diesem Beispiel orientieren und ihre Bankenregulierung deutlich proportionaler gestalten als bisher. Dies würde nicht nur kleine, für die Mittelstandsfinanzierung unverzichtbare Banken stärken, sondern auch die Finanzstabilität langfristig sichern. Die aktuelle Diskussion über eine "Small Banking Box" weist daher in die richtige Richtung.