13.09.2018

Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite: „Bankenregulierer müssen endlich die richtigen Lehren ziehen“

Neu-Isenburg. Vor zehn Jahren, am 15. September 2008, meldete die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an – und bis heute haben Bankenregulierer nicht die richtigen Lehren aus der Finanzmarktkrise gezogen: „Die Marktmacht der systemrelevanten Großbanken steigt. Sie können weiterhin damit rechnen, in Krisen vom Staat gerettet zu werden. Das zeigen zum Beispiel die milliardenschweren Stützungsmaßnahmen für die italienische Monte Dei Paschi im Jahr 2017“, kritisiert Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbandes – Verband der Regionen. „Solide regionale Kreditinstitute wie die Volksbanken und Raiffeisenbanken, die das Finanzsystem nicht gefährden und die die Krise ganz ohne Staatshilfen gemeistert haben, werden dagegen durch eine übermäßig bürokratische Regulierung bestraft.“

In einem aktuellen Zehn-Punkte-Papier macht der Genossenschaftsverband deutlich, wie stark das „Too Big To Fail“-Prinzip den Bankenmarkt bis heute verzerrt. So können sich systemrelevante Banken billiger Geld leihen, wie Barkey ausführt. Die Geldgeber dieser Banken gingen aufgrund der impliziten Staatsgarantie von einem geringeren Ausfallrisiko ihrer Kredite aus und verlangten daher niedrigere Zinsen. Das bestätige ein Arbeitspapier des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken. „Allein in Deutschland betrugen die Refinanzierungsvorteile der systemrelevanten Banken – eine Art implizite Subvention – im Jahr 2016 rund 13 Milliarden Euro“, berichtet der Verbandschef.

„Dank der impliziten Staatsgarantien haben systemrelevante Banken einen starken Anreiz, zu expandieren und überhöhte Risiken einzugehen. Auch das zeigt unser Zehn-Punkte-Papier“, so Barkey weiter. Das Ergebnis: Seit 2008 steigerten die fünf größten Banken der Eurozone ihren Marktanteil nach Bilanzsumme von 44 Prozent auf 48 Prozent, wie Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen. Die Anzahl der kleinen, nicht systemrelevanten Banken in Europa dagegen sank seit 2008 um 30 Prozent.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, sollte die EU dringend in der Bankenregulierung stärker zwischen größeren und kleineren Banken differenzieren, fordert Barkey. „Ein Negativbeispiel sind die seit der Krise neu eingeführten Melde- und Offenlegungspflichten. Diese erhöhen bei kleinen Banken nicht die Finanzstabilität, führen dort aber zu unnötiger Bürokratie. Eine derart komplexe Regulierung ist nur für systemrelevante Großbanken angemessen und sollte daher auf diese beschränkt bleiben.“

Mehr zu diesem Thema: www.genossenschaftsverband.de/zehn-jahre-lehman

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Stefanie Schulte

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Politische Interessenvertretung

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