30.03.2017

Wirtschaftsforum der Volksbanken und Raiffeisenbanken: Industrie 4.0 verändert Standort Thüringen

Weimar, 30.03.2017 – Vom 3-D-Druck bis zum autonomen Fahren: Die Digitalisierung wird alle Lebensbereiche verändern. Dabei kommt es darauf an, die Potenziale so zu nutzen, dass es nicht zu Spaltungen in Arbeitswelt und Gesellschaft kommt. Für den Mittelstand in Thüringen bieten kooperative Wertschöpfungsnetzwerke eine Chance, um trotz geringer Größe der einzelnen Betriebe gemeinsam erfolgreich zu sein. Bei dem Wirtschaftsforum „Neue Märkte – alte Werte: Thüringens Mittelstand im Wandel“, das gestern in der neuen Weimarhalle stattfand, informierten sich mehr als 300 Unternehmer auf Einladung der Volksbanken und Raiffeisenbanken über Perspektiven besonders bezüglich Industrie 4.0 .

Genossenschaftsbanken pilotieren Bezahlen per Smartphone
„Gerade in familiengeführten Unternehmen, die einen Großteil des Thüringer Mittelstandes ausmachen, wird das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns gelebt“ betonte zur Eröffnung des Wirtschaftsforums Horst Klumb, Vorstandsvorsitzender der vr bank Südthüringen eG. Dabei würden traditionellen Werte mit Innovationskraft und Veränderungsbereitschaft verbunden. Ein Vorreiter der Digitalisierung ist nach Einschätzung Klumbs seit jeher die Finanzwirtschaft. „Derzeit pilotieren wir Genossenschaftsbanken ein bargeldloses Bezahlen via Smartphone. Sicher wird das sogenannte Mobile Payment von einer wachsenden Anzahl von Kunden genutzt werden.“

Hightech – made in Thüringen
Industrie 4.0 zum Anfassen präsentierte Dr. Martin Schilling, Geschäftsführer der 3D Schilling GmbH aus Sondershausen. Sein Unternehmen war 1993 eines der ersten in Deutschland überhaupt, das mit 3-D-Druck zu arbeiteten begann. Während seines Vortrags war auf der Bühne ein solches Gerät in Betrieb zu sehen. Damit können verschiedenste Produkte gefertigt werden, z.B. auch ein gedrucktes und tatsächlich schwimmfähiges Kanu. Digitale Produkt- und Prozessinnovationen werden nach Einschätzung Schillings jedoch nicht ausreichen, um im Wettbewerb zu bestehen. „Unternehmen, die Digitalisierung in neue Geschäftsmodelle umsetzen, sind deutlich profitabler.“

Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 an der TU Ilmenau
Für Prof. Jean Pierre Bergmann vom Fachgebiet Fertigungstechnik an der Technischen Universität Ilmenau wird die Digitalisierung sowohl Produktion und Distribution als auch die Märkte selbst tiefgreifend verändern. Mit seinem Kompetenzzentrum „Mittelstand 4.0“ zeigt er den Unternehmern in Modellfabriken für Themen wie Produktionssteuerung oder Migration auf, wie sie die Digitalisierung umsetzen können. „Ziel ist es, eine durchgängige Wertschöpfung in der Region, also innerhalb weniger Kilometer zu erreichen“, erläuterte Bergmann. Dabei gehe es in Thüringen darum, die vielen kleine Unternehmen mit ihren einzelbetrieblichen Stärken in Wertschöpfungs-Netzwerken zusammenzubringen. So könnten über flexible Kooperationen benötigte hohe Stückzahlen auch jenseits der Kapazitätsgrenzen einzelner Unternehmen produziert werden.

Digitalisierung darf nicht zu Spaltung führen
Zu gesellschaftlichen Aspekten der Digitalisierung nahm der Theologe Prof. Wolfgang Huber, von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Stellung. Im Umgang mit ihren Möglichkeiten seien weder grenzenlose Euphorie noch apokalyptische Befürchtungen angebracht. „Nicht einfach machen, sondern mit Vernunft und Verantwortung machen“, plädiert Huber für einen pragmatischen Umgang. Ausdrücklich wandte er sich gegen die in jüngster Zeit von Top-Managern zunehmend geforderte Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Dahinter stehe die Erwartung, dass Teile der Beschäftigten in der Arbeitswelt auf der Strecke bleiben und deshalb alimentiert werden müssten. „Das modernere Modell gegenüber einem solchen Umverteilungsstaat ist ein Staat, der Teilhabe ermöglicht“, unterstrich Huber.