20.03.2017

Volksbanken und Raiffeisenbanken sind Premiumanbieter von Sicherheit

Hannover, 20.03.2017 – In einer Phase wieder zunehmender Verunsicherung über die Stabilität des Finanzsystems bilanzieren die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Niedersachsen für 2016 einmal mehr ein erfolgreiches Geschäftsjahr, trotz zunehmendem Margen- und Kostendruck: Mit einem Plus von 1,8 Mrd. Euro auf 29 Mrd. Euro bei den Einlagen (+6,7 %) und 1,1 Mrd. Euro auf 24,6 Mrd. Euro bei den Krediten (+4,8 %) können sie ihre starke Marktposition weiter ausbauen. Die Bilanzsumme im Bundesland erreicht erstmals die 40-Milliarden-Euro-Marke (+5,3 % auf 39,9 Mrd. Euro). Auch bedingt durch fünf Fusionen liegt die durchschnittliche Bilanzsumme der 49 Kreditgenossenschaften inzwischen bei 814 Mio. Euro (+16 %). Das Fusionstempo hat sich gegenüber dem Vorjahr stark beschleunigt.

„Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind aus Sicht der Verbraucher ein Premium-Anbieter von Sicherheit. Das erklärt das weitere hohe Einlagenwachstum trotz des anhaltenden Niedrigzinsumfelds. Angesichts wachsender Ängste vor einer neuen Finanzkrise bevorzugen sie Partner, in denen sie Garanten von Stabilität sehen. Das sind die Kreditgenossenschaften dank ihres transparenten, realwirtschaftlichen Geschäftsmodells, der überschaubaren regionalen Ausrichtung und der demokratischen Unternehmensverfassung“, kommentiert Marco Schulz, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbands. Allerdings zeige das deutliche Anziehen des Fusionstempos die negativen Folgen der Niedrigzinsphase und der Regulierungskosten. In einer Umfrage des Genossenschaftsverbands nennen die Banken diese Faktoren noch vor der Digitalisierung als wichtigste Einflüsse auf ihre Unternehmenspolitik. „Für die vielgestaltigen regionalen und lokalen Märkte brauchen wir aber auch weiterhin eine differenzierte Aufstellung mit kleinen, mittleren und großen Kreditgenossenschaften“, betont Schulz.

Paradoxe EZB-Ökonomie ist Gift für nachhaltig wirtschaftende Genossenschaftsbanken

Als Folge der wachsenden Regulierungskosten und der durch die Niedrigzinsphase abschmelzenden Erträge sinkt das ordentliche Betriebsergebnis nach der Vorschaurechnung des Genossenschaftsverbands von 1,04 % auf 0,94 % der durchschnittlichen Bilanzsumme (dBS). Trotz des wachsenden Kundengeschäftsvolumens bedeutet dies auch in absoluten Zahlen einen Rückgang von 19 Mio. Euro auf 375 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis nach Bewertung wird dank des positiven Bewertungsergebnisses bei Krediten und Wertpapieren voraussichtlich 1,02 % der dBS betragen: Das entspricht einem Betrag von 407 Mio. Euro (2015: 404 Mio. Euro).

Steigende Inflation trifft vor allem den Sparer

„Eine hohe Sparquote bleibt wegen der Altersvorsorge wichtig, aber die alleinige Konzentration auf vermeintlich sichere Anlagen bedingt in Wahrheit Risiken wie realen Wertverlust und Altersarmut“, kommentiert Jürgen Wache, Vorstandssprecher der Hannoversche Volksbank eG, die Entwicklung bei den Einlagen. In der Umfrage des Genossenschaftsverbands geben 90 % der Banken an, dass ihre Kunden nicht ausreichend vorsorgen. Der Strukturanteil der täglich fälligen Gelder an den Kundeneinlagen ist in Niedersachsen allein 2016 von 59,6 % auf 62,1 % gestiegen. Seit 2015 hat sich das Einlagenwachstum durch diese Gelder deutlich beschleunigt. Es übertrifft 2016 das der Kredite, obwohl diese ebenfalls deutlich zulegen. Die Verbraucher dürfen nach Waches Auffassung nicht mit den niedrigen Zinsen und ihren Folgen alleingelassen werden. Durch den meist langjährigen persönlichen Kontakt und die Qualität der genossenschaftlichen Beratung seien die Volksbanken und Raiffeisenbanken die richtigen Partner, um individuelle Kundenbedürfnisse durch maßgeschneiderte Angebote abzudecken. „Die für den Einzelnen richtige Strategie erfordere einen komplexen Bewertungs- und Entscheidungsprozess, „bei dem die Volksbanken und Raiffeisenbanken ihren Kunden zur Seite stehen.“

Gewerbliche Kredite stärkster Wachstumstreiber

Das Plus von 4,8 % bei den ausgereichten Krediten liegt wie die Zuwächse bei den Einlagen deutlich über der Entwicklung des Gesamtmarkts in Niedersachsen. Der Bestand an langfristigen Kundenkrediten erhöht sich um 5,8 % auf 21,4 Mrd. Euro. Auf sie entfallen aktuell 86,8 % des bilanziellen Kundenkreditvolumens (2015: 86,0 %). Stärkster Wachstumstreiber sind wie schon in den vergangenen Jahren die gewerblichen Kredite (+ 5,9 %). Die Zunahme im gewerblichen Kreditgeschäft übertrifft die bei den privaten Krediten um 1,4 Prozentpunkte. Deren Wachstum wird von den Immobilienfinanzierungen mit einem Sprung um 10,3 % getragen. Ihr Anteil an den gesamten privaten Krediten steigt auf 78,5 % (+4,1 Prozentpunkte). „Die Kunden wollen die Chance niedriger Zinsen für die Erfüllung ihrer Eigenheimwünsche durch langfristige Finanzierungen nutzen“, sagt Jürgen Wache. Allerdings stehe dem die Entwicklung der Grundstückspreise gegenüber. Immerhin 37 % der Banken sehen bei anhaltend niedrigen Zinsen für ihren regionalen Markt die Gefahr einer Blasenbildung.

Persönliche Beratung durch kompetente und faire Partner

Nach Einschätzung von Jürgen Wache müssen die Volksbanken und Raiffeisenbanken im digitalen Zeitalter die intensive Verzahnung aller Vertriebswege vorantreiben. „In der Umsetzung unseres Förderauftrags setzen wir weiterhin auf die persönliche Beratung durch Menschen, denen die Kunden vertrauen. Nur die Kunden entscheiden, über welchen Zugangsweg die Beratung erbracht werden soll.“ In Zeiten von Niedrigzinsen und der Notwendigkeit privater Vorsorge benötigten Verbraucher kompetente und faire Partner vor Ort. „Es muss zugleich einfach und ohne größeren Aufwand für sie möglich sein, eine Beratung in Anspruch zu nehmen.“