26.02.2019

Pressekonferenz 2019: Vertrauensbonus bei Kunden hält Volksbanken und Raiffeisenbanken auf Wachstumskurs

Plus von sechs Prozent bei Krediten und fünf Prozent bei Einlagen – Gewerbe- und Immobilienfinanzierungen legen wieder überproportional zu

Frankfurt, 26. Februar 2019 – Die starke Marke der Volksbanken und Raiffeisenbanken hat 2018 einmal mehr das Kundengeschäft beflügelt: Das Volumen im Kreditgeschäft steigt um 6 Prozent bzw. 16,8 Milliarden Euro auf 294,3 Milliarden Euro. Das Einlagenvolumen wuchs 2018 um 5,1 Prozent bzw. 16,3 Milliarden Euro auf 335,4 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme im 14 Bundesländer umfassenden Gebiet des Genossenschaftsverbandes – Verband der Regionen nahm 2018 um 5,2 Prozent auf 459,9 Milliarden Euro zu.

„Insgesamt untermauert das Geschäftsjahr die aus dem Vertrauensbonus bei den Kunden resultierende Wettbewerbsstärke der Volksbanken und Raiffeisenbanken: als zuverlässiger Finanzierungspartner der mittelständischen Unternehmen einerseits und als sicherer Hafen für Sparer andererseits in oft Jahrzehnte überdauernden Geschäftsbeziehungen“, betont Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbandes – Verband der Regionen. „Diese Nachhaltigkeit findet ihre Bestätigung auch in der Tatsache, dass immer mehr Kunden Eigentümer ihrer Bank werden – die Zahl der Mitglieder stieg 2018 um 50.719 auf 7.322.500.“

Baukindergeld wird wohl nicht zu mehr Wohnraum führen

Die bilanzielle Entwicklung bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken im Verbandsgebiet zeigt ein mit 7,3 Prozent überproportional wachsendes gewerbliches Kreditvolumen. Am stärksten legte 2018 das Baugewerbe mit 12,8 Prozent zu, gefolgt von den Dienstleistungen mit 10,7 Prozent. Mit einem Anteil von 60 Prozent am Gesamtvolumen sind die Dienstleistungen der mit Abstand stärkste Sektor. Das Kreditgeschäft mit Privatkunden ist von den Immobilienfinanzierungen geprägt. Mit einem Anstieg um 8,5 Prozent wuchsen sie fast doppelt so stark wie die privaten Kredite insgesamt mit 4,4 Prozent. „Ob das neue Baukindergeld zu einer Entspannung am Wohnungsmarkt beiträgt, darf bezweifelt werden“, sagt Barkey. „In unserer aktuellen Befragung der Mitgliedsbanken erwarten nur knapp 10 Prozent, dass es zu mehr Wohnraum in der jeweiligen Marktregion führen wird. Gleichzeitig beurteilt ein Fünftel der Befragten die Versorgung mit Wohnraum als schlecht oder sehr schlecht.“ Das treffe hauptsächlich auf die Metropolen mit sehr hoher Nachfrage zu. Dort könnten Verkäufer einfach die Preise erhöhen und so das zusätzlich verfügbare Geld abschöpfen. „Besser wären nach meiner Auffassung zielgenaue Maßnahmen zur Stärkung ländlicher Regionen. Damit könnte man jungen Familien Anreize bieten, dort zu leben und zu arbeiten.“

„Immobilien als Antwort auf EZB-Nullzinspolitik

Das hohe Wachstum der Immobilienfinanzierungen entspringt nach Barkeys Überzeugung nicht nur den derzeit günstigen Zinsen. Es resultiere auch aus dem Umstand, dass früher geläufige Formen des Sparens heute kaum noch Rendite erwirtschaften. „Nach dem zweiten Weltkrieg bis noch vor kurzem war der Vermögensaufbau bei einer Verzinsung von drei bis vier Prozent frappierend einfach. Generationen von Sparern in Deutschland durchlaufen derzeit einen schmerzhaften Lernprozess. „Die Menschen tun sich noch schwer damit, neben Immobilien auf andere ertragreiche Formen der Geldanlage wie Aktien oder Fonds auszuweichen.“ Die Entwicklung bei den Einlagen wird mit einem Plus von rund acht Prozent auf knapp 226 Milliarden Euro von den täglich fälligen Geldern bestimmt. Der Anteil dieser faktisch zinslos angelegten Gelder an den Einlagen steigt von 65,5 Prozent auf über 67 Prozent. „Unter Berücksichtigung der Inflation nehmen die Kunden also reale Wertverluste in Kauf“, sagt Ralf W. Barkey.

Umfrage: Niedrigzinsumfeld beeinflusst Unternehmenspolitik am stärksten

In der Umfrage des Genossenschaftsverbandes unter den Mitgliedsbanken rangiert das Niedrigzinsumfeld auf Platz eins unter den Einflussfaktoren auf die Unternehmenspolitik. Daneben werden auch Aufsichtsrecht bzw. Regulierung von den Banken stärker gewichtet als jeder der Faktoren mit Marktbezug. „Selbst die Digitalisierung auf Platz drei in diesem Ranking bleibt dahinter zurück“, berichtet Barkey. „Angesichts dieser anhaltend schwierigen Bedingungen ist das Betriebsergebnis für 2018 beachtlich.“ In Relation zur durchschnittlichen Bilanzsumme war es von 0,92 Prozent auf 0,89 Prozent rückläufig, aber dank des Wachstums im Kundengeschäft legte es nach der Vorschaurechnung des Genossenschaftsverbandes um 73 Millionen Euro auf fast 4,1 Milliarden Euro zu. Parallel dazu wurde das Eigenkapital erneut gestärkt mit einer Zuführung von rund 2,5 Milliarden Euro, das sind 6,6 Prozent mehr.

„Unter dem Strich haben die Banken bisher durchaus erfolgreich dem Druck auf die Erträge durch die niedrigen Zinsen und den steigenden Kosten durch die Regulierungswelle die Stirn geboten“, lautet Barkeys Fazit für die Dekade seit dem Ausbruch der Finanzkrise. „Die anhaltende Strukturveränderung mit 18 Fusionen im letzten Jahr – darunter drei Dreier-Fusionen – zeigt aber, dass der von diesen Faktoren ausgelöste Trend zu größeren Einheiten anhält. Auch in Zukunft werden wir große, mittlere und kleine Kreditgenossenschaften brauchen, um angesichts ganz unterschiedlich zugeschnittener regionaler und lokaler Märkte den Förderauftrag im Sinne der Mitglieder vor Ort bestmöglich erfüllen zu können.“

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