23.02.2018

Lebensqualität wird immer wichtiger als Standortfaktor für Sachsen-Anhalt

Fragen der Lebensqualität werden immer wichtiger im Wettbewerb der Standorte. Dies war ein zentrales Fazit des Mittelstandstags der Volksbanken und Raiffeisenbanken zum Thema „Geld und Leben: Unterschätzter Standort Sachsen-Anhalt“. 500 mittelständische Unternehmer waren der Einladung ins Maritim Hotel in der Landeshauptstadt Magdeburg gefolgt.

In einer Gesprächsrunde ging es um den „Mittelstand in Sachsen-Anhalt“. Klemens Gutmann ist Geschäftsführender Gesellschafter der regiocom GmbH sowie Präsident der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt. Die regiocom GmbH ist einer der größten, konzernunabhängigen Full-Service-Dienstleister für die Energiewirtschaft in Deutschland und zeichnet nicht zuletzt für Stromabrechnungen verantwortlich. Das 1993 von Gutmann mitgegründete Unternehmen hat aktuell fast 6.000 Mitarbeiter. Gutmann kritisierte das von in Metropolen ansässigen Medien gezeichnete Bild der Region: „Sachsen-Anhalt ist halt weit weg. Und Archivbilder mit leeren Autobahnen dienen noch immer oft zur Illustration.“ Dies habe mit der Lebenswirklichkeit nur wenig zu tun. „Das ändert sich zwar, aber nur langsam.“

Ideen für sachsen-anhaltinische Braunkohleregion entwickeln

Dr. Michael Schädlich, Geschäftsführer des Instituts für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung gemeinnützige Gesellschaft mbh in Halle, sieht den gängigen Vergleich von Standorten kritisch. Sein Unternehmen steht für anwendungsorientierte Wissenschaft und arbeitet für Regionalwirtschaft bzw. Kommunen sowie die Landesregierung u.a. bei der Evaluation von Programmen der Wirtschaftsförderung. Es berät auch die EU-Kommission, z.B. mit Gutachten für die Verwendung von Fördergeldern. „Wir dürfen uns nicht nur über die Arbeit definieren“, forderte er. „Die Lebensqualität ist gut in den großen Städten, aber das Problem ist der ländliche Raum.“ Letztendlich müsse man aber auch fortbestehende Unterschiede akzeptieren, so wie es auch Unterschiede bei Menschen gebe. Für die sachsen-anhaltinische Braunkohleregion gelte es, Ideen für die nächsten 10 Jahre zu entwickeln.

Angebote für Sport und Kultur erhalten entscheidende Bedeutung

Nach Einschätzung von Uwe Fabig, Vorstandsmitglied der Volksbank Magdeburg eG, wird das Umfeld immer komplexer: „Gesellschaftlicher Wertewandel und technische Innovationen vermischen Vieles miteinander“, sagte er zur Eröffnung des Mittelstandstags. „ Auch Fragen der allgemeinen Lebensqualität wie Angebote für Kultur und Sport erhalten entscheidende Bedeutung.“ Das zeige sich beim Thema Demografie: „Der Bevölkerungsrückgang wird flankiert von einem starken Zuzug in die Städte. Wie also wird es hier in Sachsen-Anhalt weiter gehen: In Magdeburg, Halle oder Dessau einerseits und außerhalb solcher städtischer Zentren andererseits? Wir brauchen sowohl Fortschritte für die Verkehrsinfrastruktur als auch für die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet.“

Aus „überirdischer“ Perspektive behandelte der deutsche Astronaut Prof. Dr. Ulrich Walter das Thema „Geld und Leben“. Der Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München schilderte den Alltag im Weltraum und räumte dabei mit einigen Klischees auf. Walter, der in den 90er Jahren den Orbit bereiste, verwies auf das intensive Training und hohe Anforderungen der europäischen Raumfahrtagentur ESA: „Nur einmal in 10 Jahren kann sie neue Astronauten entsenden.“ Zur Vorbereitung müsse alles bis ins Kleinste geübt werden, selbst der Gang zur Toilette unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit. Das Gerücht, die Teflonpfanne sei ein Produkt der Raumfahrt, widerlegte Walter. Diese sei bereits 1938 patentiert worden. Wichtige Ergebnisse seien dagegen Kommunikationssatelliten oder das Satelliten-Navigationssystem Galileo.

Der mit Unterstützung der Unternehmen der genossenschaftlichen Finanzgruppe und der Investitionsbank Sachsen-Anhalt durchgeführte Mittelstandstag wurde von Sandra Maischberger moderiert.

Ansprechpartner

Dr. Volker Hetterich

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Politische Interessenvertretung

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