Kundengeschäft der Volksbanken und Raiffeisenbanken boomt

21.07.2017

Das Wachstum der mittelständischen Wirtschaft wird maßgeblich von den Volksbanken und Raiffeisenbanken mitfinanziert: Mit einem Plus von 6,2 % gegenüber der Jahresmitte 2016 übertrifft das gewerbliche Geschäft noch den kräftigen Zuwachs des gesamten Kreditvolumens um 5,9 % auf 267,6 Mrd. Euro. Getrieben von den täglich fälligen Geldern (+ 7,5 %) legten die Einlagen in den 14 Bundesländern des Genossenschaftsverbands im 12-Monats-Vergleich um 4,5 % auf 308,2 Mrd. Euro zu.

„Die hohe Liquiditätsneigung der Verbraucher ist unmittelbare Folge der anhaltenden Nullzinspolitik der EZB. Sie wollen ihr Geld vor allem sicher parken“, kommentiert Ralf W. Barkey, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverband – Verband der Regionen. „Damit einhergehen jedoch realer Wertverlust sowie ein stetig wachsendes Risiko von Altersarmut. Die EZB hat es jetzt erneut versäumt, ein deutliches Ausstiegssignal zu setzen.“ Auch gegenüber dem Jahresende 2016 wachsen die gesamten Einlagen um 1,0 %, primär aufgrund des Plus bei den täglich fälligen Geldern von 1,7 %.

Diversifizierte Kreditstruktur ist Lebensader für breiten Mittelstand

Das Kreditwachstum für den Zeitraum seit dem Jahresende beträgt 3,5 %. Nach Auffassung von Barkey schätzen die Kreditnehmer langjährige Geschäftspartnerschaften mit kompetenten Partnern vor Ort: „Die diversifizierte Kreditstruktur nach Branchen und Regionen bietet volkswirtschaftlich einen Schutzschild gegen Klumpenrisiken und ist zugleich Lebensader für einen breiten Mittelstand, der von schnellen und zuverlässigen Kreditentscheidungen überall in der Fläche profitiert.“

Die Infrastruktur selbstständiger Ortsbanken bedeutet Barkey zufolge auch ein Bekenntnis der genossenschaftlichen Finanzgruppe zur Region: „Und zwar auch dort, wo große Wettbewerber nicht mehr mit Filialen präsent sind oder wo rein virtuelle Player gar nicht erst in Erscheinung treten.“ Allerdings werde durch die Regulierung und die Zinspolitik politisch administrierter Druck auf diese regionalen Strukturen ausgeübt, der nicht zuletzt in Fusionen münde. So seien dem Verband allein für das laufende Jahr 29 Fusionsabsichten gemeldet, für 2018 und die Folgejahre bereits 9 weitere. Ende 2016 gab es noch 430 Kreditgenossenschaften im Verbandsgebiet.

Small Banking Box bedeutet Differenzierung, keinen Einstieg in Discount-Regulierung

Von der jetzt diskutierten Einführung einer „Small Banking Box“ mit regulatorischen Erleichterungen speziell für kleine, solide geführte Kreditinstitute verspricht sich der Verbandsvorstand einen wesentlichen Fortschritt. Dies bedeute „keinen Einstieg in eine Discount-Regulierung, sondern die dringend notwendige Differenzierung für Geschäftsmodelle mit unterschiedlichem Risikogehalt. Die Regulierung darf nicht zu einer Reduzierung der Angebotsvielfalt führen. Im Gegenteil: Mehr Diversität bedeutet weniger Anfälligkeit in einer Finanzkrise.“

In den letzten Jahren war nach Einschätzung Ralf W. Barkeys ein Prozess zu beobachten, in dem die Regulatorik Geschäftsmodelle gleichförmig beeinflusst habe. Wer eine flächendeckende und qualifizierte Versorgung mit Finanzdienstleistungen wolle, müsse dies ändern: „In Zeiten von Niedrigzinsen und der Notwendigkeit privater Vorsorge benötigen die Verbraucher kompetente und faire Partner vor Ort. Es muss zugleich einfach und ohne größeren Aufwand für sie möglich sein, eine Beratung in Anspruch zu nehmen.“

Der Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e. V. vertritt die Interessen von rund 2.900 Mitgliedsunternehmen in 14 Bundesländern, die zusammen rund 8 Millionen Mitglieder haben. Zudem ist er für seine Mitgliedsgenossenschaften Prüfungs- und Beratungsverband sowie Bildungsträger. Als moderner Dienstleister betreut der Verband Unternehmen aus den Bereichen Kreditwirtschaft, Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und Dienstleistungen sowie Energie, Versorgung und Immobilien. Der Genossenschaftsverband hat Verwaltungssitze in Neu-Isenburg, Düsseldorf und Hannover. Dazu kommen die Standorte in Baunatal, Berlin, Forsbach, Koblenz, Leipzig, Münster, Rendsburg und Schwerin.

Ihr Ansprechpartner

Dr. Volker Hetterich

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Politische Interessenvertretung

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