10.07.2019

Genossenschaftsverband fordert: „Staat muss überall für Mindestinfrastruktur sorgen“

© panthermedia

Bericht der Kommission Gleichwertige Lebensverhältnisse – Volksbanken und Raiffeisenbanken als Katalysator für genossenschaftliche Lösungen in Regionen

„Dass es eine große Kluft zwischen armen und reichen Regionen gibt, ist kein großer Erkenntnisgewinn“, kommentiert Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbands – Verband der Regionen, die bisher bekannt gewordenen Inhalte des Berichts der Kommission Gleichwertige Lebensverhältnisse. „Jetzt haben wir gewissermaßen amtlich, was jeder schon wusste.“ Trotzdem könnten die Arbeitsergebnisse nützlich sein, wenn die richtigen Konsequenzen gezogen würden.

„Der Staat muss statt klassischer Subventionen für Industrieansiedlungen überall die nötige Mindestinfrastruktur schaffen. Dazu gehören Straßen, Schulen, Breitbandanbindung“, fordert Barkey. „Vieles kann zivilgesellschaftlich organisiert werden, gerade auch über genossenschaftliche Lösungen. Das beginnt beim Dorfladen, den Bürger gemeinsam gründen und betreiben und reicht über Praxis-Zusammenschlüsse von Ärzten bis zu Energiegenossenschaften, etwa für den Bau und Betrieb von Windparks oder Biogasanlagen.“ Auch in vom Breitbandausbau abgeschnittenen Gewerbegebieten gründeten sich bereits erste Genossenschaften. Der Wunsch nach Partizipation und Eigenverantwortung bei den Menschen wachse. Schon heute beteiligen sich bundesweit rund 23 Millionen Bürger an Genossenschaften.

Die in allen Regionen vertretenen genossenschaftlich organisierten Volksbanken und Raiffeisenbanken können nach Ralf W. Barkeys Auffassung eine Katalysatorfunktion für die Entwicklung von Lösungen übernehmen. „Herausforderungen für den ländlichen Raum sind Herausforderungen, denen sich auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken stellen. Es gilt das Leben und Arbeiten auf dem Land attraktiv zu machen. Die Kreditgenossenschaften können als Inkubatoren für Neugründungen ihr Wissen über und ihre Netzwerke für Selbsthilfestrukturen einbringen.“

Mit genossenschaftlichen Modellen werde es möglich, die auf Eigeninitiative und vorhandenen Kernkompetenzen beruhenden endogenen Potenziale in den Regionen zu mobilisieren. „Letztendlich wird es aber auch fortbestehende Unterschiede geben, so wie es Unterschiede zwischen den Menschen selbst gibt. Wichtig wird es sein, überall Beschäftigungschancen und Lebensräume zu schaffen, in denen sie sich heimisch fühlen können“, betont der Vorstandsvorsitzende des Genossenschaftsverbandes. „Einzelnen Regionen oder gar ganzen Bundesländern einen Stempel als Problemfälle aufzudrücken, wird unserer Lebenswirklichkeit nicht gerecht.“

Ansprechpartner

Dr. Volker Hetterich

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Politische Interessenvertretung

069 6978-3163 volker.hetterich@­genossenschaftsverband.de