Digitale Revolution birgt erhebliche gesundheitliche Risiken - besonders für Jüngere

Mainz, 1. September 2017 - Der renommierte Gehirnforscher Prof. Manfred Spitzer warnt eindringlich: Der Umgang mit Smartphones von Kindesbeinen an führe zu digitaler Demenz, Abhängigkeit und Kurzsichtigkeit. Dem gegenüber stehen Chancen für den Mittelstand und die wirtschaftliche Entwicklung. Auf dem Wirtschaftsforum der rheinland-pfälzischen Volksbanken und Raiffeisenbanken warben dafür Staatssekretärin Daniela Schmitt und Prof. Rolf Pohl von der Hochschule Kaiserslautern.

Vor rund 200 mittelständischen Unternehmern, die der Einladung der Kreditgenossenschaften in die Alte Lokhalle Mainz gefolgt waren, verwies einleitend für die Gastgeber Heinz-Peter Schamp, Vorstandsmitglied der Mainzer Volksbank eG, auf ein „nach digitalen Lösungen suchendes Kundenverhalten, das uns jeden Tag aufs Neue fordert. Banking per App, der sichere Online-Zahlungsdienst paydirekt oder die Beratung per Video, egal wo der Kunde sich befindet – das sind nur einige Dinge, wie wir unser Leistungsspektrum auf die digitale Welt ausweiten. Aber das Entscheidende: bei uns hat die Dienstleistung nach wie vor auch immer ein Gesicht.“

Für Daniela Schmitt, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau bietet die Digitalisierung neue Perspektiven für die Wirtschafts- und Innovationskraft in Rheinland-Pfalz. Allerdings sei dafür noch einiges zu tun: „Bei der digitalen Infrastruktur müssen wir dringend nacharbeiten.“ Die rheinland-pfälzische Landesregierung verstehe die Digitalisierung als Querschnittsaufgabe und habe das erste Digitalisierungskabinett in Deutschland installiert. Bei der Digitalisierung gelte es, Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes mitzunehmen.

Prof. Dr. Rolf Pohl von Hochschule Kaiserslautern sieht Chancen für einen „Mittelstand 4.0“. Darunter versteht er ein neues Denken, im Zuge dessen sich z.B. die Automobilindustrie zu einem Mobilitätsdienstleister wandeln werde. „Das Auto wird nicht mehr als Statussymbol für Eigentum und Besitz stehen, sondern zum Garanten für Mobilität: stressfrei von hier nach da.“ Mittelstand 4.0 sei nicht zu verwechseln mit Industrie 4.0 betonte Pohl: „Drei Viertel der kleinen und mittleren Unternehmen sind dem Dienstleistungssektor zuzurechnen.“

Prof. Dr. med. Dr. phil. Manfred Spitzer von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm machte auf die bisher wenig diskutierten gesundheitlichen Gefahren der Digitalisierung aufmerksam: „Das Smartphone ist ein Beitrag zur Verdummung des Kinds. Digitalisierung von Kindergärten – hoppla, bitte nicht!“ Für die frühkindliche Entwicklungsphase des Gehirns sei Spielen am Bildschirm Gift. Und in der Schule habe Google nichts verloren. Spitzer übte scharfe Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die gerade erst zur Eröffnung der Messe für digitale Unterhaltung Gamescom Friedrich Schillers These herangezogen hatte, dass der Mensch „nur da ganz Mensch sei, wo er spielt“. Spitzer dazu: „Entschuldigung Frau Merkel, das Zitat war wirklich völlig daneben.“ Mitgefühl und Empathie ließen sich nur im direkten persönlichen Kontakt erlernen, nicht durch Spiele am Bildschirm, bei denen man sich gegenseitig umbringe.

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