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Spitzen der heimischen Wirtschaft: Digitale Infrastruktur muss ganz oben auf die Agenda

Frankfurt am Main. Die Lufthansa rechnet nach dem Ende von Air Berlin in Zukunft wieder mit zunehmender Konkurrenz. Auf stark frequentierten Routen werde über kurz oder lang mindestens ein zweiter Wettbewerber hinzukommen, prognostizierte der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Carsten Spohr, beim Wirtschaftstag 2017 der Volksbanken und Raiffeisenbanken am 9. November in Frankfurt. Die Flugticketpreise sollten – jüngsten Preissteigerungen zum Trotz – auch nach dem Ende von Air Berlin niedrig bleiben. Sobald die Lufthansa die vom ehemaligen Konkurrenten übernommenen Maschinen betreiben könne, würde wieder eine Normalisierung der Preise eintreten, versprach Spohr. Bei der Expansionsstrategie der Airline sei zu beachten, dass man mit einer Marke allein nicht erfolgreich sein könne.

„Digitaler Investitionsstau“

Damit die Wirtschaft insgesamt konkurrenzfähig bleibt, muss Deutschland jetzt den Ausbau der digitalen Infrastruktur ganz oben auf die Agenda setzen – vor allem in ländlichen Regionen, wo auch viele mittelständische Unternehmen ihren Sitz haben. Das forderte unter anderem der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Professor Dieter Kempf. Notwendig sei ferner, sich für die Cyber-Sicherheit künftig im vergleichbaren Umfang mit Investitionen zu engagieren wie für den Datenschutz, sagte der BDI-Präsident.

Ähnlich äußerte sich Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs. „In den Bereichen Digitale Infrastruktur und Digitale Bildungspolitik hat Deutschland seit mindestens zehn Jahren einen eklatanten Investitionsstau“, betonte Neumann. Ein Beispiel dafür, wie man traditionelles Handwerk mit den Möglichkeiten der Digitalisierung kombinieren kann, lieferte Sabine Linz, Geschäftsführerin der Amoonic GmbH. Ihr Unternehmen liefert Schmuckstücke ganz individuell nach Kundenwunsch. Der digitale Wandel kann aus ihrer Sicht dafür genutzt werden, traditionelle Jobs zu erhalten.

Mehr Eigenverantwortung gefordert

Als einen entscheidenden Erfolgsfaktor Deutschlands bezeichnete der frühere Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Klaus von Dohnanyi, „das Prinzip der sozial gesteuerten Eigenverantwortung“. Wer alles regeln wolle, zerstöre das, was Deutschland ausmache, sagte der SPD-Politiker, der nach eigenen Worten bei den Bundestagswahlen den Kanzlerkandidaten seiner Partei, Martin Schulz, nicht gewählt hat. Von Dohnanyi appellierte an die Politik – auch an die Verhandlungsführer für eine Jamaika-Koalition –, auf allen Ebenen die Eigenverantwortung zu stärken. Den mittelständischen Unternehmen gab der Politiker die Empfehlung mit auf den Weg, der disruptiven Großindustrie mit einem hohen Maß an Flexibilität zu begegnen. Es sei unsinnig, gegen die Digitalisierung zu polemisieren. „Wir brauchen eine neue Marktwirtschaft für die Digitalisierung“, sagte von Dohnanyi.

Klitschko: Ukrainer lieben europäische Werte

„Willst du etwas gut machen, musst du es selbst machen“. Diese Maxime gilt nach Ansicht des Bürgermeisters von Kiew, Dr. Vitali Klitschko, für Politiker, Sportler und Unternehmer gleichermaßen. Die europäischen Werte seien für viele Ukrainer zu einem wichtigen Ziel geworden. Die Behauptung, die Ukrainer hassten die Russen, sei reine Propaganda. Aber die Ukrainer müssten die negativen Seiten des russischen Erbes überwinden, um das große wirtschaftliche Potenzial ihres Landes zu nutzen. Klitschko legte eine positive Bilanz der ersten drei Jahre seiner Tätigkeit als Bürgermeister vor. Größtmögliche Transparenz habe die „europäische Stadt“ Kiew entscheidend vorangebracht.

„Analoge Abschottung wird digital überwunden“

Wenn es dem deutschen Mittelstand gelingt, seine bewährten Tugenden aus der analogen in die digitale Welt zu überführen, resultierten daraus Umsatzpotentiale bis zu 126 Milliarden Euro in den kommenden sieben Jahren. Davon ist Michael Bockelmann, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbands, überzeugt. In seiner Eröffnungsrede zum Wirtschaftstag ging Bockelmann auch auf die geopolitischen Konsequenzen der Digitalisierung ein: „Die analoge territoriale Abschottung kann digital einfach überwunden werden“.

Bei allen Veränderungen wird es jedoch in einem Punkt Beständigkeit geben, prognostizierte Ralf W. Barkey, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbands. "Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind und bleiben der Partner für den Mittelstand und die Republik." Das habe der Wirtschaftstag mit seinen rund 2.500 Teilnehmern klar bestätigt.

Ansprechpartner
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Stefanie Schulte
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Politische Interessenvertretung
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