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Wirtschaft und Ethik: Eine Chance für den Mittelstand

Weimar – Angesichts eines zunehmenden Vertrauensverlusts in klassische Werte-Vermittler wie Kirche und Parteien rückt das Verhalten der Führungskräfte in der Wirtschaft immer stärker ins Zentrum der Erwartungen der Menschen. Darin liegt eine Chance für den Mittelstand, der jedoch selbst einem Verdrängungswettbewerb großer Konzerne ausgesetzt ist. Um diesen Spannungsbogen von „Wirtschaft und Ethik“ kreiste das Wirtschaftsforum der thüringischen Volksbanken und Raiffeisenbanken am Dienstagabend im congress centrum neue weimarhalle.

Vor mehr als 200 mittelständischen Unternehmern stellte Anselm Bilgri, Theologe, Coach und Mediator aus München, seine Rezepte für ein gedeihliches Miteinander in der Wirtschaft vor. Mit der Größe eines Konzerns wachse die Distanz zwischen Kapital und Arbeit lautet seine Analyse. Gleichzeitig gerate der Mittelstand in immer mehr Branchen unter massiven Druck durch Oigopole. Der einstige Benediktiner und Cellerar der Abtei St. Bonifaz sowie Prior im Kloster Andechs mahnte von Führungskräften die Befolgung dreier Werte an: „Gehorsam im Sinne von aktiv hinhorchen – wer fragt, der führt. Dann Demut als Basis einer Kultur des Dienens und Vertrauens im Unternehmen. Und Diskretio als Gabe der Unterscheidung unterschiedlicher Talente bzw. Fähigkeiten. Neudeutsch: Diversity Management.“

Karsten Meyer, den Geschäftsführer der Art-Kontor-Kommunikation GmbH in Jena, einer Gruppe mit spezialisierten Agenturen u.a. für Veränderungsprozesse, sieht durch das Fehlverhalten von kurzfristig denkenden Managern das Bild des Unternehmers gefährdet: „Mittelständische Unternehmer engagieren sich über Jahrzehnte und wollen ihr Werk auch an die nachfolgende Generation weitergeben.“ Als Chef müsse man Eigenverantwortung und Stolz der Mitarbeiter fördern, statt detailliert Vorgaben zu machen.

Auch „Arbeit mit Sinn“ könne zu einer neuen Währung auf dem Arbeitsmarkt werden, betonte Jutta Schneider, Vorstandsmitglied der VR-Bank Eisenach-Ronshausen eG: „Unternehmen werden wohl leichter Mitarbeiter für sich gewinnen können, wenn sie den gesellschaftlichen Wert ihres Geschäftsmodells nachweisen können. Auch das genossenschaftliche Geschäftsmodell bietet solche Orientierung. Es ist kein Zufall, dass die Volksbanken und Raiffeisenbanken als einzige aller Bankengruppen nach der Finanzkrise keine staatlichen Finanzhilfen in Anspruch nehmen mussten.“

Ansprechpartner
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Dr. Volker Hetterich
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Politische Interessenvertretung
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