Gremienräume

Unsere Gremienräume sind ein geschlossener Bereich, in dem wir für unsere Gremienmitglieder Unterlagen der Gremien – Verbandstag, Verbandsrat, Regionaltage, Fachräte und Arbeitsausschüsse – zur Verfügung stellen.

Zu den Gremienräumen

Mitgliederportal

Für die Fachvereinigungen:

  • Agrar
  • Gewerbe
  • Landwirtschaft
  • Energie, Immobilien und Versorgung

Unser Mitgliederportal ist ein geschlossener Bereich, in dem der Genossenschaftsverband den Mitgliedern der Fachvereinigungen Agrar, Gewerbe, Landwirtschaft sowie Energie, Immobilien und Versorgung Informationen und Anwendungen zur Verfügung stellt.

Zum Mitgliederportal

Mitgliederbereich

Für die Fachvereinigung:

  • Kredit

Der Mitgliederbereich für die Fachvereinigung Banken ist ein exklusiver Service für unsere Genossenschaftsbanken.

Herausforderung für Agrargenossenschaften: Unternehmertum unter politischem Einfluss ohne gesellschaftliche Rückendeckung

Politische Positionen | Veröffentlicht am 23.09.2019

Agrargenossenschaften sind wichtige Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum. Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) muss nun die Weichen richtig stellen, damit diese genossenschaftlichen Kooperationen eine Zukunft haben.

Berlin. „Unsere Agrargenossenschaften sind moderne Unternehmen und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Ostdeutschland. Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union muss nun die Weichen richtig stellen, damit diese Zusammenschlüsse von Landwirten und bäuerlichen Familien ihre Bedeutung für die Wertschöpfung und das gesellschaftliche Leben im ländlichen Raum weiterhin entfalten können.“ So fasst Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Vorstandes des Genossenschaftsverbandes – Verband der Regionen, die aktuelle Situation der Agrargenossenschaften vor dem Hintergrund der anstehenden Finalisierung der Konzepte für die GAP ab 2020 zusammen.

Gemeinsame Agrarpolitik
„Der Gesetzgeber täte gut daran, die Ideen des Agrarausschusses des EU-Parlaments von Anfang April 2019 aufzugreifen und zu konkretisieren“, forderte der Verbandschef in einem Pressegespräch. Grundsätzlich sprach sich der Agrarausschuss für eine Obergrenze von 100.000 Euro bei den Direktzahlungen aus, davon soll aber die Hälfte der Lohnkosten abgezogen werden können. Auf eine Kappung kann ganz verzichtet werden, wenn mindestens zehn Prozent des Prämienvolumens auf die ersten Hektar der Betriebe umverteilt werden.

Die Agrargenossenschaften fordern deshalb die Anerkennung des Mitunternehmerstatus von Genossenschaftsmitgliedern und eine Gleichbehandlung bei der Förderung z.B. bei einer zusätzlichen Förderung der ersten Hektar oder bei größenabhängiger Kappung oder Degression der Fördermittel. Die Anerkennung der Agrargenossenschaften als Mehrfamilienbetriebe ist aus genossenschaftlicher Sicht das zentrale Anliegen: Zusammenschlüsse von mehreren Einzelbetrieben, die im Sinne der genossenschaftlichen Selbsthilfe durch eine Bündelung ihrer Kräfte am Markt erfolgreicher agieren wollen, als es jeder für sich könnte müssen gefördert und nicht diskriminiert werden.

Nur durch den Zusammenschluss könnten die Betriebe zudem bei Investitionen, Gehältern, Weiterbildungsangeboten oder Worklife-Balance mit Arbeitgebern in den Städten mithalten. Barkey: „Agrargenossenschaften sind die optimale Synthese aus wirtschaftlicher Leistungskraft und regionaler Verbundenheit. Wer ihre Zukunft in Frage stellt, stellt die Zukunft vieler landwirtschaftlich geprägter Räume in Ostdeutschland in Frage.“

„Wir hoffen, dass das neu gewählte Europaparlament die Agrargenossenschaft als Zukunftsmodell für die Landwirtschaft in Europa stärkt und die Möglichkeit von Sonderregelungen für diese Betriebsform schafft. Unsere Mitglieder brauchen nun Planungssicherheit, um die lange Zeit zurückgehaltener Investitionen in Maschinen, Gebäude und Fuhrpark jetzt nachzuholen“, erläuterte Barkey. Immerhin würden nach einer aktuellen Umfrage rund 92 Prozent der Agrargenossenschaften Investitionen tätigen wollen.

Zu der Unsicherheit über den politischen Rahmen, in dem die Agrargenossenschaften wirtschaften müssen, kommt eine emotionale, teilweise aufgeheizte und unversöhnliche gesellschaftliche Diskussion hinzu. „Der Anspruch an Nahrungsmittelqualität, Kontrollintensität, Transparenz in der Erzeugung in Deutschland hat immens zugenommen. Aber maximale Standards und niedrigste Preise gehen nicht zusammen. Wenn wir eine heimische Erzeugung mit hohen Standards wollen, müssen wir auch bereit sein, dafür an der Ladentheke zu zahlen“, so Barkey.

Klimawandel: Staat muss Rahmen für Risikovorsorge schaffen
Dritter unwägbarer Faktor, dem die Agrargenossenschaften ausgeliefert sind, sind die Witterungseinflüsse. Die Land- und Forstwirtschaft sei nicht nur den im Wirtschaftsleben üblichen Marktrisiken und Preisschwankungen ausgesetzt, sondern in besonderer Weise auch den Witterungseinflüssen. „Diese Lage wird sich nicht entspannen. Im Gegenteil: Wir werden weiterhin extreme Witterungsbedingungen haben“, sorgt sich der Verbandschef. In 2018 seien die kurzfristigen Soforthilfeprogramme von Bund und Ländern zwar notwendig, sie seien aber langfristig nicht die Antwort.

Der Verband fordert spezielle gesetzliche Regelungen für die Landwirtschaft. Zur Abmilderung der Auswirkungen von Witterungseinflüssen auf die Landwirtschaft sei die Einführung einer einzelbetrieblichen steuerfreien Risikorücklage eine geeignete Maßnahme, um das Risikomanagement der Betriebe langfristig zu stärken. „So könnten Betriebe der Landwirtschaft in „guten Jahren“ die ersparten Steuern aus der Bildung der vorgenannten Risikorücklage thesaurieren und diese Liquidität für Schadensfälle in „schlechten Jahren“ nutzen.“

Schwierige wirtschaftliche Situation
All dies münde in eine kritische Lagebeurteilung, machte Barkey anhand der Ergebnisse einer Umfrage des Verbandes unter seinen Mitgliedern deutlich: „22 Prozent unserer Mitglieder beurteilen die aktuelle Lage als schlecht. Gar 30 Prozent denken, dass sich die Situation noch weiter verschlechtern wird.“

Verstärkt wird diese skeptische Haltung durch die Ernte 2019. Die Erträge sind auch in diesem Jahr durch fortgesetzten Niederschlagsmangel unbefriedigend. Die vorläufigen Ernteerhebungen der statistischen Landesämter in den fünf ostdeutschen Bundesländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen weisen zum Teil deutliche Rückgänge gegenüber den Ertragsdurchschnitten der fünf Vorjahre aus. Zudem bewegen sich die Erzeugerpreis auch in diesem Jahr auf dem relativ niedrigen Niveau, das nun schon seit 2014 anhält.
Diese Entwicklungen werden Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis unserer Agrargenossenschaften haben. Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass das Jahr 2019 keinen positiven Wachstumstrend setzen wird. Die Agrargenossenschaften legen unter diesen ungünstigen Rahmenbedingungen besonderes Augenmerk auf die Sicherung der Liquidität und das Heben von Rentabilitätsreserven, zumal schon im Vorjahr der Gesamtumsatz um 100 Millionen Euro zurückgegangen ist (Gesamtumsatz 2018: 1,5 Milliarden Euro). 2018 erlebte die Branche deutliche Ernteeinbußen und niedrige Preise. „Die dadurch entstandenen drastischen Ertragseinbußen konnten nur zum Teil durch intensive Kosteneinsparungen ausgeglichen werden“, informierte Barkey. Auch 2019 ist daher davon auszugehen, dass die Eigenkapitalausstattung zurückgehen wird.

Er fordert die Politik zum Handeln auf: „Wir brauchen gerade für die ostdeutschen Bundesländer einen „Masterplan ländliche Räume“. Bestehende Genossenschaften – seien es die Agrargenossenschaften, die Kreditgenossenschaften oder die Konsumgenossenschaften – leisten hier bereits einen Beitrag. Weitere Aufgabenfelder könnten genossenschaftlich behandelt werden. Wir als Genossenschaftsverband sind zu einer sachorientierten Zusammenarbeit bereit.“

Ansprechpartner
Contact
Asmus Schütt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Politische Interessenvertretung
Bereichsleiter
Das könnte Sie auch interessieren: Alle anzeigen

Weiterhin Steuerfreiheit für Bildungsangebote

Weiterhin Steuerfreiheit für Bildungsangebote Die geplante Besteuerung von Bildungsleistungen ist vorerst vom Tisch. Mit einem Referentenentwurf für das Jahressteuergesetz 2019 plante die Bundesregierung unter anderem Änderungen für Bildungsleistungen einzuführen. weiterlesen

Politik-Update: ESM-Vorschlag zur EU-Einlagensicherung ignoriert Stärken bewährter Systeme

Mit einem eigenen Vorschlag will der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) die Debatte um die EU-Einlagensicherung vorantreiben. weiterlesen

Landtagswahl Thüringen

Alle im Bundestag vertretenen Parteien haben ihr Wahlprogramm für die Landtagswahl in Thüringen beschlossen. Aus bundespolitischer wie aus regionaler Sicht ist die Wahl von großer Bedeutung. weiterlesen