14.01.2019

Politik-Update: Zahlen von Bundesbank und Bain bestätigen Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken

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Seit der Finanzmarktkrise hat das genossenschaftliche Bankenmodell an Beliebtheit gewonnen, erkennbar an einem bundesweiten Mitgliederzuwachs um 2,3 Millionen auf 18,5 Millionen seit 2008. Für die Genossenschaftsbanken spricht unter anderem, dass sie als einzige deutsche Bankengruppe ohne Staatshilfen durch die Krise kamen und besonders zuverlässige Stützen des deutschen Mittelstandes sind. Wie aktuelle Zahlen der Bundesbank und der Unternehmensberatung Bain belegen, ist ihr Geschäftsmodell zudem wirtschaftlich nachhaltig und zukunftsfähig – und zwar ohne implizite Staatsgarantien oder staatliche Finanzbeteiligungen.

Laut Bundesbank war die Nachsteuer-Eigenkapitalrendite der deutschen Genossenschaftsbanken in den vergangenen 20 Jahren nicht nur im Schnitt um rund 4 Prozentpunkte höher, sondern auch deutlich weniger schwankungsanfällig als die der privaten Großbanken. Die Aufwand-Ertrag-Relation der Kreditgenossenschaften fiel um durchschnittlich rund 10 Prozentpunkte besser aus als die der größten privaten Geldinstitute.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die Beratungsgesellschaft Bain. Sie errechnete für die Genossenschaftsbanken 2017 eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von 7 Prozent, während die deutsche Bankenbranche im Durchschnitt nur auf 4 Prozent kam. Ein weiterer Beleg für die solide Geschäftspolitik der genossenschaftlichen Bankengruppe ist, dass diese ihre offenen Rücklagen ("Fonds für allgemeine Bankrisiken“) laut Berechnungen von Bain seit 1998 um rund 30 Milliarden Euro stärkte. Als einzige deutsche Bankengruppe mussten die Volksbanken und Raiffeisenbanken in diesem Zeitraum weder offene Rücklagen auflösen noch zusätzliches Kapital bei Anteilseignern einwerben.

Diese Zahlen sind eine klare Bestätigung für das regional ausgerichtete Geschäftsmodell der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Dabei stellen Kreditgenossenschaften nicht die kurzfristige Renditemaximierung in den Vordergrund, sondern den langfristigen Mitgliedernutzen. Dies ist ein Grund für ihr weit überdurchschnittliches Engagement für den Mittelstand.

Dennoch konnten viele Volksbanken und Raiffeisenbanken nur infolge von Fusionen in den vergangenen Jahren ihr gutes Effizienzniveau halten. Eine entscheidende Ursache waren Bankenregulierung und Meldepflichten, die bei kleinen Instituten einen überproportionalen bürokratischen Aufwand verursachen. Infolgedessen verstärkte sich der Konzentrationstrend auf dem Bankenmarkt, der insbesondere im Hinblick auf Systemrisiken problematisch ist.

Im Rahmen einer Fortentwicklung der EU-Bankenregulierung gilt es, Banken mit risikoarmen Geschäftsmodellen nicht zu benachteiligen. Durch eine besser nach Risikogesichtspunkten differenzierte Regulierung können Systemrisiken eingegrenzt werden, und die Kreditversorgung der Realwirtschaft würde dauerhaft gestärkt. Ein erster richtiger Schritt sind die jüngsten Entscheidungen der EU-Finanzminister zur Entlastung von kleinen und risikoarmen Banken.

Die aktuellen Wettbewerbsverzerrungen, die dadurch entstehen, dass die „Too big to fail“-Problematik nach wie vor nicht gelöst ist, werden durch diese Fortschritte allerdings nicht beseitigt.

Der Genossenschaftsverband fordert…

  • Zügige Umsetzung der bereits beschlossenen Schritte zur Entlastung kleiner und risikoarmer Banken.
  • Fortentwicklung der EU-Bankenregulierung ohne Benachteiligung von Instituten mit risikoarmen Geschäftsmodellen, um einer Monokultur aus börsennotierten systemrelevanten Großbanken entgegenzuwirken.

Ansprechpartner

Daniel Illerhaus

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Politische Interessenvertretung
Abteilungsleiter Interessenvertretung und Events

069 6978-3811 daniel.illerhaus@­genossenschaftsverband.de