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„Nachhaltigkeit ist im Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken verankert“

Politische Positionen | Veröffentlicht am 08.07.2020

Die Rolle der Genossenschaftsbanken für krisenfeste, nachhaltige Wirtschaftsstrukturen – das war das Thema eines Impulsvortrages von WPin/StBin Anne Mahler, Bereichsleiterin Prüfung Banken Nord/Ost beim Genossenschaftsverband, bei einem Online-Forum des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Der RNE berät die Bundesregierung und spielt damit die treibende Rolle in der politischen Debatte zu Nachhaltigkeitsfragen. Wir haben uns mit Anne Mahler zu ihren vorgetragenen Positionen unterhalten.

Frau Mahler, welchen Beitrag leisten Genossenschaftsbanken für krisenfeste, nachhaltige Wirtschaftsstrukturen?

Das Thema Nachhaltigkeit ist seit jeher im genossenschaftlichen Bankenmodell verankert. Die ersten Genossenschaftsbanken in Deutschland wurden im 19. Jahrhundert gegründet, um mit dem Prinzip der „Hilfe durch Selbsthilfe“ die wirtschaftliche Grundlage des Mittelstands, der städtischen Arbeiterschaft und der Landbevölkerung zu sichern. Auch heute ist das immer noch die Hauptaufgabe von Genossenschaftsbanken: die Orientierung am Mitgliedernutzen, beispielsweise durch die Kreditvergabe an regionale Unternehmen, und nicht etwa die Maximierung des „Shareholder Value“. Denn um zu verhindern, dass einzelne Kapitalgeber zu viel Einfluss erhalten, gilt bei Genossenschaftsbanken das demokratische Prinzip „Ein Mitglied, eine Stimme“. Und das auch mit Breitenwirkung. Immerhin rund ein Viertel aller Menschen in Deutschland sind Mitglieder einer Genossenschaftsbank. Sie können sich somit an der Ausrichtung ihrer Genossenschaft demokratisch beteiligen.

Welche Bedeutung hat dies konkret in der Praxis?
Kreditgenossenschaften engagieren sich vielfältig in ihren Heimatregionen. Sie fördern etwa durch Sponsoring, Gewinnsparvereine oder Stiftungen soziale, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte. Auch die Existenz zahlreicher nachhaltiger Energiegenossenschaften verdanken wir der Initiative und Unterstützung der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Ebenso wichtig ist, dass die Institute den Unternehmen und Privatkunden in ihrer Region zuverlässig mit Krediten und anderen Finanzdienstleistungen zur Seite stehen – in Zeiten der Corona-Krise ist das wichtiger den je. Und eine regionale Genossenschaftsbank bleibt ihren Mitgliedern verpflichtet. Sie wird nicht ihr Geschäftsmodell ändern und beispielsweise das regionale Kreditgeschäft zugunsten internationaler Kapitalmarktinvestments aufgeben, nur, weil sie mit einem solchen Schritt kurzfristig eine höhere Rendite erzielen würde.

Wie unterstützen die Genossenschaftsbanken ihre Unternehmenskunden beim Thema Nachhaltigkeit?
Mit Krediten und anderen Finanzdienstleistungen für die Unternehmen vor Ort stärken Genossenschaftsbanken die regionale Wirtschaft. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt regionaler Wertschöpfungsketten. Regionale Genossenschaftsbanken kennen ihre Kreditnehmer und Märkte besonders gut. Sie können daher zielgerichtet entscheiden, welche Investitionen auch und gerade in die nachhaltige Transformation erfolgreich sein können. Als Hausbanken sind sie zudem direkte Ansprechpartner für die Vergabe der Fördermittel, die die Politik über die KfW und regionale Förderinstitute zusagt, um Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen. Volksbanken und Raiffeisenbanken bearbeiten, prüfen und genehmigen Förderanträge verlässlich und sind damit ein elementarer Transmissionsriemen zur Umsetzung von Nachhaltgkeitsprojekten.

Wie beeinflusst die aktuelle gesellschaftliche Debatte um Nachhaltigkeit das Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken?
Auch wenn Genossenschaftsbanken schon jetzt sehr nachhaltig aufgestellt sind, stehen sie vor der Aufgabe, zunehmende Anforderungen von Aufsehern und Regulierern im Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken zu erfüllen. Themen wie der Klimaschutz oder das Risiko von extremen Wetterereignissen müssen verstärkt berücksichtigt werden. Dies betrifft nicht nur die angebotenen Anlageprodukte, sondern beispielsweise auch die Eigenanlagen, die Kreditvergabe oder die Bonitäts- und Sicherheitenbeurteilung. Die Genossenschaftsbanken passen ihr Geschäftsmodell und ihre Produktpalette kontinuierlich an die neuen Anforderungen an. Als Verband ist es uns wichtig, unsere Mitglieder dabei zu unterstützen, diese Herausforderung chancenorientiert zu meistern.

Wie unterstützt der Genossenschaftsverband seine Mitglieder bei Fragen der Nachhaltigkeit konkret?
Angesichts knapper Ressourcen wird die Arbeitsteilung im Verbund für die Genossenschaftsbanken immer wichtiger. Für unsere Mitglieder haben wir daher ein komplettes Leistungsportfolio bestehend aus Nachhaltigkeitsprüfung, -beratung und -berichterstattung entwickelt. Zudem bieten wir unseren Instituten in Zusammenarbeit mit unseren Netzwerkpartnern Unterstützung und Beratung etwa bei der Umsetzung neuer regulatorischer Anforderungen zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken sowie bei der Umsetzung anstehender europäischer Anforderungen rund um Fragen zum nachhaltigen Finanzwesen, und wir werden uns auch bei der Analyse von branchen- und regionenspezifischen Nachhaltigkeitsrisiken weiterentwickeln und passgenaue Lösungen anbieten.

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