06.08.2018

Genossenschaftsbanken als Stützen der Wirtschaft – auch in der Finanzmarktkrise

Im September 2008 meldete die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an und löste eine Kettenreaktion an den internationalen Finanzmärkten aus. Infolge der Rettungsmaßnahmen für systemrelevante Banken stieg die Staatsverschuldung im Euroraum um fast eine halbe Billion Euro. Unter dem Strich beliefen sich die globalen ökonomischen Schäden aus der Krise auf etwa ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

Schneller als andere europäische Länder erholte sich Deutschland von der Krise. Zu verdanken ist dies auch den Volksbanken und Raiffeisenbanken. Kein Mitglied der genossenschaftlichen Finanzgruppe in Deutschland musste Staatshilfen in Anspruch nehmen – während etliche private und öffentlich-rechtliche Banken mit Milliardensummen aus der Staatskasse vor der Pleite bewahrt werden mussten.

Kreditklemme verhindert

Dank ihrer Solidität und ihrer großen Nähe zur regionalen Wirtschaft verhinderten die Volksbanken und Raiffeisenbanken, dass es in Deutschland eine Kreditklemme gab. Sogar auf dem Höhepunkt der Krise steigerten sie ihre Unternehmenskredite. Seit 2008 haben sie ihre Kredite an Unternehmen und Selbstständige um rund 60 Prozent ausgeweitet.

Als Genossenschaftsbanken streben die Volksbanken und Raiffeisenbanken keine Gewinnmaximierung an. Ihr Ziel ist es, größtmöglichen Nutzen für die Mitglieder zu schaffen. Deswegen waren sie am verheerenden Boom auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt kaum beteiligt. Sie konzentrieren sich auf regionales Kredit- und Einlagengeschäft und wirtschaften verantwortungsvoll. Ein weiterer Grund hierfür ist, dass sie als kleine, regionale Kreditinstitute nicht "too big to fail" sind und nicht darauf spekulieren können, dass sie der Staat im Notfall rettet.

Zwei Millionen neue Genossen

Viele Menschen in Deutschland haben in der Finanzmarktkrise den Wert des genossenschaftlichen Bankenmodells erkannt. Seit 2008 haben die deutschen Kreditgenossenschaften mehr als zwei Millionen neue Mitglieder gewonnen.

Inzwischen jedoch wird das Modell der Volksbanken und Raiffeisenbanken von anderer Seite unter Druck gesetzt: Viele der neuen regulatorischen Vorgaben und Meldepflichten, die seit der Lehman-Pleite eingeführt wurden, sind nicht ausreichend an Größe und Geschäftsmodell der jeweiligen Bank angepasst. Deswegen steigt die regulatorische Belastung von kleinen, regionalen Kreditinstituten überdurchschnittlich stark und zwingt sie zu Fusionen. Wenn jedoch die Konzentration des Bankenmarktes zunimmt, verschärft sich das "Too Big To Fail"-Problem. Deswegen muss die Politik dringend eine differenzierte Regulierung schaffen, die solide kleine Banken entlastet.