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Im Fokus: Wald und Genossenschaften | Veröffentlicht am 09.12.2019

Wiederaufforstung in nie dagewesenem Umfang

Das „grüne Herz“ Deutschlands ist gefährdet: 40.000 Hektar Wald sind in Thüringen bedroht. Probleme bereiten vor allem Dürresommer, Borkenkäferplage und Buchenkrankheit. GENiAL hat mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow über die bestehenden Probleme und mögliche Maßnahmen dagegen gesprochen.

Wie sieht die aktuelle Situation in Thüringen aus?
BODO RAMELOW: Die starken Stürme in den Jahren 2017 und 2018, die extreme Dürre 2018 und die zu geringen Niederschlagsmengen 2019 haben zu einer massenhaften Vermehrung von Borkenkäfern geführt, die vor allem die Fichten in den Wäldern massiv geschädigt, zum Teil flächenhaft vernichtet haben. Die Trockenheit in den oberen Bodenschichten hat außerdem zum Absterben von großen alten Buchenbeständen geführt. Rund ein Drittel Thüringens ist mit Wald bedeckt. Voraussichtlich müssen 10.000 Hektar komplett wiederbewaldet werden, weitere 10.000 Hektar werden erheblich gelichtet sein. Bereits Mitte 2019 stand fest, dass mehr als die Hälfte der regulären jährlichen Einschlagsmenge an Schadholz angefallen ist. Voraussichtlich werden es nach aktuellen Erkenntnissen etwa zwei Millionen Festmeter sein. Hinzu kommt das Schadholz aus den Winterstürmen 2018.

Die Holzvermarktungssituation hat sich insofern dramatisch verschlechtert, außerdem sind die Lagerkapazitäten vor allem bei den Sägewerken erschöpft. Das Holz der abgestorbenen Altbuchen unterliegt einer raschen Qualitätsminderung und wird weitgehend nicht mehr zu vermarkten sein. Diese großen Bäume stellen zusätzlich erhebliches Gefahrenpotenzial für Waldarbeiter und Waldbesucher dar, auch dagegen müssen Maßnahmen ergriffen werden. Angesichts anhaltender Schadensentwicklung kann eine abschließende Bewertung noch nicht vorgenommen werden.

Seit dem Sommer 2019 gibt es den Thüringer Waldaktionsplan 2030. Was beinhaltet er?
Der Umgang mit der Waldkrise muss mit einer Schadenserfassung beginnen, um dann das Schadholz aus dem Wald zu entfernen, aufzuarbeiten und Lagerkapazitäten zu schaffen, bis sich Vermarktungsmöglichkeiten ergeben. Holz als Baustoff muss eine bedeutendere Rolle erlangen. In einem weiteren Schritt brauchen wir einen Waldumbau hin zu klimastabilen und artenreichen Mischwäldern. Derzeit sind noch 28 Prozent der Thüringer Wälder Reinwälder. Der Wald ist eine grüne Lunge und hat wesentliche Bedeutung als CO2-Speicher. Neben dem bereits seit Jahren erfolgendem Waldumbau, der natürlich wissenschaftlich begleitet werden muss, stellen wir uns zusätzlich der Aufgabe der Wiederaufforstung der durch den massiven Borkenkäferbefall hinterlassenen Kahlflächen. Diese Aufgabe ist nicht nur langfristig, sondern auch finanziell von bisher nie dagewesenem Umfang. Wir dürfen aber auch die Kommunen mit Kommunalwald und die Privatwaldbesitzer nicht allein lassen mit dieser Waldkrise. Auch dazu bekennen wir uns im Aktionsplan Wald.

Wo sehen Sie hier den Bund in der Pflicht?
Der nationale Waldgipfel auf Bundesebene im September war ein erster Schritt. Wir brauchen und erwarten verbindliche finanzielle Zusagen des Bundes, um die Waldkrise zu bewältigen. Mit Einnahmen aus dem Holzverkauf können Wiederaufforstung und Waldumbau nicht finanziert werden. Die Preise sind wegen der außergewöhnlichen Menge an Holz auf dem Markt eingebrochen. Da es sich um eine mehrjährige Aufgabe handelt, man kann sogar ohne Übertreibung von einer Generationenaufgabe sprechen, brauchen wir eine Verstetigung der Bundesmittel, und zwar orientiert am jeweiligen Schadensumfang in den Ländern.

Der Bund hat in diesem Jahr bereits zusätzliches Geld über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) bereitgestellt und in den kommenden vier Jahren eine Erhöhung auf jährlich zehn Millionen Euro bundesweit zugesagt. Wir erkennen das an, aber alle sind sich einig, dass es weiterer Hilfen bedarf. Zusätzlich zur direkten Mittelbereitstellung brauchen wir steuerliche Erleichterungen für die Forstwirtschaft und günstige Finanzierungsbedingungen durch die Landwirtschaftliche Rentenbank.

Wie schätzen Sie das Klimapaket des Bundes ein?
Wir brauchen ein Klimakonzept aus einem Guss. Das Paket des Bundes gleicht eher einem Stückwerk; entscheidende Punkte sind klärungsbedürftig. Beispiel Finanzierung: Es kann nicht sein, dass Länder und Kommunen ausschließlich finanzielle Mehrbelastungen tragen, während dem Bund die Mehreinnahmen zustehen. Hier brauchen wir einen fairen Lastenausgleich. Ich sehe auch zentrale Maßnahmen kritisch. Beispiel Zertifikate-Handel: Die geplante Mischform aus Emissionshandelssystem und CO2-Besteuerung ist sehr bürokratisch. Einen CO2-Aufschlag auf bestehende Energiesteuern plus Einführung einer Kerosinsteuer auf Inlandsflüge halte ich für praktikabler und auch mit Blick auf die Lenkungswirkung für effektiver. Für mehr Schiene und weniger Straße ist die geplante Senkung der Umsatzsteuer auf Bahntickets zwar ein richtiger, aber nur ein halber Schritt. Für mehr nachhaltige Mobilität muss man auch an den öffentlichen Nahverkehr denken. Der Bund ist hier gefordert, das Geld für den Schienennahverkehr (SPNV) aufzustocken.

Wie sollte ein weiteres Vorgehen für Bund und Länder aussehen?
Der Bundesrat hat das Klimapaket der Bundesregierung Anfang November 2019 erstmals beraten. Im Ergebnis haben die Länder die Bundesregierung gebeten, zeitnah in Gespräche über eine faire Verteilung der Mehr- und Mindereinnahmen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden zu treten. Das Ergebnis kann nur ein tragfähiger Interessenausgleich sein, auch als Voraussetzung für mehr gesellschaftliche Akzeptanz zur Energie- und Klimawende.

Zum Klimaschutz gehört die Energiewende. Wie kann diese sinnvoll und umsetzbar für Natur und Menschen gestaltet werden?
Eine erfolgreiche Energiewende folgt dem Dreiklang regional, dezentral, regenerativ. Die Wertschöpfung, die mit dem Ausbau und der Erzeugung erneuerbarer Energien verbunden ist, muss vor allem in den Regionen ankommen. Das stärkt nicht nur die regionale Wirtschaft, sondern auch die Akzeptanz vor Ort. Eine dezentral ausgerichtete Energieversorgung trägt auch dazu bei, den Ausbau teurer Stromübertragungstrassen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Im Ergebnis werden nicht nur wertvolle Landschaften und Naturräume entlastet, sondern auch der Strompreis, über den letztlich der Leitungsausbau finanziert wird.

Als dritten Punkt gilt es, beim Ausbau der regenerativen Energien bislang ungenutzte Potenziale zu erschließen. Beispiel Stromspeicher: Thüringen ist Speicherland. 25 Prozent der deutschen Pumpspeicherwerke befinden sich in Thüringen, weitere Speicherkapazitäten sind vorhanden, können aber aufgrund derzeit ungünstiger Rahmenbedingungen nicht erschlossen werden.

Wie sehen Sie die Rolle von Energiegenossenschafte?
Das Grundprinzip „was einer allein nicht schafft, schaffen viele“ funktioniert auch bei der Energiewende. Energiegenossenschaften sind ein gutes Beispiel dafür, wie man erfolgreich mithilfe grüner Energie regionale Wertschöpfung erzeugt und gleichzeitig die Akzeptanz vor Ort fördert. In Thüringen steigt seit einigen Jahren die Zahl der Bürger-Energiegenossenschaften. Grüne Energie lokal erzeugen und nutzen, ich halte das für ein Zukunftsmodell, mit dem wir uns auch von großen Stromkonzernen unabhängiger machen.

Yvonne Reißig


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