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Im Fokus: Wald und Genossenschaften

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum …

© Marco Stepniak

Die Agrarproduktivgenossenschaft eG Lückersdorf/Gelenau verkauft in der Weihnachtszeit 6.000 Tannenbäume. GENiAL hat sie im sächsischen Kamenz rund 100 Kilometer vor der
polnischen Grenze besucht.

Zehn Jahre braucht ein gute Tanne oder Fichte, dann ist sie ein ordentlicher Weihnachtsbaum“, sagt Landwirt Matthias Frenzel. Der 61-Jährige leitet seit 1991 die Agrarproduktivgenossenschaft Lückersdorf/Gelenau, seit 1996 ist er ihr Vorstandsvorsitzender. Zufrieden blickt er mit seinem Vorstandskollegen Matthias Schlegel auf 120.000 Christbäume, vorwiegend Nordmanntannen, aber auch Blaufichten, die grün und kräftig, dicht an dicht auf den genossenschaftlichen Flächen stehen. Als 2002 die Preise für Getreide und Milch in den Keller gingen, suchte die Genossenschaft nach einem neuen Standbein und entdeckte das Weihnachtsbaumgeschäft.

Die Genossenschaft investierte 30.000 Euro und startete damals mit zwei Hektar, heute sind es bereits 16 Hektar. 6.000 Bäume schlagen Frenzel und Schlegel mit ihrem Team von Anfang November bis Weihnachten. 2.000 Bäume verkauft die Genossenschaft direkt vor Ort: sicher geschlagen und gut vernetzt und für 12 Euro pro Meter. 4.000 weitere Bäume gehen in den Handel. Das Geschäft ist für die Genossenschaft einträglich: Frenzel sagt: „120.000 Euro verdienen wir jährlich an den Bäumen. Außerdem können wir unsere 16 Mitarbeiter so das ganze Jahr beschäftigen.“ Die jungen Bäume werden der Genossenschaft als dreijährige Setzlinge von einem Partner aus Baden-Württemberg angeliefert. Sie wachsen gut auf den Flächen der Genossenschaft, die geschützt in einer Senke liegen. „Und das ist ideal so“, erklärt Frenzel. „So kann sie der Frost nicht kaputt machen.“ Aber die Setzlinge brauchen auch Pflege. Vor allem nach der Pflanzung. „Wenn es nicht regnet, fahren wir mit dem Wasserfass durch“, so Frenzel. Einmal während seines Wachstums braucht der Baum einen Stammschnitt. Der Vorstandsvorsitzende: „Dafür leihen wir uns dann für 3.000 Euro eine Spezialmaschine aus, ein ganz schön teurer Spaß.“

Arbeit in der Landwirtschaft braucht viel Erfahrung
Einmal im Jahr müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Bäume beschneiden, damit sie nicht krumm und schief wachsen. Ebenfalls einmal im Jahr muss gegen Schädlinge gespritzt werden. „Dafür braucht man Leute. Und die findet man heute nicht mehr leicht“, sagt der Chef der Genossenschaft. „In der Landwirtschaft will keiner mehr arbeiten. Alle gehen in die Industriebetriebe, da gibt es mehr Lohn und geregelte Arbeitszeiten.“ Als Vollblut-Landwirt schüttelt er darüber den Kopf. „Und wenn ich mal jemanden finde, dann hat er zwei linke Hände. Arbeiten in der Landwirtschaft bedeutet eben viel Erfahrung.“ Frenzel, der in der DDR zum gelernten Agrotechniker und Mechanisator für Pflanzenproduktion ausgebildet wurde, musste schon schon als Kind dem elterlichen Hof mit anpacken: „Wenn meine Freunde ins Kino gingen, hieß es für mich Kühe melken.“

Gern würde die Genossenschaft noch mehr Bäume anpflanzen. „Aber dafür braucht man Flächen in geschützten Lagen. Und die haben wir leider nicht. Genauso wenig wie Arbeitskräfte“, stellt Schlegel fest. Damit die bestehenden Flächen mit Weihnachtsbäumen auch weiterhin gut gepflegt werden können, will die Genossenschaft für das Beschneiden eine Maschine anschaffen. Frenzel: „Allerdings kostet das 150.000 Euro, das müssen wir gut überlegen.“ Frenzel ist stolz auf seine Genossenschaft: „Während um uns herum viele landwirtschaftliche Betriebe aufgeben mussten, bewirtschaften wir noch 700 Hektar.“ Darauf baut die Genossenschaft Raps, Weizen, Silomais, Wintergerste und Futtergetreide, außerdem Erdbeeren und Kartoffeln an. Außerdem hält die Genossenschaft noch 150 Milchkühe.

Landwirtschaft ist Auslaufmodell
Für seine Genossenschaft hat Frenzel schon einige Opfer gebracht. Als er nach der Wende den Betrieb übernahm, war die erste Investition eine Getreidetrocknungsanlage für 150.000 D-Mark. „Niemand wollte unserer Genossenschaft einen Kredit geben, zum Schluss haben wir eine Bank gefunden, mussten aber 14 Prozent Zinsen zahlen.“ Frenzel ist heute noch stolz, dass die Genossenschaft das Darlehen innerhalb eines Jahres zurückzahlen konnte. „Das war nicht leicht. Das haben wir uns vom Munde abgespart“, erinnert er sich. Acht Jahre später kam die nächste große Investition: ein Laufstall für die Kühe. Hier hat Frenzel seine private Lebensversicherung als Bürgschaft gegeben. Heute, 2019, ist sich Frenzel wegen der Preisentwicklung nicht sicher, ob er die Kühe auf Dauer halten oder aufgeben muss. Insgesamt blickt er skeptisch auf die Entwicklung der Landwirtschaft: „Die Landwirtschaft ist ein Auslaufmodell“, befürchtet er. Es sei absolut richtig gewesen, die Weihnachtsbaumzucht aufzunehmen, um das Einkommen und die Arbeitsplätze der Genossenschaft langfristig zu sichern.

Sabine Bömmer


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