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Im Fokus: Wald und Genossenschaften

„Da musst du blickig und fischelant sein“

Über die hohe Kunst der Holzspielzeugmacher, sanfte Engel, qualmende Räuchermännchen und ihre erfolgreiche genossenschaftliche Vermarktung in der Dregeno Seiffen eG.

Happy birthday, hieß es in diesem Jahr für die Dregeno in Seiffen. Die Genossenschaft der Drechsler, Bildhauer, Holz- und Spielwarenhersteller wurde vor 100 Jahren gegründet. „Wir sind die größte Vertriebsplattform, haben das größte Sortiment und das größte Warenlager für die Originale aus dem Erzgebirge“, sagt Juliane Kröner, Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, die jährlich sechs Millionen Euro umsetzt.

Rund 10.000 Produkte vermarktet die Genossenschaft. Die Klassiker sind Engel und Bergmänner, Schwibbögen und Räuchermännchen, aber auch viele andere Holzkunstartikel –vom Weihnachtsstern bis zur mannshohen Pyramide. Kröner: „Das sind alles Originale, die unsere Mitglieder in alter Handwerkskunst von Hand fertigen.“ Die Artikel werden in neun Geschäften in Seiffen, Chemnitz, Berlin und Potsdam verkauft. Die Genossenschaft vertreibt ihre Ware aber auch über den Katalog- und Online-Handel in ganz Europa und bis nach Übersee. „Der Umsatz mit unseren Händlern in Japan und Amerika ist erfreulich“, sagt Kröner. „Die Japaner lieben vor allem die Miniaturformate: Weihnachtsmänner, Engel und Krippenfiguren. Die Amerikaner lieben die deutsche Gemütlichkeit und verbinden damit auch unseren Seiffener Weihnachtsschmuck.“ Auch die Deutschen, darunter viele junge Familien, kaufen gern ein, erzählt die Genossenschaftschefin, entweder aus Familientradition oder weil sie an der erzgebirgischen Holzkunst die Qualität und Nachhaltigkeit wie auch die Regionalität schätzen.

Das Geschäft läuft gut. 90 Mitarbeiter arbeiten inzwischen in Verkauf, Depot und Versand und machen die Seiffener Genossenschaft zu einem begehrten Arbeitgeber in der Erzgebirgsregion.
Die Ware, die die Dregeno von ihren Mitgliedern aufkauft, war schon immer sehr beliebt und im In- und Ausland bekannt. Zu DDR-Zeiten wurde das erzgebirgische Kunsthandwerk lastwagenweise von Seiffen aus gen Westen gefahren, für den Inlandsmarkt blieb nicht viel übrig. Mit dem Kunsthandwerk wurden Devisen für den Arbeiter- und Bauernstaat beschafft. Als Genossenschaft wurde die Dregeno damals nicht verstaatlicht. Ihre Mitglieder konnten deshalb weiter selbstständig produzieren. Nach der Wende fanden ihre Waren reißenden Absatz, sodass die Genossenschaft schnell den Anschluss an die Marktwirtschaft schaffte.

Die 42-jährige Juliane Kröner ist Produktdesignerin und seit 2013 geschäftsführender Vorstand. Liebe und Familie brachten sie nach dem Studium und einigen beruflichen Stationen zurück in ihre Heimat. Vier Jahre lang führte sie mit den Mitgliedern der Dregeno, den Drechslern und Holzspielzeugmachern, Workshops zur Produktentwicklung durch, um die Volkskunstprodukte zu modernisieren und dadurch neue Käufergruppen zu erschließen. „Bei den erzgebirgischen Holzspielzeugmachern sind die Muster für Figuren, Pyramiden und Schwibbögen seit über 100 Jahren im Familienbesitz und werden quasi vererbt. Aber die Möglichkeiten der Produktion haben sich ebenso verändert wie die Wohnsituation und der Geschmack der Menschen“, sagt Kröner. „Wir haben an verschiedenen Produkten gearbeitet und etwas Neues entstehen lassen.“

Sorge wegen Nachwuchs
Kröner hat in dieser Zeit tiefe Einblicke in das Leben der Handwerksfamilien, ihre Traditionen und ihr Können, aber auch ihre betrieblichen Probleme bekommen. Da war es für sie sehr naheliegend, den Chefposten anzunehmen, den ihr der Aufsichtsrat vor sieben Jahren anbot. Sie zog ein Studium der Unternehmensführung nach. Währenddessen baute sie das Onlinegeschäft auf, digitalisierte die Logistik- und Geschäftsprozesse, baute eine Logistikhalle und eröffnete zwei neue Ladengeschäfte. Auch das Marketingkonzept wurde modernisiert und durch Youtube, Facebook und Co. unterstützt.

„Unsere Produkte zu promoten ist nicht schwer“, sagt Kröner. Schließlich werden sie von erfahrenen Holzspielzeugmachern hergestellt und sind deshalb von hoher Qualität. Kröner spricht voller Bewunderung über die Fertigkeiten ihrer Mitglieder. Um den Beruf des Holzspielzeugmachers zu erlernen, müsse man nicht nur kreativ und handwerklich begabt sein, sondern auch „blickig“, und „fischelant“. Kröner: „Man muss sehen, worauf es ankommt und Fingerspitzengefühl haben, Maschinen einstellen und Leeren bauen, Farben und Lacke mischen und geschmackvoll kombinieren können. Holzspielzeugmacher sind ‚Allrounder‘und deshalb sehr begehrt am Markt.“

Sorgen macht sich Kröner um die demografische Entwicklung ihrer Genossenschaft. 2024 werden fast mehr als die Hälfte der Mitglieder über 67 Jahre alt sein. „Zurzeit sind wir 123 Mitgliedsbetriebe. Der demografische Wandel macht uns am meisten zu schaffen.“ Und wie überall im Handwerk fehlt es auch hier an Nachfolgern. Die Gründe sind vielfältig: Es gibt bundesweit nur eine einzige Ausbildungsstätte, und zwar in Seiffen. Außerdem sei das Lohnniveau im Erzgebirge weitaus niedriger als anderswo. Zusätzlich würden kleine Handwerksbetriebe immer stärker durch Auflagen belastet. So zählten zum Beispiel die Schwibböden neuerdings zu elektronischen Kleingeräten und fielen damit unter die Abgaben für das Elektroentsorgungsgesetz. Kröner: „Das belastet nicht nur die Margen. Zu schaffen macht den kleinen Handwerksunternehmen auch der Aufwand, um all die Gesetzesnovellen und Vorschriften zu erfüllen.“ Sinkt die Zahl der Mitglieder weiter, nimmt die Sortimentstiefe der Genossenschaft ab. „Wir müssen uns also etwas einfallen lassen“, sagt sie und denkt laut über die Vermarktung neuer Produkte nach. „Wir suchen aktiv Produkte, die zu unserem regionalen, naturnahen und nachhaltigen Image passen – aber sie müssen nicht zwingend aus Holz sein. Die erzgebirgische Lebensart ist das, wofür wir stehen – und das ist weit mehr als Weihnachten.“

Sabine Bömmer


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