Gremienräume

Unsere Gremienräume sind ein geschlossener Bereich, in dem wir für unsere Gremienmitglieder Unterlagen der Gremien – Verbandstag, Verbandsrat, Regionaltage, Fachräte und Arbeitsausschüsse – zur Verfügung stellen.

Zu den Gremienräumen

Mitgliederportal

Für die Fachvereinigungen:

  • Agrar
  • Gewerbe
  • Landwirtschaft
  • Energie, Immobilien und Versorgung

Unser Mitgliederportal ist ein geschlossener Bereich, in dem der Genossenschaftsverband den Mitgliedern der Fachvereinigungen Agrar, Gewerbe, Landwirtschaft sowie Energie, Immobilien und Versorgung Informationen und Anwendungen zur Verfügung stellt.

Zum Mitgliederportal

Mitgliederbereich

Für die Fachvereinigung:

  • Kredit

Der Mitgliederbereich für die Fachvereinigung Banken ist ein exklusiver Service für unsere Genossenschaftsbanken.

Das Magazin für das
genossenschaftliche Netzwerk

Schwerpunkt Vorpommern | Veröffentlicht am 30.07.2020

Stabiles Sicherheitsnetz

© Michael Schütt/Stefan Thurow/Fischereigenossenschaft „Peenemündung“ Freest e.G.

Das kleine Fischerdorf Freest ist malerisch gelegen, umgeben von Wasser und Wiesen. Die „Perle am Peenestrom“ verbreitet mit ihrem Hafen nebst bunten Fischerhütten maritimes Flair. Von Romantik ist im Alltag der Ostseefischer indes keine Spur. In Zeiten erneut reduzierter Fangquoten und auch von Corona ist es nicht leicht, sich mit dem Beruf über Wasser zu halten. Für starken Rückhalt sorgt die Fischereigenossenschaft „Peenemündung“ Freest e.G.: Mit geballter Kraft geht es daran, schwierige Herausforderungen zu meistern.

Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele: Diese genossenschaftliche Überzeugung ist für die Freester Fischereigenossenschaft (Vorpommern-Greifswald) im nordöstlichen Teil Deutschlands aktueller denn je. Die der Genossenschaft angehörenden 24 selbstständigen Fischer sind zwar am größten Fischerei-Standort Mecklenburg-Vorpommerns im Einsatz und nach der Corona-Lockdown-Flaute wieder auf See, sehen sich aber mit unwägbaren Rahmenbedingungen konfrontiert. Denn mit der Haupterwerbsfischerei ist kein riesiger Fang, kein großes Auskommen mehr zu machen. „Ohne uns im Rücken wären angesichts erneut dramatisch gesenkter Fangmengen einige Fischer schon längst ins Bodenlose gefallen“, berichtet Michael Schütt, Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft.

Deshalb spannt die eG ein stabiles Sicherheitsnetz, sie sorgt an Land für starke Unterstützung und professionelle Infrastruktur. Ihre 23 Mitarbeiter sind in der Fischerfassung, in der Verarbeitung, der eigenen Fisch-Verkaufsstelle, im Transport und in der Verwaltung tätig. Damit hält die Genossenschaft effiziente Strukturen und notwendige Technik wie etwa Eismaschinen, Gabelstapler oder Fischpumpen vor, die sich Fischer allein nicht leisten könnten – und von denen sie in der Fischereigenossenschaft gemeinschaftlich profitieren. Dieser gehören heute 61 Mitglieder an, die eG zählt zu den größten Unternehmen der Region.

Alle in einem Boot
„Wir ziehen alle am gleichen Strang, sind nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt. Alles, was wir erwirtschaften, bleibt auch direkt im Betrieb“, betont Michael Schütt. Derzeit bewährt sich, dass die eG „gut gewirtschaftet und solide Rücklagen geschaffen“ hat. Das ist essenziell in diesen schwierigen Zeiten, da immer weniger fangfrische Ware mit Stellnetzen, Langleinen und Reusen sowie teils auch Schleppnetzen gefischt werden darf. Allein bei Hering und Dorsch wurden die erlaubten Fangquoten für 2020 so stark reduziert, dass rund 60 Prozent des Umsatzes wegfallen. „Durchhalten“ ist daher die Parole, erzählt der studierte Betriebswirt, der seit 21 Jahren als Geschäftsführer der eG tätig ist. Die Fischer versuchten ihr Bestes, um auch trotz geringerer Mengen ihren mitunter in der dritten oder vierten Generation ausgeübten Beruf aufrecht zu erhalten – und Einheimische sowie Touristen weiter mit Ostseefisch zu versorgen.

Gerade der Tourismus ist laut Michael Schütt für die selbstständigen Fischer zu einem wichtigen zweiten Standbein geworden: „Viele vermieten Ferienwohnungen, machen Gästefahrten oder haben sich selbst einen kleinen mobilen Fischhandel aufgebaut.“ Durch die Corona-Auflagen herrschte in diesem (Nebenerwerbs-)Bereich mehrere Monate allerdings sprichwörtlich Ebbe. Zwar strömen seit Ende Mai wieder die Touristen an die Ostsee und nach Freest, das direkt an der Peenemündung am Greifswalder Bodden liegt. Dennoch seien diese Verdienstausfälle – und insbesondere die in der Fischerei – für sie mitunter nur schwer zu kompensieren, berichtet der Geschäftsführer. Zumal ein nicht geringer Teil der Flotte zuvor im Hafen blieb, da Corona-bedingt schlichtweg die Abnehmer für die gefischte Ware fehlten. Der sonst zumeist im Ausland vermarktete Fisch konnte nicht über geschlossene Grenzen transportiert werden. So beispielsweise nicht nach Polen, wo Weißfische verarbeitet werden.

Stürmische Zeiten
Jetzt ist wieder ein Stück Alltag eingekehrt. Bei den 43 Fischereifahrzeugen der Genossenschaft, darunter finden sich etliche größere Kutter und kleinere Boote, heißt es allmählich wieder: Leinen los! Und auch die eigenen drei Transport-Laster der eG rollen wieder. Doch das Geschäft bleibt schwierig. „Die quotengesteuerte Fischerei macht die Zukunft schwer planbar“, sagt Michael Schütt: „Die Ostseefischer stehen vor einem großen Strukturwandel.“ In der 60-jährigen Geschichte der Fischereigenossenschaft habe es schon viele Herausforderungen gegeben, die derzeitigen verlangen enorme gemeinsame Kraftanstrengungen.

Denn bereits 2019 sei ein „schlechtes Jahr“ mit einer Gesamtfangmenge von 1.370 Tonnen gewesen. Davon entfielen 919 Tonnen auf den Hering. Er ist in den dortigen Gewässern der am meisten gefangene „Brotfisch“. In diesem Jahr dürfen von der quotierten Art lediglich noch 270 Tonnen gefischt werden. 80 Tonnen davon kann die Genossenschaft direkt vermarkten. „Die größere Anzahl unserer Heringe haben wir 48 Jahre lang – also schon zu DDR-Zeiten – an einen dänischen Verarbeiter verkauft“, erzählt der Geschäftsführer. Dies waren in Spitzenzeiten über 3.000 Tonnen. Bei aktuell 190 verbleibenden Tonnen lohnt es sich nicht mehr. Die Heringe bleiben nun in der Region. Sie werden an einen benachbarten Fischgroßhändler verkauft und ebenso wie in Freest zu küchenfertiger Ware verarbeitet und eingefroren.

Zur Genossenschaft gehört auch seit Langem eine Räucherei mit fünf Öfen. Seit den Corona-Lockerungen und den wieder gestiegenen Verkaufsmöglichkeiten wurden sie kräftig angefeuert. Das erfahrene Stammpersonal produziert sieben Tage die Woche leckeren Räucherfisch und verarbeitet einheimische Fische zu küchenfertiger Ware. Das Räucherfischsortiment findet vor allem in den östlichen Bundesländern viele Abnehmer, wird von Freest aus nach Berlin, Leipzig und Chemnitz geliefert.

Eigener Fischladen
Auch direkt im Ort schwören Kunden aus nah und fern seit Jahrzehnten auf die verschiedensten Fischerzeugnisse der Genossen. In der eigenen 30 Quadratmeter großen Verkaufsstelle sind fangfrische Fische, Fischfilets, Salzheringe, Salate sowie Marinaden erhältlich. Nach zuvor reduzierten Öffnungszeiten von Ende März bis Ende Mai läuft im Laden nun alles in halbwegs üblichen Bahnen. „Jetzt kaufen ebenso die Touristen wieder ein“, so Michael Schütt. Ein nicht unerheblicher Wermutstropfen aber bleibt: Durch abgesagte Wochenmärkte, Veranstaltungen und Feste, wie zum Beispiel das traditionelle Freester Fischereifest im August, sind weitere Absatzmöglichkeiten infolge der Covid-19-Pandemie weggebrochen.

Die Fischerei hat in Freest schon eine sehr lange Tradition, ist seit Gründung des Dorfes im Jahre 1298 hier angesiedelt. Nicht zuletzt deshalb lässt sich die 1960 als „Fischereiproduktionsgenossenschaft Peenemündung Freest“ gegründete Gemeinschaft auch nicht so schnell die Butter beziehungsweise den Fisch vom Brot nehmen. Ihr Kurs steht klar fest: Mit geballter Kraft geht es weiter voraus!
Anja Pieper


Das könnte Sie auch interessieren!