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Im Fokus: Sichere Versorgung mit Genossenschaften | Veröffentlicht am 13.05.2022

Deutsche Landwirtschaft kann helfen, Hungerkrisen zu vermeiden

Der Vorstandsvorsitzende des Genossenschaftsverbandes Ingmar Rega fordert eine Agrar- und Umweltpolitik, die auch armen Ländern gerecht wird.

Ingmar Rega: „Eine nur auf die Bedürfnisse einer Wohlstandsgesellschaft abgestimmte Agrarpolitik ist global gesehen unsolidarisch ...“

In den zurückliegenden Jahren haben wir eine Agrar- und Umweltpolitik erlebt, die in der EU eine konsequente Extensivierung der Landwirtschaft zur Folge hatte. Getragen von kommunikativ geschickt agierenden Einflussgruppen und basierend auf einem Selbstversorgungsgrad von mehr als 100 Prozent in einigen Erzeugnisgruppen standen beispielsweise Flächenstilllegungen, die Extensivierung von Pflanzenschutz- und Düngereinsatz und die Bevorzugung von kleinen Betrieben im Fokus der europäischen und deutschen Agrarpolitik – regelmäßig begründet mit dem Schlagwort „Nachhaltigkeit“.

All dies ging einher mit einem in Teilen unerträglichen einseitigen „Bashing“ der Landwirtschaft durch gesellschaftliche und politische Gruppierungen für übergreifende Themen wie den Klimawandel, den Rückgang der Artenvielfalt und den Eintrag von Nährstoffen ins Grundwasser. Vergessen wurde in unserer wohlstandsgesellschaftszentrierten Sicht, dass in anderen – ärmeren – Ländern Nachhaltigkeit ganz anders buchstabiert wird. Und nicht nur dort: Unter den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen stehen vier wichtige Ziele gleichrangig neben den uns so wichtigen Klima- und Artenschutzzielen: keine Armut, kein Hunger, Gesundheit und Wohlergehen sowie weniger Ungleichheit.

Der Angriffskrieg gegen die Ukraine führt nun zu einem ersten Perspektivwechsel. Und das ist gut so. Wir brauchen eine Agrar- und Umweltpolitik, die den Bedürfnissen auch ärmerer Länder gerecht wird. Das ist vor allem eine ethische Frage: Weltweit hungerten 2020 über 800 Millionen Menschen. Diese Zahl steigt leider schon durch das Bevölkerungswachstum und den Klimawandel, der in großen Teilen der Welt die Nahrungsmittelerzeugung erschwert. Russland und die Ukraine machten nach Angaben der EU-Kommission 34 Prozent der weltweiten Weizenexporte aus. Nun verknappt sich das Angebot, Rohstoffe werden teurer, nicht nur für Energie und landwirtschaftliche Erzeugnisse, sondern auch für Dünger, weil Russland und die Ukraine auch auf diesem Gebiet wichtige Erzeuger sind. Wir klagen über Preissteigerungen. Menschen in Westasien und Nordafrika sind in ihrer Existenz – wirtschaftlich und sogar physisch – bedroht.

Agrar- und Umweltpolitik neu prüfen
Einer Destabilisierung dieser Regionen müssen wir entgegenwirken. Noch mehr Menschen würden sonst ihre Perspektive in ihren Heimatländern verlieren. Viele werden sich von der Not getrieben auf den Weg in den Westen machen und dabei den Tod in Kauf nehmen. Aber auch unseren westlichen Gesellschaften droht die Destabilisierung. Die soeben gewonnene Einheit von NATO und EU dürfte durch umfangreiche Wanderungsbewegungen aus den Mittelmeeranrainerstaaten infrage gestellt werden. Einen ersten Eindruck davon haben wir 2015 erlebt.

Die deutsche Landwirtschaft kann durch eine Produktionssteigerung auf unseren Gunststandorten einen erheblichen Beitrag zur Vermeidung einer größer werdenden Hungerkrise in der Welt leisten. Das gilt ganz besonders für unsere Agrargenossenschaften – es sind hocheffiziente Großbetriebe, die mit 25.000 Mitarbeiter*innen insgesamt 1,4 Millionen Hektar oder zirka 25 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Ostdeutschland bewirtschaften. Unsere landwirtschaftlichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im Genossenschaftsverband verstehen sich als Dienstleistungsunternehmen der Landwirtschaft. Sie verwerten die gesamte Bandbreite der tierischen und pflanzlichen Erzeugnisse. Sie bündeln Angebot und Nachfrage in der Landwirtschaft und stärken so die Marktstellung ihrer Mitglieder gegenüber Handel und Industrie. Vor allem sorgen sie für Versorgungsicherheit, akut zum Beispiel durch die Bereitstellung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln.

Es ist gut und richtig, dass der EU-Agrarministerrat nun akut den Anbau von Eiweiß- und Energiepflanzen auf ökologischen Vorrangflächen empfohlen hat. Zu begrüßen ist zudem der Vorschlag der Kommission, jetzt die „Krisenreserve“ der EU zu nutzen. Weitere Hilfen an die Landwirte zur Kompensation der explodierenden Energie- und Rohstoffkosten sind zu prüfen. Aber neben diesen kurzfristigen Aktionen sehe ich die Notwendigkeit, die bisherige Agrar- und Umweltpolitik auf den Prüfstand zu stellen. Eine nur auf die Bedürfnisse einer Wohlstandsgesellschaft abgestellte Agrarpolitik ist global gesehen unsolidarisch und gefährdet die Stabilität unserer Gesellschaften.


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