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Im Fokus: Genossenschaften für bezahlbare + saubere Energie | Veröffentlicht am 10.12.2021

Jetzt oder nie

Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

1,5 ist eine kleine und doch so große Zahl: Das Erreichen der Zielmarke des Pariser Klimaabkommens, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist epochal. Denn die Klimakrise stellt längst die größte Herausforderung für uns und unseren Planeten dar. Doch wie kann die ökologische Wende gelingen? Was können wir alle dazu beitragen? Darüber sprach GENiAL mit Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Er ist einer der führenden Energiewende-Forscher und Mitinitiator von Scientists for Future.

Herr Professor Quaschning, einer Ihrer Vorträge trägt den provokanten Titel „Warum uns das Ende der Zivilisation droht“. Ist es wirklich so schlimm?
DR. VOLKER QUASCHNING: Das kommt darauf an, wie wir uns weiter verhalten. Fakt ist: Wir müssen die globale Erwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius halten. Wenn wir 200.000 Menschen wären wie zur Eiszeit, würden wir einfach weiterziehen und uns einen neuen Lebensraum suchen. Aber dieses Weiterziehen klappt heute nicht mehr. Die Konflikte, die bei 7,5 Milliarden Menschen und derart radikalen Veränderungen auftreten, werden am Ende die Zivilisation zerstören. Davon gehen die meisten Studien aus. Daher kommt es wirklich darauf an, die Werte einzuhalten.

Wie sieht es denn hierzulande mit den Klimazielen aus: Können wir diese überhaupt noch erreichen?
Das Problem ist: Wir können schon, aber wir wollen momentan nicht. Ich vergleiche das immer mit einem brennenden Haus, das lichterloh in Flammen steht und in dem sich Kinder befinden. Wir stehen mit dem Feuerwehrschlauch davor und diskutieren, dass jemand nass werden könnte und was das Löschwasser kostet. Genau so ist der Zustand, in dem wir uns derzeit befinden.
Dabei haben Forschung und Industrie ihre Hausaufgaben gemacht. Wir kennen die Technologien und haben die ökonomischen Voraussetzungen, man muss jetzt nur die Lösungen im Expresstempo ein- und durchsetzen. Zwar ist der Klimaschutz vielen hierzulande wichtig, aber bitte ohne dass sich irgendjemand verändern oder einschränken muss und ohne dass es irgendwie weh tut.

Was müsste denn bis wann getan werden, um die Klimakatastrophe zu verhindern?
Da gibt uns die Forschung verlässliche Zahlen an die Hand. Diese besagen, dass maximal 1,5 Grad Temperaturanstieg – wie im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbart – zwar schon Veränderungen mit sich bringen, aber noch kontrollierbar sind. Fakt ist: Bis Anfang der 2030er Jahre muss es uns in Deutschland gelingen, klimaneutral zu sein. Das heißt, den Ausstoß von Treibhausgasen – also die Verbrennung von Erdöl, Kohle und Gas – komplett einzustellen und durch erneuerbare Energien zu ersetzen, schwerpunktmäßig durch Windenergie und Photovoltaik.
Studien zeigen, wenn wir es clever machen, wird uns das gelingen. Derzeit liegen wir bei einer Abdeckung mit erneuerbaren Energien von 23 Prozent, also fehlen uns noch gut drei Viertel. Für die 23 Prozent haben wir 30 Jahre gebraucht, sodass klar ist: Mit diesem Tempo kommen wir nicht hin. Wir müssen Faktor sechs bis acht bei der Geschwindigkeit zulegen und zudem alle Rahmenbedingungen schaffen.

Wie können denn wir alle unseren CO2-Fußabdruck verkleinern?
Da haben wir einen großen Blumenstrauß. Ich finde es erst einmal wichtig, sich bewusst zu machen, wo CO2-Emissionen anfallen. Dies kann jede*r mithilfe des CO2-Rechners auf der Homepage des Umweltbundesamtes ausrechnen und sehen, wo die großen und kleinen Hebel sitzen.
Generell gibt es zwei Punkte, bei denen alle ansetzen können: beim Fliegen und beim Fleischkonsum, denn hierbei geht es immer um eine freie Entscheidung. Einmal Australien und zurück, und ich habe meinen persönlichen Fußabdruck verdoppelt, denn fliegen haut richtig rein. Beim Fleisch verhält es sich ähnlich, denn jeder Mensch kann eine halbe bis eine Tonne CO2 einsparen, indem sie oder er sich bewusster ernährt, nämlich vegetarisch oder besser noch vegan.

Was erwarten Sie von der neuen Regierung?
Mehr als von der alten! Ich denke, dass am Anfang erst einmal Ehrlichkeit gut wäre. Die Wissenschaft sagt: Spätestens 2035 müssen wir in Deutschland klimaneutral sein. Aber es haben alle Parteien in ihren Wahlprogrammen Ziele für Klimaneutralität formuliert, die erst in den 2040er Jahren liegen. Das passt nicht zusammen. Man muss reinen Tisch machen und dies den Bürger*innen auch sagen. Und man muss die entsprechenden Maßnahmen einleiten, um überhaupt dorthin kommen zu können. Alles, was man sich jetzt nicht traut zu machen, weil es zu schwierig ist, wird ja in fünf Jahren noch schwieriger sein.

Welche Faktoren sind für eine klimaneutrale Welt entscheidend?
Es gibt drei Bereiche, die unser Klima ruinieren und an die wir dringend ran müssen. Mit großem Abstand sind es die fossilen Energieträger, dann die Ernährung und das Abbrennen der Regenwälder, was wiederum mit Punkt zwei zusammenhängt, weil die abgebrannten Flächen für die Tierhaltung geschaffen werden. In Deutschland macht die Nutzung fossiler Energieträger 85 Prozent aus. Und wir müssen in allen Bereichen regenerative Energien einsetzen. Dazu muss deren Ausbautempo extrem gesteigert werden. Der Kohleausstieg kommt, wir dürfen keine Benzin- und Dieselautos mehr fahren, müssen im Flugverkehr auf synthetische Treibstoffe setzen und Alternativen für Öl- und Gasheizungen schaffen. Damit würden wir schon weit kommen.
Was mir persönlich noch am Herzen liegt, ist der Personalmangel. Denn wir benötigen einige hunderttausend zusätzliche Fachkräfte im Bereich der regenerativen Energien. Schon jetzt bekommen Firmen, die in diesem Bereich tätig sind, kaum Nachwuchs, Studierendenzahlen brechen ein. Wir brauchen also dringend die Bereitschaft von Menschen, hier tätig zu werden, sowie eine Politik, die entsprechende Rahmenbedingungen schafft. Und wir dürfen nicht immer jammern, dass Arbeitsplätze wegfallen – sei es in der Kohle- oder in der Automobilindustrie. Denn gerade hier gibt es viele gut Ausgebildete, die wir in anderen Bereichen brauchen. Daher muss die neue Regierung dringend Akquise- und Umschulungsprogramme auf den Weg bringen. Denn wenn wir zwar alle Rahmenbedingungen schaffen, uns aber am Ende die Leute fehlen, werden wir leider das Tempo gar nicht auf die Straße bringen können.Anja Scheve


www.volker-quaschning.de


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