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Im Fokus: Genossenschaften für bezahlbare + saubere Energie | Veröffentlicht am 10.12.2021

Ein Dorf macht sich unabhängig

Oberrosphe setzt auf dezentrale genossenschaftliche Energieversorgung und kann so seine CO2-Emissionen um 60 Prozent verringern.

In Mittelhessen, genauer im Landkreis Marburg-Biedenkopf, versorgt das Bioenergiedorf Oberrosphe über die Hälfte aller Haushalte der Gemeinde mit Fernwärme aus dem eigenen Heizwerk. Damit werden 60 Prozent der gesamten CO2- Emissionen des Dorfes reduziert und ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet. „Wir können heizen“, ist in Oberrosphe nicht nur ein Werbeslogan, sondern vor allem Umweltschutz, Unabhängigkeit von großen Anbietern und gelebte Solidarität von und für die Bewohner*innen des Ortes.

Die Initialzündung zum Bau des Biomasseheizwerks, das mit Holzhackschnitzeln betrieben wird, gab eine Klimakonferenz, von der zwei Teilnehmer*innen aus dem 800-Einwohner-Dorf das Thema mit nach Oberrosphe brachten. „Darüber hinaus waren es viele Menschen bei uns aber auch einfach leid, jedes Jahr eine Rechnung für Öl oder Gas zu bekommen und keinen Einfluss auf die Preise zu haben“, erzählt Hans-Jochen Henkel, Vorstandsmitglied der Bioenergiedorf Oberrosphe eG.

Um gegen dieses Ohnmachtsgefühl anzukämpfen, trieben die Oberrospher*innen die Idee voran, hier selbst initiativ zu werden. Es gab eine erste Informationsveranstaltung, in deren Folge sich Arbeitsgruppen mit der Realisierung einer eigenen, dezentralen Energieversorgung beschäftigten. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie spielten die künftigen Energieversorger*innen in Eigenregie verschiedene Szenarien durch und schnell wurde klar: Ein Biomasseheizwerk kann den Ort mit grüner Energie versorgen.

Vertrauen durch Mitbestimmung
Für die Rechtsform der Genossenschaft entschieden sich die Initiator*innen, weil sie den Beteiligten aus dem Dorf ein hohes Mitbestimmungsrecht garantieren wollten. „Dies sorgt für Vertrauen in das Vorhaben und ist schlicht und einfach gerecht. Wer sein Geld hier investiert, der soll auch mitentscheiden können – unabhängig von der Höhe seines Anteils“, betont Henkel, der technischer Betriebswirt ist und als Projektmanager in einem Pharmaunternehmen arbeitet. Außerdem biete die regelmäßige Wirtschaftsprüfung durch den Genossenschaftsverband den Mitgliedern auch die Gewissheit, dass hier alles richtiggemacht werde.

„Hinzu kommt, dass wir die Infrastruktur des Genossenschaftsverbandes, zum Beispiel bei der Buchhaltung und der Steuer, mitnutzen können“, ergänzt er. „Für diese Tätigkeiten brauchen wir also keine weiteren Personen, die Geld kosten“, so der Vorstand. Denn: In der Bioenergiedorf Oberrosphe eG arbeiten sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat komplett ehrenamtlich.

Konstant günstige Energiepreise
Nachdem die Genossenschaftsgründung in trockenen Tüchern war, wurde gebaut. In vielen Straßen und Gärten des Dorfes blieb im wahrsten Sinne kein Stein mehr auf dem anderen, denn es wurde auf einer Strecke von sieben Kilometern die Infrastruktur zur Verteilung der Nahwärme verlegt. Im Oktober 2008 wurde angeheizt – ein „heiß-bewegender Moment“ für alle, die sich aktiv oder als Genossenschaftsmitglieder eingebracht hatten.

Aktuell versorgt das Oberrospher Heizwerk 151 Haushalte. Pro Jahr kommen etwa drei bis vier hinzu. „Und aufgrund unserer konstanten Preise kündigt niemand“, freut sich Vorstand Henkel. Im Dorf werden heute 60 Prozent der CO2-Emissionen reduziert, das sind umgerechnet etwa 300.000 Liter Öl weniger. Für den einzelnen Haushalt gibt es noch mehr Vorteile: keine Schornsteinfegergebühr, keine Heizungswartung mehr, kein Tanken, keine Überprüfungen der Heizöllagerstätten mehr, keine Abhängigkeit vom Öl- oder Gaspreis und die Öllagerstätte kann anders genutzt werden.

Nicht nur die konstante Zahl der Abnehmer*innen, sondern auch die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Heizwerks sorgt für stabile Einnahmen. Hinzu kommt die Kooperation mit einer nahegelegenen Biogasanlage, deren Abwärme genutzt werden kann. „Diese Zusammenarbeit mit dem benachbarten Landwirt ist eine Win-win-Situation für uns alle“, freut sich Henkel und ergänzt: „Wir können heizen und wirtschaftlich damit umgehen“. Die Preise seien stabil und dem Trend zu ständig steigenden Öl- und Gaspreisen hält er selbstbewusst entgegen: „Wir wollen im Jahr 2030 die günstigsten Energiepreise in ganz Deutschland anbieten“.

Doch so gut und stabil die Gegenwart ist, blicken die Verantwortlichen auch über den Tellerrand. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat die höchste Dichte an Bioenergiedörfern, derzeit sind 13 in Betrieb. 2015 haben die Bioenergiedörfer gemeinsam eine Einkaufsgenossenschaft, die BioEnergieService Marburger Land eG, gegründet. Damit beschaffen sie gemeinsam den Rohstoff Holzhackschnitzel sowie andere Dienstleistungen und erzielen für alles bessere Einstandspreise. Zusätzlich findet in dieser Gemeinschaft auch ein reger Wissenstransfer statt, der die Bioenergiedörfer untereinander nachhaltig stärkt.

Optimistischer Blick in die Zukunft
„Das Bioenergiedorf 4.0 könnte zum Beispiel mit Solarthermik oder anderen Technologien betrieben werden – Stichwort Wasserstoff. Daher bilden wir jetzt Rücklagen, um der nächsten Generation Handlungsspielraum für Neues zu verschaffen und unser Bioenergiedorf für die Zukunft fit zu machen“, erläutert der Vorstand, der selbst 62 Jahre alt ist.
Die derzeit Verantwortlichen seien optimistisch, dass der Übergang auf jüngere Verantwortliche gelingen werde, denn die Akzeptanz im Dorf sei groß. Und auch die neue Regierung könnte für zusätzlichen Schwung bei der dezentralen Energieversorgung sorgen. „Für uns war die Politik in den letzten Jahren nicht so wichtig, denn wir haben unser Bioenergiedorf etabliert. Wir wachsen, und alle, die sich einbringen, sparen Geld. Aber die neue Regierung könnte künftig mehr Facetten der Energieversorgung abdecken und damit zukünftige Projekte erleichtern“, hofft Henkel.

Brigitte Ott


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