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Schwerpunkt Westfalen | Veröffentlicht am 22.04.2020

Plastik kommt nicht in die Tüte

© Tim Shirley/ Unverpackt eG

Weckgläser, Stoffsäcke, Papiertüten oder Mehrweg-Kanister: Darin füllen sich Kunden ab, was und wie viel sie brauchen. Von Nudeln und Kaffee über Gummibärchen und Gewürze bis Öl und Shampoo reicht die Palette. Bei diesem genossenschaftlichen Start-up kommt vieles, aber stets plastikfrei in die Einkaufsbeutel. Vor knapp einem halben Jahr hat die Unverpackt Siegen eG ihren Laden eröffnet. Nicht nur das Sortiment wächst sukzessive.

Auf die Verpackung kommt es hier nicht an – mehr noch: Sie wird ganz bewusst eingespart. Was sonst eingeschweißt oder von Kunststoff umhüllt als ein wichtiger Erfolgsfaktor konventioneller (Marken-)Produkte gilt, ist für diese Genossenschaft nicht mehr zeitgemäß und längst Schnee von gestern. „Lose, natürlich, pur” heißt das Credo der Unverpackt Siegen eG. Ihre plastik- und verpackungsfreie (Einkaufs-)Zone liegt mitten in einem umsatzstarken Nebenzentrum der Universitätsstadt Siegen: Das Geschäft hat zwei Etagen, ist inklusive Lagerflächen knapp 400 Quadratmeter groß.

Rund 400 verschiedene Artikel sind es mittlerweile, die im Stadtteil Weidenau über die Ladentheke gehen. Bundesweit findet die sogenannte Zero-Waste-Bewegung zunehmend Anhänger – und auch hier wird dies seit November 2019 beim Einkaufen praktiziert: Wer Lebensmittel, Haushaltswaren, Gebrauchsgegenstände oder Hygieneartikel shoppt, macht dies mit „null Abfall“. Alle Produkte gibt es bei der eG unverpackt, die Ware wird lose verkauft. Da werden auch Erinnerungen an einstige Tante-Emma-Läden wieder wach, in denen vor vielen Jahrzehnten noch mit Schütten Mehl oder Salz bedarfsweise portioniert wurde.

Produkte für Selbstabfüller
Das heutige Unverpackt-Prinzip ist simpel: Die Kunden bringen eigene Behälter oder Beutel mit, füllen sich beispielsweise Reis, Getreide, Müsli oder Nüsse aus großen Aufbewahrungsspendern, den sogenannten Bins, ab und zahlen nach Gewicht. Im Siegener Geschäft selbst zählt nicht nur das Wie, sondern ebenso das verpackungsfreie Was: Denn hier kommt nur Bio in die Tüte. „Auch im Hinblick auf die Regionalität der Produkte wird unser Sortiment ständig weiter optimiert”, berichtet Tim Shirley vom Vorstand der Genossenschaft, der zugleich hauptamtlicher Geschäftsführer ist.
Nachhaltigkeit prägt im mehrfachen Sinne das Geschäftsmodell – und wird von den Gründern als essenzielle Notwendigkeit gesehen. Das zeigt sich neben der Produktauswahl in „der Müll-Vermeidung und auch in unserer Organisationsstruktur als Genossenschaft“, sagt Vorstand Tim Shirley: „Uns geht es nicht um den großen Gewinn, sondern um die Sache und uns war es wichtig, gemeinschaftlich eine Vorbildfunktion zu übernehmen.“ Das hat Unverpackt Siegen getan, setzt in der über 100.000 Einwohner zählenden Stadt sowie im Siegerland neue, müllfreie Akzente.

Was heute in und rund um Siegen jede Menge Zuspruch kassiert, konnte erst nach viel Ausdauer und reichlich Engagement durchstarten. Die Idee dazu keimte bereits 2017. „Verschiedene Gruppierungen, darunter Studierende der Uni Siegen, trugen sich mit dem Gedanken, einen Unverpackt-Laden zu eröffnen“, berichtet Tim Shirley. In Zeiten wachsender Plastikmüll-Berge galt es, andere Wege für einen bewussteren Konsum zu beschreiten – und vor Ort eine Lücke zu schließen. Denn ein verpackungsfreies Geschäft war zuvor in der Region absolute Mangelware, das nächste fand sich seinerzeit erst in Köln.

© Tim Shirley/ Unverpackt eG

„Harter Kern“ startete durch
Von anfangs vielen Interessierten blieb zig Treffen und etliche Monate später letztendlich nur ein „harter Kern“ übrig, erzählt der heutige Vorstand rückblickend. Zehn Gründerinnen und Gründer, die noch im Studium steck(t)en oder andere Berufe haben, gingen tatkräftig das Start-up an. Schritt für Schritt wurde von ihnen die Unverpackt-Idee in ein tragbares Einkaufskonzept überführt – und über eine Crowdfunding-Aktion Startkapital gesammelt. Im April 2018 wurde schließlich die Genossenschaft gegründet.

Bevor der eigene Laden ans Laufen kam, flossen jede Menge Schweiß und geballte Energie. Auch die Werbetrommel wurde vor Ort sowie in den sozialen Medien kräftig gerührt. „Wir haben zudem lange Zeit nach einem geeigneten Ladenlokal gesucht, da wir für einen Unverpackt-Laden eine größere Lagerfläche brauchen“, sagt das Gründungsmitglied und der heutige Geschäftsführer Tim Shirley. In Siegen-Weidenau wurden die Genossen dann fündig, renovierten Bereiche ihres künftigen Geschäfts in Eigenleistung und bauten die Einrichtung teils selbst. „Viel Herzblut“ steckten sie ebenso in die Auswahl ihrer Lieferanten.

Die Mühen haben sich gelohnt: „Die Resonanz auf unser Angebot ist sehr gut, wir haben inzwischen bei Jung und Alt einen hohen Bekanntheitsgrad“, resümiert Tim Shirley, der gemeinsam mit Alexandra Becker und Ursel Rademacher im Vorstand der eG verantwortlich zeichnet. Heute – nach rund sechs monatigem Geschäftsbetrieb – wächst das Sortiment des Unverpackt-Ladens genauso wie die Zahl der Mitstreiter weiter. „Unsere Genossenschaft hat inzwischen fast 200 Mitglieder – Tendenz steigend“, erzählt er.

Die Mischung macht´s
Von der Nische geht’s in Richtung Mainstream: Wie bei der Kundschaft im Laden findet sich auch bei den Genossen eine Mischung aller Alters- und Berufsgruppen. Das Unverpackt-Geschäft ist sechs Tage die Woche von 10 bis 19 Uhr geöffnet. „Wir setzen auf verlässliche Öffnungszeiten“, so Geschäftsführer Tim Shirley, der studierter Informatiker ist.
Ein insgesamt elfköpfiges Team arbeitet auf Minijob-Basis im Laden, in dem es auch ein kleines Café mit selbstgebackenem Kuchen gibt. Zudem werden Brote eines regionalen Bio-Bäckers angeboten. Bestand das Sortiment anfangs aus Trockenprodukten wie etwa Getreide oder Hülsenfrüchte, gesellten sich Gewürze, Trockenfrüchte, Honig, Hygieneartikel sowie mittlerweile auch Milch und Joghurt in Pfandgläsern hinzu. Kaffee einer regionalen Rösterei ist ebenso zu finden. „Künftig ist eine Sortimentserweiterung um Frischprodukte geplant“, gibt Tim Shirley einen Ausblick: „Wir werden nach und nach unser Angebot entsprechend dem Kaufverhalten und der Kundennachfrage anpassen.“

Bundesweit gibt es heute knapp 150 Unverpackt-Läden, eine Handvoll davon ist als Genossenschaft organisiert. Der Laden der Unverpackt Siegen eG ist derzeit im Umkreis von rund 60 Kilometern der Einzige seiner Art: Er ist sozusagen in vieler Munde, zieht etliche Stammkunden sowie Neukunden an, aber auch Verbraucher, „die sich unser Konzept erst einmal anschauen und erklären lassen“, so der Geschäftsführer. Apropos erklären und informieren: In der unteren Etage des Geschäfts ist ein größerer Workshop-Bereich geplant, um hier regelmäßige Vorträge für Interessierte und Schulklassen zu etablieren. „Über das Unverpackt-Prinzip hinaus wollen wir zu einer Plattform für weitere Projekte engagierter Leute werden“, sagt Tim Shirley. Aktuell steht der Aufbau eines eigenen Webauftritts auf der Agenda.
Anja Pieper


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