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Schwerpunkt Harz | Veröffentlicht am 11.12.2020

Gemeinsam die Weichen gestellt

Ein einladendes Tor zur Lutherstadt Eisleben auch bei Nacht: Der über 155 Jahre alte Bahnhof ist mittlerweile wieder dank der Bahnhofs-Genossenschaft ein wichtiges Bindeglied für attraktiven Nahverkehr.

Schmuck und saniert steht er mittlerweile da, der Bahnhof in der Lutherstadt Eisleben. Damit im über 155 Jahre alten Empfangsgebäude nicht die Lichter ausgingen, kam eine Genossenschaft zum Zuge. Angeschoben von Mitgliedern des Stadtrates sowie der Stadtverwaltung bewahrte sie das baukulturelle Erbe und betreibt das heutige Kleinod.

Es ist ein einmaliges Bürgerprojekt mit großer Signalwirkung in der Region, das in der zweitgrößten Stadt im Landkreis Mansfeld-Südharz Schritt für Schritt ans Laufen gebracht wurde. Heute zählt die Bahnhof Lutherstadt Eisleben eG 267 Mitglieder. Die Genossenschaft kümmert sich um die Belebung des Bahnhofsumfeldes und ist Eigentümerin sowie Vermieterin des Empfangsgebäudes. Und das hat nicht nur wegen seiner grundlegenden Neugestaltung eine besondere Strahlkraft.

„Wir haben gezeigt, was möglich ist, wenn Bürgerinnen und Bürger, Institutionen und Unternehmen gemeinsam für einen funktionierenden Bahnhof an einem Strang ziehen“, sagt Thomas Fischer vom Vorstand der Genossenschaft: „Wir verstehen uns als ein wichtiges Bindeglied für attraktiven Nahverkehr.“ So stieg auch die Zahl der Reisenden an. In Eisleben halten für aktuell rund 1.200 Pendler*innen täglich verschiedene Regionalbahnen, etwa nach Halle, Erfurt oder Kassel.

Der historische Bahnhof lädt heute zum Verweilen ein, blieb dank der Genossenschaft nicht auf der Strecke. Dafür wurden mit ihrer Gründung im September 2013 die Weichen gestellt. Mehr noch: Die eG machte sich zum Ziel, durch eine grundlegende Gebäuderenovierung sowie Aufwertung des Bahnhofsquartiers ein einladendes Tor zur Lutherstadt Eisleben als Unesco-Weltkulturerbe zu schaffen. Der Kurs stand fest – der Weg dorthin sollte noch einiges an Zeit, etliche Planungen und viele gemeinsame Kraftanstrengungen kosten.

Schwierige Ausgangslage
Ein Rückblick: Anfang 2012 machte zunächst keine allzu gute Kunde in Eisleben die Runde. „Im Rahmen des Stadtentwicklungsausschusses erfuhren wir, dass das Bahnhofsgebäude von der DB zum Verkauf angeboten werden sollte“, berichtet Thomas Fischer, der seit Jahren als Stadtrat aktiv ist. „Da sich Eisleben seinerzeit in einem strikten Konsolidierungsprozess befand, war es utopisch, dass unsere Kommune den Bahnhof übernimmt.“ Also mussten andere Mittel und Wege gefunden werden, um das historische Empfangsgebäude zu bewahren. „Im Extremfall hätte es sonst für immer weichen und gegebenenfalls einem Pavillon Platz machen müssen“, schildert Thomas Fischer die Ausgangslage.

Deshalb wurde eine „Arbeitsgruppe Bahnhof“ gebildet: Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses und der Stadtverwaltung beschäftigten sich intensiv mit der Zukunftssicherung des Bahnhofs. Schützenhilfe gab es für sie von der auf solche Projekte spezialisierten Agentur Bahn-Stadt. Im Zuge eines Interessenbekundungsverfahrens wurde mit Unterstützung der Nahverkehrsservices Sachsen-Anhalt (NASA) GmbH schließlich eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um auszuloten, wie es weitergehen kann. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die vorhandene Bausubstanz genutzt, das gesamte Gebäude aber entkernt werden müsse. Luftiger, großräumiger und von Grund auf saniert – so lautete die Empfehlung für das in die Jahre gekommene, teils durch An- und Einbauten nicht mehr ganz so schmucke Empfangsgebäude.

Eine Generalversammlung der Bahnhof Lutherstadt Eisleben eG vor Corona-Zeiten: Der „Arbeitskreis Bahnhof“ sowie der Vorstand der Genossenschaft stellten gemeinsam mit Bürger*innen die Weichen zum Erhalt des Bahnhofsgebäudes.

Arbeitsgruppe kam zum Zuge
Soviel war bereits zu diesem Zeitpunkt sicher: „Wir wussten, dass das Bahnhofsprogramm des Landes Sachsen-Anhalt eine ergänzende, mit Menschen besetzte Servicestation an unserem Haltepunkt vorsah und somit ein Ankermieter für 15 Jahre vorhanden sein wird“, erläutert der Vorstand. Und auch damit konnte geplant werden: Bei den geschätzten Baukosten von zirka einer Million Euro würde die NASA GmbH mit ihrem Programm zur „Revitalisierung von Empfangsgebäuden“ zirka 80 Prozent der Finanzierung übernehmen. Mit diesen Zahlen ging die Arbeitsgruppe an die Öffentlichkeit, um nach potenziellen Käufer*innen zu suchen – die bereit waren, die restlichen 200.000 Euro aufzubringen.

„Wir haben vor Ort Brücken gebaut, versucht Vernetzungen herzustellen und sehr viel gemacht“, erzählt Thomas Fischer, „doch es konnte niemand gefunden werden, der das Gebäude übernimmt.“ Daher folgte im Sommer 2013 der alles entscheidende Entschluss: „Wir machen das jetzt selbst und gründen dafür eine Genossenschaft.“ Mit Unterstützung des Genossenschaftsverbandes, der laut Thomas Fischer „wichtige Starthilfe“ gab, wurde das Bürgerprojekt auf die Schiene gebracht – und ab Herbst 2013 reichlich Flagge und Einsatz gezeigt. Von anfangs 34 Mitgliedern wuchs die eG sukzessive, immer mehr Mitstreiter*innen zeichneten Anteile. Nach Erteilung des offiziellen Förderbescheides am 1. Oktober 2015 nahmen die weiteren Planungen konkrete Gestalt an, ein Jahr später „ging es endlich mit den Baumaßnahmen los“, so der Vorstand.

Großer Bahnhof für den Bahnhof
Als Besitzerin begleitete die Genossenschaft nicht nur einzelne Bauphasen, es wurde mitunter selbst angepackt. „Viele haben sich engagiert, auch um alten Putz und Farbe von den Wänden abzuklopfen“, gibt Thomas Fischer ein Beispiel von vielen. Das Gros der aufwendigen Sanierungsarbeiten mündete schließlich im Mai 2017 in einer großen, festlichen Neueröffnung. Der verschönerte Bahnhof wurde gemeinsam mit Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, in Betrieb genommen. Im schmucken Erdgeschoss siedelten sich neben der Servicestation noch weitere Mieter an – genauso im Ober- und Dachgeschoss: darunter ein Steuerberatungsbüro, ein Ingenieurbüro und auch eine Versicherungsagentur.

Heute ist das Bahnhofsgebäude „eine gut vermarktete Immobilie mit rund 1.100 Quadratmetern Mieterfläche“, so Thomas Fischer, der gemeinsam mit Jörg Löffler und René Barthel im Vorstand der eG verantwortlich zeichnet. Auch das Bahnhofsumfeld wurde optimiert, wie beispielsweise mit einem kostenfreien Parkplatz, und soll weiter aufgewertet werden. Die Genossenschaft bietet zudem auch Raum für Kultur: Die umgestaltete Empfangshalle kann für Veranstaltungen, Konzerte und vieles mehr genutzt werden. Diese Aktivitäten ruhen derzeit, sind nun mal in Corona-Zeiten „schwierig“.

Anja Pieper

www.bahnhof-lutherstadteisleben.de/


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