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Schwerpunkt Hamburg | Veröffentlicht am 29.07.2021

Geschichte(n) auf der Spur

Hier wird Geschichte geschrieben, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Seit zehn Jahren reist die Historiker-Genossenschaft eG Hamburg für verschiedenste Auftraggeber in die Vergangenheit. Das achtköpfige Team erforscht Geschichte(n) von Firmen, Familienunternehmen, Genossenschaften, Stiftungen und Vereinen, baut Archive auf oder stellt wichtiges Wissen für Ausstellungen bereit.

Auf den Spuren der Geschichte(n): das Team der Historiker-Genossenschaft um Vorstand Dr. Holger Martens (1.v.r.).

Geschichte lässt sich selten in einem Satz erzählen. Das weiß Dr. Holger Martens nicht nur von Berufs wegen. Denn wer in die Historie der 2011 gegründeten Historiker-Genossenschaft eG reist, der reist mit dem promovierten Geschichtswissenschaftler erst einmal durch seine eigene Biografie und schließlich ins Jahr 2005 zurück. Da legte der heute 59-Jährige mit Gleichgesinnten den Grundstein für die Geschichtswerk eG, die wenig später den Zusatz Historikergenossenschaft erhielt. „Ich habe damals als Freiberufler gearbeitet und musste mich oft gleichzeitig um die Akquise kümmern, Netzwerke pflegen, Marketing machen und natürlich die eigentlichen Aufträge bearbeiten“, erinnert sich Dr. Holger Martens.

Wie er irgendwann erfuhr, erging es seinen freiberuflichen Kolleg*innen nicht anders. So reifte die Idee einer dauerhaften, synergiereichen Zusammenarbeit. Dass diese schließlich in einer Genossenschaft mündete, ist einer Baugenossenschaft zu verdanken, für die Dr. Holger Martens seinerzeit eine Jubiläumsschrift schrieb. „Die geringe Gründungssumme von 1.500 Euro und vor allem die sehr demokratische Form und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die eine Genossenschaft bietet, haben uns überzeugt“, sagt Dr. Holger Martens.

2005 nahm schließlich die Geschichtswerk eG ihre Arbeit auf. „Unser Ziel war es, dass sich möglichst viele zusammenschließen, um ein breites Themenspektrum abzudecken und Kompetenzen zu bündeln“, so der 59-Jährige. Dies habe zwar generell funktioniert, aber auch Konflikte mit sich gebracht, die letztlich 2011 zu seinem Weggang führten. Das Ende dort war der Anfang hier: Gemeinsam mit seiner damaligen, ebenso ausgeschiedenen Vorstandskollegin Dr. Andrea Brinckmann sowie Max Martens, Student der Kulturwissenschaften, gründete er am 28. Mai 2011 in Rekordzeit die Historiker-Genossenschaft eG.

Die bewährten Strukturen blieben bestehen. „Wir wollten ja so weitermachen wie zuvor, nur mit der Änderung, dass fortan ein höherer Anteil an die Genossenschaft fließen sollte, um eine Geschäftsführung zu bezahlen“, berichtet Dr. Holger Martens. Dieser Plan ging auf. Heute ist die Historiker-Genossenschaft die einzige in Deutschland. Die Zusammenarbeit des Oktetts funktioniert „sehr gut und reibungslos, was sicher auch am Teamgeist sowie der Transparenz der Entscheidungen, Preisgestaltung und Gehälter liegt“, sagt der Vorstand und Geschäftsführer, dem auch die Nähe zur Wissenschaft wichtig ist. 2008 gründete er die Arbeitsstelle für Genossenschaftsgeschichte an der Universität Hamburg, die jährlich eine Tagung zur Genossenschaftsgeschichte mit gestaltet.

Vielfältige Dienstleistungen
Das Dienstleistungsspektrum der Historiker-Genossenschaft ist breit gefächert und reicht von der Recherche bis zum fertigen Buch, das auf Wunsch im hauseigenen HistorikerVerlag erscheinen kann. Auch beim Archivaufbau helfen die Wissenschaftler, bei Ausstellungen und Jubiläumsschriften. So unterschiedlich all die Arbeiten der Geschichtsforscher auch sind, so gleich sind die drei Kernkompetenzen, die das genossenschaftliche Team stets einbringt. Als Historiker kennen alle Genossenschaftsmitglieder die Quellen und Archive sehr genau und können so unbekannte Details aus der Geschichte eines Unternehmens oder Vereins zusammentragen und die Überprüfbarkeit der Informationen sicherstellen. „Durch unser Studium sind wir zudem geschult, einen Untersuchungsgegenstand aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, damit ein möglichst vielschichtiges Bild entsteht“, erklärt Dr. Holger Martens. Allen Genossenschaftsmitgliedern gemein ist, dass sie verständlich und für eine breite Leserschaft schreiben, dabei stets Lokal- und Regionalgeschichte mit einbeziehen.

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2020 war das bisher erfolgreichste in der zehnjährigen Geschichte der eG. Insgesamt haben die Genossenschaftsmitglieder gemeinsam mit drei weiteren Mitarbeiter*innen 20 Projekte betreut. Dazu zählten der Aufbau von Firmenarchiven, eine Ausstellungsberatung, die Prüfung von Straßennamen für ein Stadtarchiv, die Aufarbeitung der Geschichte einer Kreditgenossenschaft, die Beleuchtung der NS-Vergangenheit eines Stiftungsgründers oder auch die Fertigstellung der Gemeindechronik Hanstedt. Im Fokus der gemeinsamen Arbeit standen unterdessen acht Jubiläumsschriften für Wohnungsbaugenossenschaften und -gesellschaften. Mittlerweile kommt zirka die Hälfte der Aufträge aus dem genossenschaftlichen Bereich. „Genossenschaften sind tolle Kunden, vor allem, da es in allen Gremien hervorragende Dokumentationen und Unterlagen wie Geschäfts- und Prüfberichte oder Protokolle gibt, aus denen wir schöpfen können“, sagt Dr. Holger Martens.

Corona beeinflusst Recherchen
In ihrem Jubiläumsjahr hat die Corona-Pandemie auch die Historiker-Genossenschaft nicht verschont. „Es ist immer noch enorm schwierig, in die Archive zu kommen“, erklärt der Vorstand. Die Anmelde- und Wartezeiten sind enorm lang, allein im Bundesarchiv in Berlin beträgt sie aktuell ein Jahr. „Zudem ist es unter den jetzigen Bedingungen nahezu unmöglich, neue Aufträge abzuschließen, da die meisten Unternehmen vornehmlich mit ihrem Tagesgeschäft beschäftigt sind“, so Dr. Holger Martens. Gemeinsam mit dem gesamten Team hofft er daher auf ein schnelles Ende der Pandemie und darauf, dass die Nachfrage nach historischen Dienstleistungen wieder steigt.

Denn sicher ist: Das nächste Jubiläum kommt bestimmt – oder auch wieder ein ungewöhnlicher Auftrag wie vor einigen Jahren, als ein britischer Schatzsucher in der Ost- und Nordsee Schiffswracks suchte. Die geschichtskundigen Genossen forschten akribisch in staatlichen Archiven. „Wir konnten aber leider nicht weitreichend genug helfen“, erinnert sich Dr. Holger Martens an seine bislang ungewöhnlichste Recherche. Und so liegt der ein oder andere Goldschatz bis heute auf dem Meeresgrund.

Anja Scheve


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