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Schwerpunkt Ahrtal | Veröffentlicht am 30.10.2020

Ständig steil bergauf

Foto: Dagernova Weinmanufaktur eG

Masse ist hier seit Langem passé: Eine der größten Winzergenossenschaft im Ahrtal setzt explizit auf Klasse. Bei der Dagernova Weinmanufaktur kommt nur Handverlesenes in die Fässer und Tanks. Denn die zumeist roten Rebsorten gedeihen auf äußerst steilen Schieferlagen. Deren Hege, Pflege und Lese ist sehr aufwendig, läuft völlig ohne Maschinen ab. Getreu dem Motto „1.200 Hände, 600 Herzen und eine Leidenschaft“ vereint die Winzer nicht nur ihr hoher Anspruch an vollmundigen Ahrwein.

Bei den 600 Winzerfamilien in und rund um Dernau hat vieles seit Generationen Tradition: ihr Einsatz zur Erhaltung der besonderen Kulturlandschaft im Ahrtal, ihr starker Zusammenhalt als Gemeinschaft und ihre Treue zur Leit-Rebsorte Spätburgunder. „Einzigartig sind auch unsere Strukturen“, berichtet der geschäftsführende Vorstand der Winzergenossenschaft Dagernova Weinmanufaktur Thomas Monreal: „Die rund 600 Mitglieder – davon 350 aktive Vollablieferer – sind dem Weinbau sowie unserer Genossenschaft oftmals schon in der sechsten Generation verbunden.“ Insgesamt bewirtschaften sie eine Rebfläche von knapp 150 Hektar. Auf rund 1,2 bis 1,4 Millionen Liter beziffert der Geschäftsführer die jährliche Weinproduktion. Er ist ein „Eigengewächs“ des Ahrtals und hat „im Nebenerwerb“ auch einen kleinen Winzerbetrieb, der natürlich der Genossenschaft angehört.

„Von Generation zu Generation wurde der Weinbau in unseren Familien aus der Winzergenossenschaft weitergegeben“, sagt Thomas Monreal, der demnächst eine neue berufliche Perspektive im genossenschaftlichen Verbund ergreift. Nach acht Jahren als Vorstand steht am 1. November ein Wechsel an: An der Spitze der eG zeichnet dann Dominik Hübinger verantwortlich. Es versteht sich von selbst, dass der gebürtige Moselaner ebenso aus einer Weinfamilie stammt und über langjährige Expertise verfügt. Zuvor als Geschäftsführer bei einer der führenden Weinkellereien Deutschlands tätig, zieht es ihn nun an die Ahr. Und das aus voller Überzeugung.

Denn die Anbauregion, die für Touristen kulturell und kulinarisch jede Menge zu bieten hat, sei nun mal einmalig. „Man muss die Ahr und ihre Steillagen persönlich erlebt haben“, sind sich Thomas Monreal und Dominik Hübner einig. In dieser „wunderbaren Landschaft“ ist Volumen nicht alles: Auf den kleinen, aufwendig zu bearbeitenden Wein-Parzellen zählen Leidenschaft und Nachhaltigkeit umso mehr. „Klasse statt Masse“ prägt den Einsatz der Winzer – und kennzeichnet genauso die besonderen Tropfen. Ahrweine haben per se eine gewisse Ausnahmestellung, machen am deutschen Weinmarkt weniger als ein Prozent aus.

„Wir bieten sehr gute Qualität zu angemessenen Preisen, im Durchschnitt sind es zehn Euro pro Flasche“, berichten der derzeitige sowie der neue Geschäftsführer der Dagernova Weinmanufaktur. Das Spektrum reicht von der Basis-Weinlinie bis zu edlen Einzellagen und preislich von 6,90 Euro bis maximal 30 Euro pro Flasche.

Foto: Dominik Ketz

Ob Spätburgunder (75 Prozent), ob Portugieser (5 Prozent), ob Frühburgunder (4 Prozent) oder weitere rote und weiße Sorten – mildes Klima und die Schieferverwitterungsböden im steilen Flusstal begünstigen das Gedeihen der Weintrauben, lassen ein unverwechselbares Geschmacksprofil entstehen. Trotz Klimawandel und heißen Sommern in den Vorjahren haben die Winzer aufgrund der nördlichen Lage ihrer Weinberge nicht mit Trockenheit zu kämpfen. „Unsere Weine haben eine klare, kühle Struktur in der Frucht und eine hohe Mineralität“, beschreibt Dominik Hübinger das spezielle Geschmacksbild.

Im Dienst der Rebstöcke geht es ständig steil bergauf – Handarbeit steht seit jeher hoch im Kurs. Über 140 Jahre reichen die Wurzeln des gemeinsamen Weinbaus zurück, bis zur Gründung des Winzervereins Dernau im Jahr 1873. Im Laufe der langen Zeit folgten Fusionen mit weiteren Winzervereinigungen. Die Genossenschaft wuchs weiter und enger zusammen, wurde zum großen Mehr-Familien-Weingut.

Heutzutage verbindet die eG ihre langjährige Tradition mit reichlich Innovation, tritt nach außen mit zwei Namen auf: Unter „Ahr Winzer“ firmiert ihre reine Handelsmarke. Seit 2003 wurde mit der Dagernova Weinmanufaktur die Marke für Endverbraucher, Fachhändler und Gastronomen am Markt etabliert. Deren Name ist Programm: Er deutet zum einen auf die handgemachte, erlesene Qualität hin und steht zum anderen für die lange Wein-Historie im Ahrtal. Das heutige Dernau wurde im 8. Jahrhundert erstmals urkundlich als fränkische Siedlung „degerana vale“ erwähnt. Diese Bezeichnung stand Pate bei der Namensfindung, zudem setzt die Dagernova von Haus immer wieder auf Neues.

Die Arbeitsteilung ist klar geregelt. Die Winzerfamilien kümmern sich intensiv um ihre Weinberge. Nach der Lese werden die Trauben von den insgesamt 32 Mitarbeitern der Genossenschaft hochmodern verarbeitet, professionell vinifiziert, abgefüllt sowie vermarktet und verkauft. „In unserem Wirtschaftskreislauf fließen die Umsatzerlöse direkt an die Winzer zurück“, erläutert Dominik Hübinger. Die meisten Genossen sind mittlerweile im Nebenerwerb als Winzer tätig, haben ein hauptberufliches Standbein: Vom Bäcker bis zum Banker ist alles dabei.

Breit aufgestellt zeigt sich auch das genossenschaftliche Unternehmen, das in den letzten Jahren wichtige Weichen für seine Zukunft gestellt hat. Trotz Corona, trotz zwischenzeitlicher Schließung der eigenen Vinothek und des Restaurants sowie Lockdown-bedingter Umsatzverluste bei Gastronomen konnte die Dagernova schwarze Zahlen schreiben. „Wir konnten erfolgreich Umsätze ins Online-Geschäft umschichten“, so Thomas Monreal. Der Internet-Shop für Endverbraucher boomt und wird weiter ausgebaut. Neben speziellen Probierpaketen für zu Hause sorgten in Corona-Zeiten auch virtuelle Live-Wein-Proben für zusätzliche Dynamik.

Am Puls der Zeit hat sich nicht nur die Weinmanufaktur mit ihrer Produktpalette und ihren Dienstleistungen ausgerichtet. Dynamisch gehen auch die Jungwinzer der Dagernova ans Werk, die vor fünf Jahren mit „Mission Steillage“ eine Nachwuchs-Initiative und ihr eigenes Label innerhalb der Genossenschaft ins Leben riefen. Ihre Mission ist wörtlich zu nehmen, denn sie brennen leidenschaftlich für die pure, mühsame Handarbeit in den steilen Weinbergen, die über 30 Prozent Gefälle haben.

Anja Pieper

www.dagernova.de


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