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Aus den Regionen

Unsere Aufgabe ist es, jetzt aufzustehen

Foto: Volksbank Chemnitz

Die Volksbank Chemnitz zeigt Flagge für die Aktion „Chemnitz ist weder grau noch braun“.

Die Volksbank Chemnitz ist an der Seite der Initiative „Chemnitz ist weder grau noch braun“, die sich für Toleranz und Offenheit in der sächsischen Stadt einsetzt. GENiAL sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Gunnar Bertram.

Herr Bertram, „Chemnitz ist weder grau noch braun“: Warum haben die Initiatoren diesen Namen gewählt?

Gunnar Bertram: In den vergangenen Jahren haben viele engagierte Menschen, Initiativen und Unternehmen aktiv an der Ausgestaltung des gemeinsamen Zusammenlebens und der hiesigen Kulturlandschaft gearbeitet. So konnte aus dem Image einer grauen Provinzstadt im Osten Deutschlands ein buntes, lebenswertes Chemnitz entstehen. Die Initiative „Chemnitz ist weder grau noch braun“ eint die Sorge und Enttäuschung, dass sowohl die fremdenfeindlichen Ereignisse wie auch das daraufhin in den Medien dominierende und für viele Chemnitzer nicht immer der realen Situation entsprechende Bild unserer Stadt diese Anstrengungen zunichte machen.

Wie ist die bisherige Resonanz in Chemnitz und außerhalb?

Es gab und gibt sehr viele Bürger, Unternehmen und Organisationen, die eine breite Diskussion über ein lebenswertes und vielfältiges Chemnitz voranbringen. Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen und Grundlagenarbeit wollen sie diejenigen Initiativen stärken, die an einer offenen Stadtgesellschaft arbeiten und die entstandenen und offen hervorgetretenen Gräben überwinden. So konnten bisher rund 250.000 Euro regional und überregional für demokratiefördernde Projekte gesammelt werden.

„Unser aller Aufgabe ist es jetzt, hier aufzustehen und deutlich zu machen, dass die Stadt unendlich mehr ist als inakzeptable Äußerungen von Radikalen an den politischen Rändern unserer Gesellschaft, die unser demokratisches Wertesystem infrage stellen.“
Gunnar Bertram


Warum beteiligt sich die Volksbank Chemnitz?

Die Ereignisse in Chemnitz und die daraus folgenden Medienberichte haben das Bild der Stadt nach außen und innen stark verändert. Unser aller Aufgabe ist es jetzt, hier aufzustehen und deutlich zu machen, dass die Stadt unendlich mehr ist als inakzeptable Äußerungen von Radikalen an den politischen Rändern unserer Gesellschaft, die unser demokratisches Wertesystem infrage stellen. Dazu bedarf es einer selbstbewussten, kraftvollen Haltung, die auch wir als regional tief verwurzelte Genossenschaftsbank vertreten. Gerade jetzt hat die Zivilgesellschaft eine riesige Chance, sich zu engagieren, zu positionieren und kulturvoll, vorurteilsfrei und ohne Angst vor unangenehmen Themen und unterschiedlichen Meinungen in die respektvolle Diskussion mit der Mitte unserer Gesellschaft einzutreten. Und was die Menschen aktuell in Chemnitz bewegt, ist nicht nur für Deutschland, sondern letztlich auch für ganz Europa von zentraler Bedeutung.

Gibt es schon konkrete Maßnahmen?

Gemeinsam mit der Initiative „Chemnitz ist weder grau noch braun“ haben wir ein Crowdfunding-Projekt auf unserer Plattform „Viele schaffen mehr“ ins Leben gerufen. Das gesammelte Geld soll Projekte der humanistischen und demokratischen Bildung strukturell und öffentlichkeitswirksam voranbringen. Ziel ist es, den Menschen und Organisationen hinter den Projekten Werkzeuge für Kommunikation und demokratische Mitbestimmung in die Hand zu geben. So kann die Stadt Chemnitz in ihrer Vielfalt gestaltet und dies auch nach außen getragen werden. Auf diese Weise wurde unter anderem ein Filmbeitrag finanziert und realisiert, der Chemnitz aus der Perspektive von Kindern zwischen zehn und zwölf Jahren zeigt und das wahre, lebens- und liebenswerte Gesicht der Stadt festhält.

Foto: Mai Alkurdi

„Chemnitz ist…“

Mai Alkurdi
„Chemnitz ist für mich Heimat. Ich verbinde mit Chemnitz Liebe und Frieden und habe bisher nur gute Erfahrungen mit den Menschen, die hier leben, gemacht. Ich liebe die Chemnitzer, weil sie ihre Mitmenschen nicht anders aufgrund ihrer Herkunft oder einer anderen Hautfarbe behandeln. Die kulturelle Mischung in Chemnitz ist, was die Stadt für mich besonders lebenswert macht.“

Mai Alkurdi, angehende Bankkauffrau im 2. Lehrjahr
Mai Alkurdi stammt aus Syrien und hat dort zwei Jahre lang Wirtschaftswissenschaften studiert, um sich im dritten Jahr auf den Bereich Bank zu spezialisieren. Doch dann musste sie 2011 aus Syrien fliehen. Als sie vor drei Jahren gemeinsam mit ihrem Mann nach Deutschland kam, war es ihr größter Wunsch, hier Fuß zu fassen und ihren beruflichen Weg fortzusetzen. Heute macht Mai Alkurdi eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Volksbank Chemnitz.

Weitere Informationen:
www.wedergraunochbraun.de

Website der Aktion Chemnitz ist weder grau noch braun

www.viele-schaffen-mehr.de/wedergraunochbraun
Crowdfunding-Projekt der Volksbank Chemnitz inklusive Filmbeitrag „Chemnitz aus der Sicht unserer Kinder“

www.chemnitz2025.de
Website von Chemnitz zur Kulturhauptstadtbewerbung

Die Stadt Chemnitz bewirbt sich aktuell unter dem Motto „AUFbrüche“ als Europäische Kulturhauptstadt 2025. Mit vielen Formaten zeigt die Stadt dabei, wie Dialog auch bei unterschiedlichen Meinungen funktioniert. Die Volksbank Chemnitz unterstützt im Rahmen des KLUB 2025 Kulturprojekte für diese Bewerbung (www.klub2025.eu) und stellt sich aktiv der gesellschaftspolitischen Diskussion, wie zum Beispiel mit ihrem 9. Politischen Frühschoppen „Was nützt die Kulturhauptstadtbewerbung der Wirtschaft?“.

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