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Aus den Regionen

Das passt: Regionalität + Digitalisierung

Frank Overkamp und Michael Kersting (rechts); Foto: Volksbank Gronau-Ahaus eG

GENiAL sprach mit Frank Overkamp und Michael Kersting, den Vorständen der Volksbank Gronau-Ahaus, über die Chancen der Digitalisierung und die Vorteile regionaler Netzwerke.


Welche Chancen sieht die VB Gronau-Ahaus im Bereich Digitalisierung?
FRANK OVERKAMP: Große Chancen, denn Kunden sind heute „hybride“. Das heißt, sie wollen einerseits schnell und sicher online überweisen und die umfassende Vermögensstrukturierung im persönlichen Gespräch andererseits. Hier sehen wir für uns besondere Chancen im Vergleich zu den Direktbanken, die lediglich die digitalen Zugangswege besetzen. Ein weiterer Vorteil der Digitalisierung ist, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukünftig immer stärker auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können. Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass Arbeitsplätze durch die Digitalisierung entfallen. Dies ist aber keinesfalls so. Der Wegfall der standardisierten Tätigkeiten verschafft unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Zeit für komplexe Aufgaben und für die individuelle Beratung unserer Kunden.
Außerdem sehen wir in der Digitalisierung positive kulturelle Veränderungen. Probleme müssen durch die Digitalisierung heute „anders“ gelöst werden als vorher. Dies führt zu neuen Denk- und Arbeitsweisen, die bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Lust auf „Neues“ wecken und zu einem erfüllteren Arbeitsleben führen.

Wie wollen Sie die Chancen der Digitalisierung erschließen?
MICHAEL KERSTING: In der Digitalisierungsoffensive des BVR und im Angebot unseres genossenschaftlichen Verbundes sehen wir hier sehr gute Möglichkeiten. Beispielsweise spart ein elektronisches Postfach immense Portoentgelte ein. Darüber bietet es unseren Kunden eine „dauerhafte“ Lösung zur Aufbewahrung ihrer Kontoauszüge. Viele Vorteile bietet hier ebenso die VR-Banking-App. Auch online verfügbare Angebote, wie MeinInvest der Union Investment oder die Kredit-Online-Strecke der TeamBank AG, sind bedienerfreundlich und leicht in der Anwendung.
Der Blick über den genossenschaftlichen Tellerrand ist dennoch gut und wichtig. Schließlich helfen auch Lösungen, die gemeinsam mit regionalen IT-Unternehmen entwickelt worden sind und Mehrwerte für Mitglieder und Kunden bieten, wie zum Beispiel unsere Plattform MeineBox. Mit dieser Cloud-Lösung können unsere Mitglieder und Kunden ihre persönlichen Dokumente jederzeit und überall verwalten.

Welche Relevanz haben dabei regionale Netzwerke für die VB Gronau-Ahaus eG?
MICHAEL KERSTING: Wir sind stark in einer starken Region. Wir profitieren von ihr und sie von uns. Regionale Netzwerke sind auch für uns sehr wichtig, um die Zukunftsfähigkeit einer Region zu stärken. Beispielsweise ist hier die Zusammenarbeit mit Kommunen in der Baulandentwicklung oder in der Entwicklung von Maßnahmen zur Unterstützung der Energiewende zu nennen. Darüber hinaus vernetzen wir uns mit Vertretern der Landwirtschaft oder weiteren berufsständischen Organisationen, um verschiedene Projekte zu unterstützen.

Hat die Identität als Genossenschaft geschäftspolitisch einen besonderen Stellenwert?
FRANK OVERKAMP: Eindeutig ja. Die Genossenschaft ist für uns mehr als nur eine Rechtsform. Als Genossenschaftsbank orientieren wir uns an unseren Mitgliedern und ihrer Meinung. Diese holen wir uns auf unserer jährlichen Vertreterversammlung oder auf fünf weiteren Informationsveranstaltungen ein, aber auch im Rahmen von regelmäßigen Online-Befragungen oder durch ein professionelles Beschwerdemanagement. Das bedeutet, mitgliederorientiert zu handeln und nachhaltig zu entscheiden. So wird die Volksbank Gronau-Ahaus auch in der Zukunft erfolgreich im Sinne ihrer Mitglieder und Kunden tätig sein.
www.dazumehr.de/regionalität

Foto: Volksbank Gronau-Ahaus eG


2bAHEAD-Studie: Wettbewerbsvorteil regionale Netzwerke

Bots, die anstelle von Menschen mit Kunden kommunizieren – schriftlich via Chat und wahrscheinlich bald auch in gesprochener Sprache – sowie Fintech-Akteure, die sich erfolgreich auf einzelne Bestandteile der Wertschöpfungskette im Bankgeschäft konzentrieren: Dies sind nur zwei der vielen Trends, die die Volksbanken und Raiffeisenbanken schon heute beschäftigen – und die ihr Geschäft 2030 erst recht prägen dürften. Dies prognostizieren die Autoren der Studie „Die Zukunft regionalen Bankings“, die im Rahmen einer Kooperation zwischen dem 2bAHEAD Think Tank und dem Genossenschaftsverband entstand. Wie können Genossenschaftsbanken in diesem Umfeld nachhaltig bestehen? Ein vielversprechender Ansatz ist nach Überzeugung der Studienautoren, dass sich Volksbanken und Raiffeisenbanken in regionalen Ökosystemen mit Unternehmen und Organisationen vernetzen. Hier haben regionale Kreditgenossenschaften gegenüber anderen Akteuren der Finanzbranche einen entscheidenden Vorsprung, den sie zum Vorteil ihrer Mitglieder und Kunden nutzen können.


Regionale Netzwerke

1. Energiegenossenschaft Ahaus-Heek-Legden eG

Aufgabe:

Die Energiegenossenschaft Ahaus-Heek-Legden eG möchte den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben. Den Bürgern in der Region wird mit der Energiegenossenschaft die Möglichkeit gegeben, sich aktiv für den Klimaschutz in der Region einzusetzen und sich zu beteiligen.

Mitglieder:

Vorstand: Gregor Ahler (Prokurist Volksbank Gronau-Ahaus eG), Karl-Heinz Siekhaus (Geschäftsführer Stadtwerke Ahaus GmbH), Heinz Bendfeld (selbstständiger Landwirt)

Aufsichtsrat: u.a. Michael Kersting (Vorstand Volksbank Gronau-Ahaus eG), Wolfgang Niehues (Bereichsdirektor Sparkasse Westmünsterland), Heinz Kroschner (Leiter Geoinformation und Liegenschaftskataster Kreishaus Borken)

Mitglieder: Bürger aus Ahaus, Heek und Legden (1.054)

Geschäftspolitische Relevanz:

Die Volksbank Gronau-Ahaus eG setzt konsequent auf die Genossenschaftsidee. Zudem haben Mitarbeiter der Volksbank Gronau-Ahaus eG als Gründungsmitglieder ihre Expertise in die Energiegenossenschaft Ahaus-Heek-Legden eG eingebracht. Die dadurch entstehenden Netzwerke, z. B. zwischen Kommunen, Unternehmern und unserem Haus, können auch für andere Fragestellungen bzw. Projekte (z. B. Erschließung Baugebiete) genutzt werden. Hiervon profitieren unsere Mitglieder und Kunden sowie die Volksbank Gronau-Ahaus eG.

2. Netzwerktreffen für Vereine

Aufgabe:

Mit den Netzwerktreffen für Vereine, welche jährlich an drei verschiedenen Standorten der Volksbank Gronau-Ahaus eG stattfinden, sollen Vereine untereinander Beziehungen knüpfen bzw. vertiefen. Unter Federführung der Volksbank Gronau-Ahaus eG entsteht eine Netzwerk-Plattform, die es den Vereinen ermöglicht, gemeinsame Projekte zu organisieren oder sich gegenseitig zu unterstützen.

Mitglieder:

Teilnehmer (keine Mitglieder) pro Treffen sind ca. 100 Personen. Diese sind Vertreter u.a. von Sportvereinen, caritativen Einrichtungen, Vertreter von Fördervereinen, Ehrenamtliche etc.

Geschäftspolitische Relevanz:

Viele Einwohner in unserem Geschäftsgebiet sind in Vereinen organisiert. Über das Netzwerktreffen erreichen wir sowohl unsere Mitglieder und Kunden und darüber hinaus potenzielle Neukunden. Die Mehrwerte der Volksbank Gronau-Ahaus eG für Vereine durch z. B. die Netzwerktreffen oder Vereinskonten erreichen viele Menschen hinter den Vereinen, die wir auch als Kunden begleiten bzw. gewinnen möchten.

3. Azubiprojekte mit dem Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung Ahaus

Aufgabe:

Im Rahmen dieses Netzwerks vermitteln jedes Jahr Auszubildende der Volksbank Gronau-Ahaus eG Auszubildenden zum Industriekaufmann/-frau Inhalte über bankspezifische Themen, z. B. zum Zahlungsverkehr oder zur Cyber-Crime.

Mitglieder:

Auszubildende der Volksbank Gronau-Ahaus eG, Auszubildende zum Industriekaufmann/-frau des BWV Ahaus. Insgesamt ca. 70 Personen p.a.

Geschäftspolitische Relevanz:

Diese Veranstaltung erhöht die Bekanntheit der Volksbank Gronau-Ahaus eG bei jungen Leuten in unserem Geschäftsgebiet. Die jungen Menschen lernen unsere Auszubildenden kennen und erhalten damit direkt Ansprechpartner in unserem Hause, mit denen Beratungsgespräche geführt werden können. Zudem dienen die jungen Menschen als Multiplikatoren, um in deren Ausbildungsbetrieben über die Leistungsfähigkeit der Volksbank Gronau-Ahaus eG zu berichten.

4. Steuerberater-Veranstaltung

Aufgabe:

Die schon zum dritten Mal stattfindende Steuerberater-Veranstaltung der Volksbank Gronau-Ahaus eG unterstützt die Steuerberater und Rechtsanwälte in der Region. Im Rahmen einer Veranstaltung werden die Steuerberater/Rechtsanwälte über Neuerungen (z. B. DSGVO) oder Innovationen (digitale Kanzlei) informiert.

Mitglieder:

Eingeladen werden Steuerberater/Rechtsanwälte aus dem Geschäftsgebiet.

Geschäftspolitische Relevanz:

Mit den Veranstaltungen verzahnt sich die Volksbank Gronau-Ahaus eG mit Steuerberatern und Rechtsanwälten. Die Steuerberater/Rechtsanwälte lernen in ihrer Eigenschaft als Kunde die Volksbank Gronau-Ahaus eG als innovativen Finanzdienstleister kennen. Dies festigt die Kundenbeziehung zu den Steuerberatern/Rechtsanwälten. Zudem treten diese als Multiplikatoren auf, so dass deren Mandanten, sofern nicht bereits erfolgt, auf die Volksbank Gronau-Ahaus eG aufmerksam gemacht werden.

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