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Im Fokus: Urlaub im Genossenschaftsland | Veröffentlicht am 18.06.2018

Die Entdeckung der Langsamkeit

© Kahnfährgenossenschaft Lübbenau eG

Die Kahnfährgenossenschaft Lübbenau ist die einzige bundesweit. Seit 1954 Jahren staken ihre Fährleute Touristen durch die malerischen Fließe des Spreewaldes.

Fast lautlos stakt der Fährmann seinen kiellosen Holzkahn durch das Labyrinth der Spreewald-Fließe. Geschickt stößt er die vier Meter lange Rudelstange aus Eschenholz mit der Metallspitze in den sandigen Flussuntergrund und bewegt so sein Boot langsam vorwärts. 20 Touristinnen und Touristen an Bord genießen die fast lautlose Stille, unterbrochen nur vom Plätschern des Wassers, dem Flügelschlag des Eisvogels, dem Surren blauschimmernder Libellen und dem leisen Rauschen der Birken und Erlen am Ufersaum. Unterbrochen wird die malerische Kulisse durch einzelne Fachwerkhäuser mit schilfgedeckten Dächern, vor denen halbversunkene Kähne im Wasser liegen: Hundertausende von Gästen besuchen Jahr für Jahr den Spreewald und genießen die malerische Landschaft. Rund 150.000 von ihnen lassen sich von den rund 50 Berufsfährleuten der Kahnfährgenossenschaft Lübbenau durch das Wasserlabyrinth fahren. „Wir haben150 Mitglieder, darunter viele Familienbetriebe, in denen sich das Fährmanngeschäft vom Vater auf den Sohn oder die Tochter vererbt hat“, sagt Steffen Franke, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft.


Und er erzählt: „Ursprünglich war der Holzkahn hier das Haupttransportmittel. Die Landwirte haben ihr Obst und Gemüse auf dem 90 Kilometer langen Flußlauf der Spree bis auf die Berliner Märkte gebracht – erst in Einbäumen, ab 1850 in den Flachbooten. Noch heute sind manche Regionen im Spreewald, wie das idyllische Dorf Lehde, nur auf dem Wasserweg zu erreichen.“ Mit Motor dürfen dabei nur die Wirtschaftskähne und die Polizei fahren, selbst die Postbotin muss ihre Briefe und Pakete zu den Empfängern staken.

Und dass dem Netze dieser Spreekanäle
Nichts von dem Zauber von Venedig fehle,
Durchfurcht das endlos wirre Flußrevier
In seinem Boot der Spreewald-Gondolier.

Theodor Fontane, aus: „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Der deutsche Schriftsteller (1819–1889) war einer der ersten Touristen im Spreewald.

Als 1860 die Eisenbahnlinie von Berlin über den Spreewald bis nach Görlitz gebaut wurde, kamen auch die Touristen. Einer der ersten war der Schriftsteller Theodor Fontane, der sich durch die grün-blaue Wasserwelt gondolieren ließ und seine Erlebnisse später in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ festhielt. Seitdem wurde der Spreewald zur Attraktion, vor allem zu DDR-Zeiten. „Da fuhren ganze Sonderzüge mit erholungsbedürftigen Städtern nach Lübbenau“, erzählt Franke. Was die Gäste erwartete? „Die Markenzeichen des Spreewaldes – jede Menge Mücken und die berühmten Spreewald-Gurken“, lacht Franke. Die Gurken kamen ursprünglich aus Holland, wuchsen aber auf den sauren Böden des Spreewaldes besonders gut und wurden so zur landestypischen Spezialität. Der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende: „Genau wie die Hortensien, die wegen dieser Bodenbeschaffung so tiefblau blühen wie sonst fast nirgends im Land.“


Die Touristen buchen jährlich über die Kahnfährgenossenschaft die unterschiedlichsten Touren durch den Spreewald. Diese reichen von der Theaterkahnfahrt für Schulklassen über die Blasmusik-Kahnfahrt bis zur romantischen Sommernachtstour. Die Genossenschaft teilt die Aufträge unter ihren Mitgliedern auf. Dabei sind die Fährleute unter dem Dach der Genossenschaft eigene Unternehmer mit einem vernünftigen Auskommen. Davon zahlen sie ein Entgelt an die Genossenschaft. „Das unterscheidet unsere Mitglieder grundlegend von den anderen Fährleuten im Spreewald, die in der Regel als Tagelöhner arbeiten“, erklärt Franke.
Die Kahnfahrten sind nicht das einzige Angebot der Fährgenossenschaft. „Schließlich haben wir es auch bei den Fährleuten mit dem demografischen Wandel zu tun, wir mussten und müssen uns weitere Standbeine suchen“, sagt Franke, der in der Tourismusbranche gelernt hat und dessen Vater, Mutter und Bruder ebenfalls Fährleute sind und waren. 1998 baute die Genossenschaft das 1.500 Quadratmeter große Hafengebäude in Lübbenau und hat seitdem zusätzliche Einnahmen aus Vermietungs- und Pachtverträgen mit 20 Parteien, vom Restaurant bis zum Marktstand.


Um die Attraktivität der Kahnfahrten zu stärken, hat der Mitt-vierziger jede Menge Ideen entwickelt, die er mit zwei Mitarbeitern umsetzt: von der historischen Gurkenmeile am Hafen, auf der an Marktständen die unterschiedlichsten Würzungen und Einlegemethoden von Gurken verkostet werden können, bis hin zu den Spreewälder Licht- und Theaternächten. Besonders gut kommen auch die Spreewald-Weihnachtsfahrten an. „Wir fahren 365 Tage im Jahr“, sagt Franke, „also auch im Winter – allerdings nur bei eisfreien Gewässern und mit ausreichend Decken, Wärmflaschen und Glühwein.“


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