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Im Fokus: Mutige Genossenschaften

Jedes Kind individuell fördern – die Friedrich Wilhelm Raiffeisen-Schule eG

Im Verbandsgebiet des Genossenschaftsverbandes gibt es eine Handvoll genossenschaftlicher Schulen. Von Eltern mit viel Mut initiiert, haben sie besondere pädagogische Konzepte, wie zum Beispiel die Raiffeisen-Schule in Wetzlar.


Aus dem Fernseher im oberen Eck des Zimmers spricht Moderator Ranga Yogeshwar über die Antibabypille. Mark, ein Junge mit dunklen, freundlichen Augen sitzt auf dem Boden. Die Beine hat er lässig herangezogen. Der 14-Jährige aus der 10. Klasse hört dem Moderator zu. „Ähm, nein, ich bin nicht mehr zum Aufschreiben gekommen“, sagt er verlegen zu seinem Lehrer, der nach einem Statement zu dem Gehörten fragt, kann aber auswendig fast alles aufsagen. Mark, hochbegabt, hat gerade Bio-Unterricht und sitzt mit neun anderen Mädchen und Jungen in einer Klasse. Sie sind zehn Schülerinnen und Schüler von insgesamt nicht mehr als 120. Mehr nimmt die Friedrich Wilhelm Raiffeisen-Schule in Wetzlar nicht auf. Sie ist eine kleine Schule. Hier kennt man sich untereinander. Nein, die Schule ist keine Eliteschule, sondern eine ganz normale integrative Gesamtschule mit Grund- und Sekundarstufe. Trotzdem: Etwas „anders“ ist die Wetzlarer Schule am Ende der Herbert-Flender-Straße auf dem Spilburg-Gelände allerdings schon.

Sie funktioniert wie ein Unternehmen. Sie hat einen Vorstand und einen Aufsichtsrat; sie ist eine Genossenschaft. Deshalb sind – anders als an anderen Schulen – alle Kolleginnen und Kollegen mit an der 2007 eröffneten Gesamtschule beteiligt. Sie haben Anteile erworben. „Eben ganz so wie es sich für eine richtige Genossenschaft gehört“, erklärt Schulleiter Georg Pflüger. Auch die Eltern, die ihr Kind hier an der Friedrich Wilhelm Raiffeisen-Schule anmelden wollen, treten der Genossenschaft bei und zahlen einmalig einen Betrag von 200 Euro, den sie zurückbekommen können, wenn ihr Kind die Schule beendet. „Viele belassen ihren Anteil aber bei uns“, sagt der Schulleiter. Zurzeit hat die Genossenschaft rund 170 Mitglieder.

Die Zahl der genossenschaftlich organisierten Schulen ist in Deutschland verschwindend gering. Bundesweit gibt es wohl nicht mehr als ein Dutzend, davon sind die meisten Waldorfschulen. Die Raiffeisen-Schule ist anders und hat ein besonderes pädagogisches Konzept. Pflüger umschreibt es kurz mit „an Werten orientiert“, „das Kind individuell fördernd“ und „die Eltern einbeziehend“.
Im Internet wirbt die Schule mit dem Anspruch, „die gute alte Dorfschule von einst technisch und pädagogisch modern durchzustylen“. Und das heißt: den Unterricht anders zu gestalten als herkömmliche Schulen. Das Tablet gehört in Wetzlar für alle Kinder ab der 5. Klasse so selbstverständlich zur Grundausstattung wie die Federmappe. „Mit dieser technischen Voraussetzung können die Kinder bei uns individuell gefördert werden“, so Pflüger. Er unterrichtet Deutsch. Er und seine etwas mehr als 20 Kolleginnen und Kollegen legen für die Fächer zum Teil individuell zugeschnittene Wochen- und Arbeitspläne an, aber auch über Jahre ausgewertete Lern- und Entwicklungseinschätzungen der Kinder.

Schwarze Zahlen für den Schulbetrieb

Doch wie kam es zur Gründung der genossenschaftlichen Schule? In Wetzlar waren auch Eltern die treibende Kraft, die den Wunsch äußerten, mal eine neue Form des Unterrichtens zu etablieren – angelehnt an den der Fernschule. An dieser war Pflüger viele Jahre ebenfalls Geschäftsführer und Lehrer. So griff er die Idee auf und setzte sie 2006 mit der Gründung der Genossenschaft und 2007 mit der Eröffnung der Schule in die Tat um. Inzwischen ist die Genossenschaftsschule staatlich anerkannt und wird genossenschaftlich getragen. Der Schulleiter ist optimistisch: „Nach zehn Jahren haben wir noch keine Rücklagen gebildet, aber der Schulbetrieb schreibt schwarze Zahlen und in weiteren zehn Jahren wird die Schule auch finanziell fest im Sattel sitzen.“

Ein Konzept also, das aufgeht: Es bezieht die Eltern ungewöhnlich intensiv ein. „Durch ihre Genossenschaftsanteile werden sie Mitunternehmer“, sagt Pflüger. Und das heißt: Sie können sich in den Aufsichtsrat oder Vorstand wählen lassen und entscheiden, in welche Projekte das Geld fließen soll. Wer nicht in den Gremien mitarbeiten will, hat genügend Mitspracherechte im Elternbeirat oder der Eltern-Lehrer-Konferenz.“

Das besondere pädagogische Konzept mit ganz kleinen Jahrgangsstufen von sieben bis zu zehn Kindern und integrativem Unterricht nennt sich WEiSE. Die Abkürzung steht für „Werteorientierte Erziehung in individualisierten Schuleinheiten mit Eltern“. Was so sperrig klingt, soll die sozial-emotionale Kompetenz der Kinder fördern. Kurz zusammengefasst geht es um kleine Lerneinheiten, jahrgangsübergreifenden Unterricht, Eltern und Lehrkräfte, die an einem Strang ziehen, eben um Werteorientierung. „Da wir gemeinsam Schule machen, ist der Identifikationsgrad der Eltern, Lehrer und Schüler mit ihrer Schule sehr hoch“, freut sich Pflüger.
Wer die etwas andere Schule kennenlernen möchte, kann sie nach Termin-absprache mit dem Schulleiter jederzeit besuchen. Für Kinder gibt es regelmäßig einen Schnuppertag.
www.fwr-wetzlar.de


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