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Im Fokus: Mutige Genossenschaften

Bierprojekt Landau: Da braut sich was zusammen!

Vier mutige Hobby-Brauer haben in Landau eine Genossenschaft gegründet. Ihr Bier-Projekt ist ungewöhnlich und sehr erfolgreich.

Es waren einmal ein Bäcker, ein Maschinenbauingenieur, ein Sozialarbeiter und ein Betriebswirt. Regelmäßig trafen sich Sascha Gallo, Dominik Rödel, Andreas Lehr und Gerd Barthel im Landauer Whiskyclub und tauschten sich dort gerne über ein weiteres gemeinsames Hobby aus: das Bierbrauen. Vor fünf Jahren beschlossen sie dann: Wir brauen gemeinsam. In der Industrieküche eines Freundes produzierten sie in Töpfen und Paellapfannen die ersten 400 Liter Bier und verteilten sie dann an Freunde und Bekannte. Doch diese wollten mehr. Viel mehr. „Da wurde uns klar: Unser Projekt wird heftiger als gedacht“, sagt Dominik Rödel, ehemaliger Maschinenbauingenieur und heute hauptamtlicher Produktionsleiter und ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Bierprojekt Landau eG.

Von nun an dachten die Männer groß und planten mit einem Investitionsvolumen von rund 200.000 Euro. Sie machten Informationsabende und luden zu einer Genossenschaftsgründung ein. „Wir haben einen finanzierbaren Anteil von 200 Euro festgelegt, denn wir wollten viele unserer Kunden als Mitglieder und Multiplikatoren gewinnen“, erzählt Rödel. Der Plan ging schnell auf, heute hat die Genossenschaft rund 180 Mitglieder, und es werden immer mehr. „Das Interesse an unserem Projekt ist riesengroß, schließlich sind wir eine von nur drei regionalen Brauereien im Umkreis von 50 Kilometern“, ist der Vorstandsvorsitzende stolz. Inzwischen hat die Genossenschaft ihren Sitz in einer denkmalgeschützten Mühle und produziert vier Dauerbiere, einige saisonale wie auch Spezialbiere, dazu kommen noch Auftragsbiere. „Für unser Bierprojekt haben wir eigene Leitlinien entwickelt“, so Rödel. „Diese sind uns total wichtig. Wir sind bewusst eine regionale Brauerei und arbeiten ressourcenschonend. Deshalb nutzen wir nicht nur deutschen Hopfen, sondern auch französischen. Denn dieser wächst sozusagen direkt um die Ecke bei uns, kurz hinter der französischen Grenze.“ Darüber hinaus produziert die Brauerei nur Craft-Bier: Das bedeutet Bier in kleinen Mengen und von Hand gemacht.

Außerdem haben sich die vier Männer den strengsten Brauwerten verschrieben. „Das Reinheitsgebot ist für uns eher ein Gag der Getränkelobby“, sagt Rödel. Denn viele technischen Hilfsstoffe – von Plastik bis zur Fischgallenblase – müssten überhaupt nicht ausgewiesen werden. „Wir verwenden nur natürliche Stoffe und weisen alles auf den Etiketten aus. Wir achten auch auf Herkunft und Qualität. Wichtig ist uns nicht, was juristisch erlaubt oder technisch machbar ist. Wichtig ist, was der Kunde erwartet, wenn er ein ursprünglich gebrautetes Bier kauft“, so der Produktionsleiter. Wichtig ist dem Vorstand auch das Thema Solidarität: „Darauf setzten wir bei Mitgliedern, Kunden und Mitarbeitern.“ So gibt es neben T-Shirts mit der Aufschrift „Brauereibesitzer“ und Preisermäßigungen für die Mitglieder grundsätzlich transparente Preise, eine transparente Produktion und faire Arbeitsbedingungen.

Im laufenden Weihnachtsgeschäft produziert die Brauerei seit Oktober bis zu 6.000 Liter Bier monatlich. Darüber hinaus bietet die Brauerei regelmäßig Kurse der besonderen Art ein: Neben Workshops für das Heimbrauen können auch Sensorik-Kurse gebucht werden, die auf ungewöhnliche Weise Sehen, Schmecken und Riechen trainieren.
www.bierprojekt-landau.de

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