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Im Fokus: Konnektivität | Veröffentlicht am 18.03.2022

„Es geht um einen klugen Einsatz von digitaler Technik im Kontext der menschlichen Kultur“

Matthias Horx ist Gründer des Zukunftsinstituts, eines Thinktanks für zukünftige globale Entwicklungen. GENiAL sprach mit ihm über den Megatrend Konnektivität.

Foto: Klaus Vyhnalek (www.vyhnalek.com)

Als Think Tank für zukünftige globale Entwicklungen haben Sie Konnektivität zu einem großen Megatrend unserer Zeit erklärt. Was bedeutet das?
Matthias Horx: Konnektivität ist definiert als die starke Zunahme von „Verbindungshaftigkeit“ von Menschen, Kulturen, Wirtschaftsräumen Prozessen, auch Dingen, vor allem im Kontext des Digitalen. Alles hat immer mehr mit allem anderen zu tun. Die Vernetzung der Welt hat in den letzten zwei Jahrzehnten rasend zugenommen. Jetzt aber kommen wir, wie bei allen Trends früher oder später, auch an einen Tipping-Point.

Es stellt sich nämlich heraus, dass die „Verbindung von allem mit allem“ auch Grenzen hat und auch heftige negative Auswirkungen. Es ist gar nicht immer sinnvoll und positiv, alles zu vernetzen. Wenn in Ihrem Hirn zum Beispiel alle Nervenzellen miteinander vernetzt sind, dann haben Sie das Falsche geraucht. Und Sie können gar nicht mehr denken!
Und ist das nicht heute schon der Fall? Unser Alltagsleben ist ja so stressig, hektisch, beschleunigt und zersplittert geworden, dass immer mehr Menschen Krankheiten oder Neurosen entwickeln. Das ist eine Nebenwirkung der Konnektivität, die irgendwann dazu führt, dass alles gleichzeitig in einer „rasenden Gegenwart“ stattfindet. Und das überfordert uns total.
Zur Konnektivität gehört also eine korrigierende Tendenz: die Kontextualität. Konnektivität hat dann positive Effekte, wenn sie im Rahmen von klar definierten Kontexten, auf klaren Ebenen stattfindet. Und diese Kontexte können nur durch menschliche Bedürfnisse und Grenzen definiert werden. Letztlich durch das Analoge.

Wir stehen am Anfang einer digitalen Revolution. Was sind die größten Unterschiede zur industriellen Revolution?
Die industrielle Revolution stellte die Maschine in den Mittelpunkt aller Operationen. Das hatte den Nachteil, dass der Mensch, ganze gesellschaftliche Organisationen nun zunehmend „maschinisiert“ wurden. Man denke an das Fließband, die Wohnformen – alles wurde der Fabrik als zentralem Ort untergeordnet. Der Tagesrhythmus der Menschen, unsere ganze Lebensweise, passte sich über weite Strecken der Fabrikkultur an. Der Achtstundentag entstand letztendlich im Takt der Maschinen, in der „Schichtlogik“ einer Fabrik. Auch der Körper wurde sozusagen in seine Einzelteile zerlegt, die moderne Medizin sieht dagegen eher die Teile als das Ganze.

Die digitale Revolution stellt nun die Information ins Zentrum, genauer die binäre Information. Das ist Null oder Eins. Das ist die Grundlage für die Verarbeitung digitaler Informationen. Das hat große Vorteile, aber auch starke Nebenwirkungen. In einer rein digitalen Welt fühlen wir uns als Menschen nicht wirklich wohl. Die Bestrebungen, aus der digitalen Entwicklung ein Metaverse zu formen, wie beispielsweise Mark Zuckerberg mit seinem Digital-Monopol, ist eine Flucht nach vorn, die zum Scheitern verurteilt ist.
Die industrielle Revolution hat unsere Welt geformt, gerät heute aber an ihre Grenzen. Beispiele sind hier fossile Energien, aber auch die Umweltschäden des Industrialismus. Die digitale Revolution ist jetzt über uns gekommen. Aber wir haben noch nicht ganz verstanden, wie man diesen Drachen zähmt, der vor allem die menschlichen Beziehungen vergiftet. Die nächste Revolution wird die ökologische Revolution sein. Hier werden wir uns wieder auf unsere Umwelt, unser Naturverhältnis, aber auch unsere Menschlichkeit rückbeziehen.

Digitalisierung ist aber nicht mit Technologie gleichzusetzen?
Digitalisierung ist vor allem ein Strukturbegriff. Das sind nicht nur die Computer, die man als „Datenträger“ im Unternehmen einsetzt. So nach dem Motto: Ersetzen Sie mal Papier durch Bildschirme! Digitalisierung ist auch eine Methode der Virtualisierung von Prozessen. Ziel ist meistens die Steigerung der Effizienz. Aber Effizienz als solche ist auch problematisch und nutzt im Unternehmen nur bedingt. In Zukunft geht es ja nicht nur darum, Kosten zu sparen und immer mehr Gegenstände herzustellen, sondern die richtigen Gegenstände. Menschliche Beziehungen zum Beispiel scheitern, wenn sie zu sehr „effiziert“ sind. Das sehen wir ja an den schrecklichen Folgen des „sozialen Internet“. Menschliche Begegnung hat eben immer auch mit dem Körperlichen zu tun, mit Gesten, Händen, Blicken. Mit Langsamkeit, Vertrauen, Gegenseitigkeit. Alles nicht wirklich digitalisierbar. Bestimmte Formen der Kommunikation, die rein „informell“ sind, lassen sich hingegen gut digitalisieren. Aber wenn wir anfangen, auch die Beziehung, die Partnerschaft, die Liebe, das ganze Leben zu digitalisieren, dann erodiert die Gesellschaft. Das ist das, was wir heute erleben.

Wie können sich Unternehmen auf die digitale Revolution einstellen?
Leider gar nicht, sondern sie müssen und können nur den Prozess des Umgangs mit digitaler Technologie selbst gestalten. Und ihn dabei in seiner Gewalttätigkeit „zähmen“. Das kann sehr, sehr unterschiedlich sein. Manche Unternehmen sind ja in ihrem Wesen rein digital, sie bestehen nur aus Zahlen, Daten, binären Codes, wie Facebook oder Google. Andere Unternehmen sollten aber ihre Kernfunktionen bitte schön analog lassen oder machen. Handwerksbetriebe zum Beispiel: Sie können mit numerischen Maschinen arbeiten, aber wenn damit alle Kreativität verschwindet, werden sie am Markt scheitern. Es geht um eine kluge Abwägung des Einsatzes von digitaler Technik im Kontext der menschlichen Kultur. Um ein neues human-digitales „Framing“.

Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass die Netzwerkgesellschaft leider nicht Demokratisierungs- oder Emanzipationsprozesse vorantreibt. Wie sehen Sie das?
Wir geraten jetzt in der Tat in eine „digitale Revision“. Endlich, könnte man sagen. Die Algorithmen der großen Internetriesen, die ja inzwischen Monopolisten sind, sind fatal. Sie basieren auf der Manipulation der Menschen durch Reize und Reflexe, zugunsten des Verkaufs von Klickwerbung. Die amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff hat das mal den „Überwachungskapitalismus“ genannt. Der fährt heute vor die Wand. Diese Riesen werden wanken, und sie werden ihr Geschäftskonzept ändern müssen und dadurch schrumpfen. Wir brauchen ein neues „Human-Digital“ – eine Verbindung aus digitalen Möglichkeiten und echt menschlichen Bedürfnissen.

Sabine Bömmer


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