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Passender Auftritt: Damit der Schuh nicht drückt

Die Schuhe der Themaraner Genossenschaft für Orthopädie-Schuhtechnik werden althergebracht aufwendig hergestellt. Vielleicht sind sie auch deshalb so begehrt: Sie sind maßgenau und wohltuend gesund.

Das schummrige Sonnenlicht bahnt sich mühsam den Weg über die alten Treppenstufen nach oben. Es riecht ledrig und leicht süßlich nach Kleister. Hier spielt sich das Leben auf vier Etagen zwischen Leder, Leisten, schief gelaufenen Sohlen und unzähligen Werkzeugen ab. Dabei sind Schuhe gerade heutzutage ein Industrieprodukt, individuelle Anfertigungen nur noch selten. Nicht hier, in Themar. Hier gibt es sie noch, die maßgefertigten Schuhe. Sie entstehen durch viele Handgriffe und in etlichen Stunden, in denen wie früher gestanzt, geschnitten, genagelt, genäht und geklopft wird. So erklingt tagein, tagaus in dem alten Fachwerkhaus eine Handwerker-Symphonie, deren Grundrhythmus eine imposant ratternde Maschine beisteuert, an der die Schuhsohlen geschliffen werden.

Etwa vierzig Frauen und Männer – darunter allein sechs Schuhmachermeister – fertigen für die Genossenschaft Gesundheitsschuhe nach Maß. Wer jetzt meint, sie konzentrieren sich auf bequem altmodische Senioren- und Berufsschuhe, auf Kunden also, die den Wert eines solide gearbeiteten Treters noch zu schätzen wissen, irrt gewaltig. „Wer bei uns Schuhe anfertigen lässt, hat sie vom Orthopäden verordnet bekommen“, sagt Dirk Fischer-Wanat. Seit mehr als 13 Jahren ist er nun Vorstandsvorsitzender. „Eigentlich wollte ich nur zwei Jahre bleiben“, schiebt er flink nach. Seine schier nicht zu bändigenden Haare hat er schlicht zum Zopf zusammengebunden.

Gekommen sei er damals aus einer gut laufenden Unternehmensberatung nur, um kurz mal die Genossenschaft zu retten. Und hatte dann viel Arbeit und ebenso Spaß. „Jetzt stehen wir so gut da, dass wir zweieinhalb Millionen Euro in einen komplett neuen Firmensitz investiert haben“, berichtet er stolz. „Da fahren wir nachher hin. Einzug ist aber voraussichtlich erst Ende des Jahres, wenn die Elektrik liegt und auch alle anderen ungeplanten Schwierigkeiten ausgeräumt sind.“ Da gebe es noch einige Baustellen, bestätigt sein Aufsichtsratsvorsitzender Sandro Meyer und legt die Stirn kraus.

Für alle Kunden das Passende
Doch schon in den vergangenen Jahrzehnten hat sich ihre Welt enorm verändert: Wer früher Schuhe verschrieben bekam, hatte dann echte Klötzer an den Füßen – unsagbar altmodisch, hässlich und klobig. Heutzutage setzt die Genossenschaft darauf, dass auch hier Frauen in Sportoutfit und Männer in neuen Yuppie-Anzügen die passenden Schuhe für ihren gesunden Auftritt finden. „Hier“ – zeigt Sandro Meyer auf seine Füße, „die habe ich selbst entworfen und angefertigt“. Der gelernte Schuhmachermeister trägt total pfiffig und hypermodern aussehende Outdoorsandalen. Schick wie von großen Labeln und gesund wie Gesundheitsschuhe.
Sandro Meyer könnte sich selbst keinen anderen Job vorstellen. „Man fertigt ein Produkt von A bis Z in Handarbeit an und man schafft etwas Individuelles, das sehr lange hält. Das ist schon etwas Besonderes.“ Dazu lassen hochwertige Materialien und trendige Farben schnell vergessen, dass der Handwerksmeister hier mit bewährter Handwerkstradition Defizite korrigiert. Moderne Technologien wie eine Laufanalyse mit Druckmessung erlauben einen direkten Vorher-Nachher-Vergleich. Einlagen werden heute am Rechner konzipiert, der die Daten an die Fräsmaschine weitergibt. Trotzdem ist es weiterhin eine sehr individuelle Arbeit, denn jeder Fuß ist so einzigartig wie der Mensch selbst.

Deshalb warten vor dem richtigen Auftritt in den neuen Schuhen viele Handgriffe und Arbeitsschritte. Zuerst werden die Füße vermessen – in Themar natürlich mit Hightech-Scanner, eingelassen in den Fußboden. Daraus werden alle Besonderheiten des Fußes in ein Datenblatt und später auf den „Bauplan“ übertragen. Anhand dieser Daten entstehen nun die sogenannten Leisten – das sind Holzformen, die dem Fuß der Kunden nachempfunden sind. Sie bringen dann wiederum das Leder in die individuelle Fußform. Dabei wird unterschiedliches Leder verwendet: festes, dickes für die Innensohle, feineres für den Schaft. Welches Leder, welche Farbe, welche Beschaffenheit – all das kann der Kunde selbst mit aussuchen. In einem Zimmer liegen und hängen Dutzende Leder- und Stoffballen. Bekanntes und Unbekanntes – sogar Carbon und Mesh.

Zunächst wird der Außenschaft des Schuhs hergestellt. Er besteht aus mehreren Teilen, die miteinander verklebt und vernäht werden. Danach folgt der Innenschaft, der als Futter des Schuhs dient. Dieser wiederum wird mit dem Außenschaft verbunden. Dann geht es an die tragenden Teile eines Schuhs: die Innensohle, die auch Brandsohle heißt. Sie wird zusammen mit dem Schaft provisorisch mit Nägeln auf dem Leisten befestigt und dann je nach Bedarf angepasst. Schließlich vernähen und verkleben die Frauen und Männer der Genossenschaft beides. Ganz zum Schluss bringt der Schuhmacher noch Laufsohle und Absatz an – fertig ist der maßgeschneiderte Schuh. Bis ein Paar fertig ist, können locker bis zu 25 Stunden vergehen. Je nach Material und Machart kosten solche Schuhe dann einige hundert Euro. Doch die hohen Preise lohnen sich: In Themar entstehen nur Schuhe zum Wohlfühlen, die nicht drücken und immer für den passenden Auftritt sorgen.

Solide Ausbildung mit Fingerfertigkeit
Für das Schuhmacherhandwerk werden Fingerfertigkeit, Geduld und ein gutes Augenmaß benötigt. „Aber auch mitdenken ist ganz wichtig. Wir führen hier keine stupiden Arbeiten durch“, erklärt Sandro Meyer. „In Themar werden deshalb alle Schuhmacher in dreieinhalb Jahren ausgebildet: Die Orthopädie ist dann gleich dabei.“ Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie Anatomie oder Materialkunde, wo die Auszubildenden Leder und Klebstoffe kennenlernen. Die Ausbildung ist umfangreich. Denn der Fuß mit seinen 49 Knochen und unzähligen kleinen Gelenken hat viele Funktionen: Neben der Fortbewegung sorgen die Füße als Stützorgan auch für einen stabilen Halt. Wenn die Statik nicht passt, gerät der ganze Körper schnell ins Ungleichgewicht. Die Folgen beginnen bei Gehbeschwerden und führen bis hin zu Rückenschmerzen und Beschwerden im Schulter-, Nacken- und Kopfbereich. „Wenn es dem Fuß nicht gut geht, geht es dem Menschen nicht gut“, bestätigt Sandro Meyer.

Podologie ebenfalls im Angebot
Deshalb bietet die Genossenschaft inzwischen auch eine Rundum-Versorgung für ihre Kunden an: Beratung und Fertigung von gesunden Schuhen ebenso wie eine medizinische Fußpflege (Podologie). Dafür unterhält sie zehn Filialen in Süd- und Westthüringen und deckt einen Einzugsbereich bis Unterfranken ab. Mit dem Team von 40 Mitarbeitern und drei Azubis in der Genossenschaft und nochmals sechs Angestellten in der Podologie wird ein Leistungsspektrum von der Versorgung mit Einlagen und Schuhzurichtungen, Bandagen, Orthesen, Kompressionsstrümpfen, Therapieschuhen und orthopädischen Sicherheitsschuhen angeboten. „Es gibt auch immer wieder neue Entwicklungen: Gerade Arbeitssicherheitsschuhe für spezielle Zielgruppen wie Diabetiker sind gefragt; Studiengänge wie die technische Orthopädie eröffnen dem Nachwuchs neue Möglichkeiten“, erklärt Dirk Fischer-Wanat. Im Moment haben sie drei Lehrlinge – zwei Mädchen und einen Jungen. „Unser Ziel ist, jedes Jahr mindestens einen weiteren Lehrling auszubilden“, so der Vorstandsvorsitzende. Jedoch sei es schwierig, Nachwuchs zu begeistern. Viele junge Menschen bleiben nicht in Südthüringen. Deshalb hat die Genossenschaft eine Kooperation mit der ansässigen Realschule geschlossen: „Wir nehmen gern Schüler-Praktikanten“, um auch sie vom passenden Auftritt zu überzeugen. „Denn Nachwuchs im Handwerk ist in Südthüringen ein Problem“, sagt Dirk Fischer-Wanat weiter. Ohne Werbung in genossenschaftlicher Sache würde der Schuh sehr bald heftigst drücken.
Yvonne Reißig


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