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Im Fokus: Geschlechtergleichheit | Veröffentlicht am 28.10.2021

Neue Gründerinnen braucht das Land

Diese Zahl gleich vorweg: Nur knapp 11 Prozent aller deutschen Start-ups sind in Frauenhand, so der „Female Founders Monitor“ 2020. Dahinter stecken mannigfache Ursachen. „Frauen müssen viel mehr Kraft investieren, um zu gründen“, weiß Dr. Katja von der Bey, Geschäftsführerin der WeiberWirtschaft eG. Die Berliner Genossenschaft sorgt für geballte Unterstützung und hat bundesweit Leuchtturmwirkung.

Zentral in Berlin-Mitte gelegen findet sich der eigene Gewerbehof der WeiberWirtschaft eG. Selbst vor rund 35 Jahren von Frauen gegründet, macht sich die Genossenschaft dafür stark, „Benachteiligungen für Gründerinnen mit Selbsthilfe auszugleichen“, sagt Dr. Katja von der Bey, die seit über 20 Jahren Geschäftsführerin sowie Vorständin ist. Auf einer Nutzfläche von rund 7.000 Quadratmetern ist Europas größtes Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentrum beheimatet. Der Gebäudekomplex macht die Erfolgsstorys etlicher Existenzgründerinnen sichtbar. Dafür gibt ihnen die Genossenschaft wortwörtlich Raum, fördert ihre Entfaltung. „Unser Kerngeschäft ist die Vermietung passender Gewerbeflächen, zudem bieten wir noch allerlei drumherum“, berichtet Dr. Katja von der Bey. Dazu gehören verschiedenste Beratungs- und Unterstützungsangebote der angegliederten Gründerinnenzentrale. Sie dient zur Navigation in die Selbstständigkeit, spannt den Bogen von Mikrokrediten über Netzwerken bis zu Monitoring. Zukunftsgerichtetes, nachhaltiges Wirtschaften steht bei der WeiberWirtschaft eG hoch im Kurs. Das zeigt sich auch direkt im Gewerbehof, der als ökologisches Modellprojekt mehrfach prämiert wurde.

Hier gehen 65 Mieterinnen ihrer Unternehmens-Lust nach, schaffen (neue) Arbeitsplätze. Darunter finden sich beispielsweise Handwerkerinnen, Dienstleisterinnen in der Kreativ- und Gesundheitswirtschaft oder Buchhändlerinnen sowie IT-Entwicklerinnen. Nicht nur sie stehen hinter der Genossenschaft. Die WeiberWirtschaft zählt heute 2.061 Anteilseignerinnen – aus ganz Deutschland sowie dem Ausland. „Selbst in Dubai haben wir eine Genossin“, erzählt die Geschäftsführerin: „All diese Frauen haben ein großes ideelles Interesse daran, uns bei dem, was wir tun, zu unterstützen.“ Der gesamte Gewerbehof hat Leuchtturmwirkung, sendet weit sichtbare Signale für die Stärkung der Interessen von Frauen in der Wirtschaft aus.

Deutlich mehr Chefs als Chefinnen

Diese gezielte Frauenförderung hat viele Gründe. Männlich dominiert bleibt hierzulande nicht nur die Start-up-Szene rund um „Electronic Business“. Insgesamt gründen immer noch erheblich weniger Frauen als Männer. „Auch volkswirtschaftlich gesehen brauchen wir deutlich mehr Gründerinnen. Das riesige Potenzial hochqualifizierter Studienabsolventinnen und top-ausgebildeter Frauen nicht zu nutzen, ist fatal“, betont Dr. Katja von der Bey. Um dieses Potenzial tatsächlich auszuschöpfen, bedarf es vieler weiterer Anstrengungen, Initiativen und vor allem „gegenderter“ Förderformate.

Denn: „Frauen haben es als Gründerinnen mit etlichen Nachteilen zu tun“, unterstreicht Dr. Katja von der Bey. Das fange schon dabei an, dass sie sich erklären müssten, warum sie den Schritt in die Selbstständigkeit als Frau genauso meistern könnten wie Männer. Vorurteile wie diese seien ein tief verwurzeltes „kulturelles Ding“. Das habe auch Prof. Dr. Stephanie Birkner von der Uni Oldenburg (Fachbereich Female Entrepreneurship) treffend beschrieben: Unternehmertum sei nach wie vor „ein maskuliner Heldenmythos“. Wer an Gründungen denke, denke immer (noch) an männliche Ideale.

Dass bundesweit „über alle Branchen hinweg 38 Prozent der Gründungen von Frauen“ erfolgen, ist für Dr. Katja von der Bey jedoch bereits enorm: Vor allem wenn man/frau bedenkt, wie viel Kraft dahintersteckt – zumal öffentliche Wirtschafts- und Förderprogramme „nicht geschlechtergerecht“ seien. So ist zum Beispiel „das Gros der Programme auf Vollerwerbstätigkeit ausgerichtet. Frauen wollen und können ihre Selbstständigkeit aber eher auf weniger Stunden ausrichten“, berichtet sie. Das sei vielfach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschuldet.

Schwierigerer Zugang zu Kapital

Darüber hinaus hätten Frauen im Vergleich zu Männern größere Schwierigkeiten, Zugang zu Wagniskapital zu bekommen. Das liege zum einen daran, dass sie bereits zuvor weniger Geld verdient hätten. Stichwort: Gender-Pay-Gap, also die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenlohns zwischen Frauen und Männern. Zum anderen sei dies dadurch begründet, dass „Frauen hierzulande über 30 Prozent weniger Kapitalvermögen als Männer verfügen“, so Dr. Katja von der Bey. Wenn es um Investorengelder geht, würden die zumeist männlichen Entscheidungsträger eher Männern Geld geben. Solch finanzielle Hürden sowie weitere Hindernisse gelte es zu durchbrechen.

„Firmengründerinnen haben es erheblich schwerer als Männer“, resümiert die Geschäftsführerin der WeiberWirtschaft, „auch in der Corona-Krise waren sie stärker betroffen“. Durch die Lockdowns und weitere Beschränkungen standen Frauen, die häufiger im „Business-to-Customer“-Bereich tätig sind, vor zahlreichen Herausforderungen. Dass die Covid-19-Pandemie branchenbedingt besonders selbstständige Frauen stark belastet hat, geht ebenso aus dem Kfw-Gründungsmonitor 2021 hervor: Demnach scheinen sich Frauen jedoch „schneller auf die neuen Krisenbedingungen eingestellt zu haben“ als Männer.

Innovative Ideen & neue Potenziale

Mit welcher „Bravour sich die Gründerinnen an unserem Standort in Corona-Zeiten behauptet und ihre Geschäftsmodelle angepasst haben“, hat Dr. Katja von der Bey und ihre vier Vorstandskolleginnen begeistert: Auch hier habe sich gezeigt, dass „Frauen flotter, innovativer und krisenerprobter sind“. Im genossenschaftlichen Verbund bündeln sie in Berlin ihre Initiativkräfte, ihre ökonomischen Potenziale und wollen weiter gemeinsam wachsen. „Unser größtes Zukunftsthema ist die Suche nach einem zweiten Gewerbehof in Berlin“, berichtet die Geschäftsführerin. Denn die Warteliste von Frauen, die bei der WeiberWirtschaft eG Gewerbeflächen mieten wollen, ist lang.

Anja Pieper

Diese Frauen und noch viele mehr stehen hinter der Genossenschaft.

www.weiberwirtschaft.de


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