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Im Fokus: Geschlechtergleichheit | Veröffentlicht am 28.10.2021

Geschlechtergleichheit – noch viel Luft nach oben

Vier Chefinnen der genossenschaftlichen Wirtschaft berichten über ihre Erfahrungen und Einschätzungen.

Cornelia Rolf, Vorstandsmitglied Finanzen/Controlling bei der NOWEDA Apothekergenossenschaft eG

Cornelia Rolf, Noweda

In Deutschland sind Frauen und Männer rechtlich gleichgestellt. Gleichwohl gibt es in der Lebensrealität vieler Frauen nach wie vor Luft nach oben. So ist beispielsweise der Frauenanteil in Führungspositionen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft noch immer zu niedrig. Auch sind sie in den sogenannten MINT-Berufen – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – derzeit unterrepräsentiert. Hier gilt es, mehr Frauen auf ihrem Weg in diese Berufe zu fördern und zu unterstützen. Notwendig dafür sind vor allem eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie das Aufbrechen von Rollenklischees.

Festzuhalten ist aber auch, dass sich in den vergangenen Jahren bereits vieles verbessert hat. Es ist noch gar nicht lange her, dass die Kinderbetreuung ausschließlich Aufgabe der Frau war. Heute haben junge Eltern die Möglichkeit der erweiterten Kinderbetreuung, und auch Betreuungsangebote in Grund- und weiterführenden Schulen gehören inzwischen erfreulicherweise zur Regel. Hinzu kommt: Auch die gleichberechtigte Aufgabenteilung von Familie und Beruf zwischen Frauen und Männern hat nachweislich an Akzeptanz gewonnen. Dadurch wird es immer mehr Frauen möglich, auch in Führungspositionen tätig zu sein. Darüber hinaus trägt Geschlechtervielfalt zu einer positiven Diskussionskultur bei und nutzt die verschiedenen Blickwinkel, um ausgeglichene Entscheidungen zu treffen. Das alles zeigt, dass wir beim Thema Gleichstellung grundsätzlich auf dem richtigen Weg sind.

Aysel Osmanoglu, Vorstandsmitglied der GLS Bank eG

Aysel Osmanoglu, GLS Bank

Die Gleichberechtigung aller Geschlechter bedeutet nicht nur gleiche Rechte auf dem Papier – und noch nicht einmal das ist global bis heute erreicht. Gleichstellung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es geht dabei um alltägliche Verhaltensweisen und das, was wir unseren Kindern vorleben. Es geht auch darum, wer warum einen Job bekommt oder nicht. Für Frauen in aller Welt sind außerdem eigenes Geld und ein eigenes Konto ein Schlüssel für Unabhängigkeit. Trotz vieler Etappensiege der Vergangenheit hat die Corona-Krise gezeigt, wie schwer Frauen in ihrer Doppelrolle nach wie vor zu kämpfen haben. Frauen übernehmen zu einem großen Teil Fürsorge und unbezahlte Arbeit. Wenn ein Mann weint oder eine Frau wütend ist, wird dies viel zu oft als „atypische“ Verhaltensweise anstatt des vollen Spektrums menschlicher Emotionen gesehen. Macht ist hingegen nach wie vor eine „männliche“ Eigenschaft. Wenn Frauen an die Macht wollen, fallen sie aus ihrer Rolle. Dabei bedeutet Macht die Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen und mitzubestimmen – und genau darum geht es in einer Demokratie. Wir brauchen viel mehr Frauen in Machtpositionen, denn es würde nicht nur Unternehmen leistungsfähiger machen und die politischen Debatten beleben, sondern auch dem Klima nützen. Frauen setzen sich stärker für Generationen- und Klimagerechtigkeit ein. So müssen wir auch weiterhin daran arbeiten, unsere Rechte jeden Tag mit Leben zu füllen.

Dr. Petra Gruner-Bauer, Vorstandsvorsitzende der SOLIX ENERGIE aus Bürgerhand Rheinhessen eG

Dr. Petra Gruner-Bauer,SOLIX ENERGIE

Geprägt vom traditionellen Rollenbild der Frau, hat mir das Abitur an einem Mädchengymnasium und das Studium der Physik viele Möglichkeiten erschlossen. Die Bildungschancen, die mir offenstanden, waren für mein Selbstverständnis und damit für die eigene Entwicklung wesentlich. Geschlechtergerechtigkeit fängt bei eben dieser Bildung an und ist zentraler Baustein einer gerechten Welt.Neben der Lehrtätigkeit an der Hochschule, die ich als Mutter nie in Vollzeit ausüben konnte, führte mein ehrenamtliches Engagement unter anderem in der Lokalen Agenda zur Gründung von zwei Bürgergesellschaften und im Jahr 2011 einer Bürger-Energiegenossenschaft. In den beiden GbRs übe ich die Geschäftsführung zusammen mit einer Frau aus, sodass ein rein weiblicher Gründungsvorstand unserer eG selbstverständlich war. Seit 2014 habe ich männliche Vorstandskollegen, seit 2016 bin ich auch Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft unserer Windenergieanlage.Gleich ob als Vereinsvorsitzende, als Geschäftsführerin, als Vorstandsvorsitzende oder als Leiterin des Agendabüros – das Übernehmen von Verantwortung war für mich nie eine Frage des Geschlechts, sondern des gegenseitigen Respekts, des gemeinsamen Handelns und der Vorbildfunktion, die Männer wie Frauen dabei ausüben. Für mich ist die gleichberechtigte Teilhabe am politischen, wirtschaftlichen und öffentlichen Leben ein wesentliches Merkmal gelebter Demokratie. In meinem persönlichen und beruflichen Umfeld war und ist das zum Glück immer möglich gewesen. Allerdings waren Kindererziehung und Beruf zur gleichen Zeit nur unter großen finanziellen Einbußen zu haben.

Britta Ronnenberg, Vorstandsmitglied der Raiffeisen Agil Leese eG

Britta Ronnenberg, Raiffeisen Agil Leese

Beim Thema Geschlechtergerechtigkeit hat sich in den letzten Jahren schon viel getan, aber noch nicht genug. Am Anfang meiner beruflichen Laufbahn gab es keine Anschreiben für Frauen, in weiterführenden Seminaren war ich als Frau oft allein. Weiterbildung wurde häufig unter fadenscheinigen Gründen abgelehnt (im Hintergrund immer der Gedanke „Wann ist mit einer Schwangerschaft zu rechnen?“). Abteilungsleiterinnen bei Volksbanken waren oft Seltenheit. Da hat sich inzwischen schon einiges verändert. Aber warum gibt es nicht genug Frauen in Führungspositionen? Als Vorstandsmitglied der Raiffeisen Agil Leese eG erlebe ich und kann gut verstehen, dass dies unbedingt etwas mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun hat. Als Frau ist man häufig in der Rolle der „sozialen Begleitung von Kindern und Eltern“ und fühlt sich hier sehr verpflichtet. Meine tollen, hochkompetenten Abteilungsleiterinnen kommen hier oft an ihre psychischen und physischen Grenzen: wenn Kinder krank werden, es in der Schule Probleme gibt, wenn Eltern Hilfe benötigen. Hier bieten wir zwar als Agil Leese flexible Arbeitsmodelle, aber dennoch muss der Arbeitstag weitgehend planbare Strukturen haben. So kann ich als Chefin nicht immer wichtige Termine und Meetings verschieben, absagen oder delegieren. Deshalb muss es jemanden im nahen Umfeld geben, der in privaten Notsituationen einspringen kann und sich um Kinder oder alte Eltern kümmern kann und will. Ist das nicht der Fall, stehen Frauen häufig vor der bitteren Entscheidung: „Was ist mir wichtiger? Ein gut bezahlter Job in der Führung oder meine Familie?“ Wichtig ist es deshalb, berufstätige Frauen mit ihren Anliegen ernst zu nehmen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im beruflichen und privaten Umfeld voranzutreiben und natürlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu zahlen.


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