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Im Fokus: Geschlechtergleichheit | Veröffentlicht am 28.10.2021

Digitalisierung geschlechtergerecht gestalten

GENiAL sprach mit der Soziologin Dr. Caroline Richter, die der Sachverständigenkommission zum 3. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung angehört.

Dr. Caroline Richter ist Soziologin am Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen.

Das Gutachten zum 3. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung stellt fest: Die digitale Welt ist immer noch männlich, also nicht geschlechtergerecht. Können Sie Beispiele nennen?
Dr. Caroline Richter: In der digitalen Lebens- und Arbeitswelt ist es grundsätzlich nicht anders als in der analogen. Auch hier gibt es Diskriminierungen, Ungleichheiten oder Ausgrenzungen. In der Sachverständigenkommission haben wir diskutiert, was eigentlich das „Neue“ für Geschlechterperspektiven durch Digitalisierung ist. Unser Fazit: Die Erscheinungsformen sind anders, und es entstehen neue Gelegenheiten, Ungleichheiten sichtbar zu machen. Wir sprechen deshalb gerne von „altem Wein in schnelleren Schläuchen“.

Und ja, es gibt zahlreiche Beispiele für eine nicht geschlechtergerechte digitale Welt: Mädchen finden nach wie vor schwerer den Zugang zu MINT-Fächern, der Drop-out von Frauen aus der Informations- und Kommunikationstechnik-Branche ist angesichts der ohnehin geringen Repräsentanz immens hoch. Auch das mobile Arbeiten ist nicht automatisch ein Selbstläufer für geschlechtergerechte Vereinbarkeit oder Erwerbsarbeit, ebenso wenig sind soziale Medien geschlechterneutral oder geschlechtergerecht, wie geschlechterbezogene Gewalt und „Hate Speech“ zeigen.

Bei algorithmischen Zugangssystemen aus den USA kann es passieren, dass einer Frau mit Doktortitel der elektronische Zugang zu einer Frauenumkleidekabine in einem Fitnessstudio verwehrt wird. Es ordnet den Doktortitel nur Männern zu. „Frau Dr.“ wäre also in die männliche Umkleidekabine hineingekommen. Und Sprachassistenzsysteme wie Siri oder Alexa haben weibliche Namen und Stimmen und wussten anfänglich in ihren direkt programmierten Antworten zwar, wie die Sextarife für heterosexuelle Männer sind und wo es Kondome gibt. Sie wussten aber nicht, wo es die Pille gibt, was ein Tampon ist oder wo Frau Hilfe bei ehelicher Gewalt findet.

Welche Rolle spielt dabei die Künstliche Intelligenz?
Die Künstliche Intelligenz (KI) ist ja nicht von sich aus neutraler oder objektiver. Sie wird von Menschen, vorwiegend Männern, gestaltet, die von sich und ihrer Lebens- und Arbeitswelt ausgehen. Softwaresysteme für Personalauswahlverfahren verbreiten sich inzwischen auch in Europa. Lebensläufe werden von algorithmischen Systemen gescannt und bewertet.

Durch Videospiele und Analysen von Ton- und Videoaufnahmen in Bewerbungsgesprächen werden Soft-Skills-Profile erstellt und damit die Eignung der Kandidat*innen für einen Job berechnet. Oft basieren die Systeme auf tausenden Vergleichsdatensätzen aus Lebensläufen oder Spielergebnissen erfolgreicher Mitarbeiter*innen. Werden die Lebensläufe einer vorwiegend männlichen Belegschaft oder Führungsetage zugrunde gelegt, schneiden Bewerberinnen prinzipiell schlechter ab. Amazon verzichtete deshalb 2016 auf eine solche Software zur Führungskräfteauswahl. Auch viele andere Digitalisierungsansätze haben große Diskriminierungspotenziale, natürlich auch in allen anderen Lebenswelten.

Woran liegt es, dass Frauen in der digitalen Welt so wenig präsent sind? Gibt es Zugangsbarrieren?
Ja, viele. Einige sind davon unmittelbar geschlechtsbezogen, andere überschneiden sich mit anderen Diskriminierungskategorien und das über den gesamten Lebensverlauf hinweg. Neben Zugangs- führen aber auch Nutzungs- und Gestaltungsbarrieren dazu, dass Frauen potenziell weniger beteiligt, unsichtbarer und machtloser sind.

Der Digitalbranche fehlt die Beteiligung von Frauen wie auch die Diversität. Das muss sich dringend ändern. Nicht Frauen müssen fit für die Digitalbranche gemacht werden, sondern die herrschende Arbeits-, Organisations- und Ausbildungskultur muss geschlechtergerecht gestaltet werden. Das gilt auch für andere Branchen wie zum Beispiel die Plattformökonomie, die Arbeitskräfte für Essenslieferung oder Reinigungsarbeiten online vermittelt. Frauen haben hier höhere Risiken. Sie haben zwar in ihrer Arbeit mehr Flexibilität und Regionalität, andererseits ist der rechtliche Status der hier arbeitenden Menschen zu klären. Außerdem müssen die hier erworbenen Erfahrungen und Kompetenzen sichtbar sein, damit die Übergänge im Lebensverlauf erleichtert werden.

Was empfiehlt die Sachverständigenkommission, um mehr Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen?
Wir haben 101 konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet, für die wir die Digitalbranche, die digitale Wirtschaft, die digitalisierte Wirtschaft und die digitalisierte Gesellschaft analysiert haben.
Technik und ihre Entwicklung sind nicht neutral. Sie sind immer in einen sozialen und kulturellen Kontext aus politischen Rahmenbedingungen, Interessen und Einflussmöglichkeiten staatlicher Institutionen, Unternehmen und anderer Organisationen wie auch aus den Wertvorstellungen der beteiligten Akteur*innen eingewoben. Bei der Entwicklung von Technik und speziell der von Algorithmen orientieren sich Entwickler*innen und Entscheider*innen noch zu oft an sich selbst und ihrer eigenen Erfahrungswelt. Die Bedürfnisse der Nutzer*innen werden dabei nicht genügend berücksichtigt. Und weil Frauen in der KT kaum repräsentiert sind, fehlen ihre Perspektiven. Dabei wäre es wichtig, für lebensnahe Tests von Konzepten und Prototypen Beteiligte und Kontexte so divers wie nur möglich auszuwählen. In der Arbeitswelt müssen Hierarchien und Machtgefüge berücksichtigt werden. Partizipative Ansätze müssen deshalb weiter ausgebaut werden.

Sehr wichtig ist auch das Thema Bildung und Weiterbildung. Die Weiterbildungsbeteiligung steigt insgesamt, aber die Geschlechterungleichheiten bleiben. Digitale Angebote könnten für Menschen mit Sorgeverantwortung oder Beeinträchtigungen leichter zugänglich sein. Nur brauchen sie dann auch digitale Kompetenzen, um diese Materialien nutzen zu können. Diese Kompetenzen müssen schon im Kindergarten und in der Grundschule vermittelt werden. Geschlechtergerechtigkeit im digitalen Bereich braucht also eine Lebensverlaufsperspektive.

Sabine Bömmer


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