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Im Fokus: Geschlechtergleichheit | Veröffentlicht am 28.10.2021

Deutschlands erste Bankdirektorin

Emmeline Stegmann war nicht nur die erste genossenschaftliche, sondern Deutschlands erste Bankdirektorin überhaupt.

Emmeline Stegmann: Deutschlands erste Bankdirektorin

War Hermann Schulze-Delitzsch, der Gründer des deutschen Genossenschaftswesens und Verfasser des Genossenschaftsgesetzes, ein Feminist? Dann hat ihm Emmeline Stegmann im Jahre 1907 ihren Aufstieg zur Chefin des Spar- und Vorschussverein zu Schönlanke eGmbH, der späteren Volksbank Schönlanke, zu verdanken.

Denn Schulze-Delitzsch unterschied in seinem Gesetz von 1867 nicht zwischen weiblichen und männlichen Genossenschaftsmitgliedern. Damit leistete er bewusst oder unbewusst einen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung von Mann und Frau. Doch es sollte noch einige Gerichtsverfahren und Jahre dauern, bis der Jurist und Publizist Ludolf Parisius, ein enger Mitstreiter von Schulze-Delitzsch in der Verbandszeitschrift „Blätter für das Genossenschaftswesen“ öffentlich feststellte: „Wir würden uns […] nicht graulen, eine Volksbank unter weiblichem Zepter zu erblicken.“ Und weiter: „Eine Volksbank-Direktrice ist heute schon gesetzlich möglich“.

28 Jahre später (1895) berichtetete die Verbandszeitschrift, dass nur eine Kreditgenossenschaft ein weibliches Vorstandsmitglied habe: ein westpreußischer Vorschussverein, in dem „seit einer Reihe von Jahren infolge von Wahl und Wiederwahl als eingetragenes Vorstandsmitglied ein Fräulein zu allgemeiner Zufriedenheit die Stelle des Buchhalters“ ausübte.

Es vergingen weitere zwölf Jahre, bis am 19. Juni 1907 Emmeline Stegmann einstimmig zum ersten Vorstandsmitglied der Spar- und Vorschussverein zu Schönlanke eGmbH, der späteren Volksbank Schönlanke, gewählt wurde. Damit wurde sie nicht nur die erste genossenschaftliche, sondern generell die erste Bankdirektorin Deutschlands. Stegmann wurde am 23. Juli 1865 in Schönlanke in der preußischen Provinz Posen (heute Polen) geboren. Ein Jahr zuvor hatten neun Personen, darunter auch Stegmanns Vater, in der etwa 4.000 Einwohner großen Stadt eine örtliche Genossenschaftsbank gegründet. Mit 21 Jahren absolvierte Emmeline Stegmann dort eine Lehre und arbeitete dann mit ihrem Vater zusammen, der als Kassierer dem Bankvorstand angehörte.

Außergewöhnliche Karriere

Als die junge Frau zur Direktorin gewählt wurde, hatte die Genossenschaft etwa 900 Mitglieder, einen Umsatz von 65 Millionen Mark und ein Eigenkapital von rund 500.000 Mark. 1908 konnte Emmeline Stegmann mit ihren Mitarbeitern das neu erbaute Bankhaus beziehen. Aus diesem Anlass stiftete sie ein Medaillon, auf dem ein von Bienen umschwärmter Bienenkorb – als Symbol für das Sparen – dargestellt war. Dieses hatte die Inschrift: „Nur ernste Arbeit sichert den Erfolg“. Die Karriere von Stegmann war so außergewöhnlich für die Zeit, dass verschiedene große Familien- und Frauenzeitschriften ausführlich über sie berichteten. Dadurch wurde Emmeline Stegmann in ganz Deutschland bekannt.

Über 25 Jahre führte die Vorständin ihre Bank erfolgreich – unter anderem durch den Ersten Weltkrieg, die Inflationszeit und die Weltwirtschaftskrise. Innerhalb des Deutschen Genossenschaftsverbandes war sie eine anerkannte Persönlichkeit, die auf den Verbandstagen oft das Wort ergriff. Auch in ihrem Heimatort wurde sie geschätzt und zur ersten weiblichen Geschworenen gewählt. Außerdem übernahm sie den Vorsitz des vaterländischen Frauenvereins des Roten Kreuzes. Wegen ihres großen gesellschaftlichen Engagements wurde sie vielfach ausgezeichnet. So wurde auch der von ihr geförderte Kindergarten in Schönlanke nach ihr benannt.

Die Bankdirektorin stand ganz in der Tradition der von Schulze-Delitzsch gegründeten Vorschussvereine. Diese sahen es auch als ihre Aufgabe an, die sozialen Missstände durch gemeinnütziges Engagement zu verbessern. So ist auch von Emmeline Stegmann überliefert, dass sie im Namen der Kreditgenossenschaften den Logo- und Zaskersee vor den Toren von Schönlanke kaufte und der Stadt als Naherholungsgebiet schenkte. Sie selbst liebte die Seen sehr und verbrachte dort viel Zeit mit Segeln.

Erfolgreiche Entwicklung der Bank

Vor dem Ersten Weltkrieg war Stegmanns Bank die drittgrößte gewerbliche Kreditgenossenschaft in Posen. 1929 hatte sie 992 Mitglieder – bei einer Gesamtbevölkerung von 9.000 Menschen in der Provinz Posen. Die Bank hatte zu diesem Zeitpunkt eine Bilanzsumme von 3 Millionen Reichsmark und ein eigenes Vermögen von 624.000 Reichsmark. Damit gehörte sie zu den größeren Genossenschaftsbanken, die im Schnitt eine Bilanzsumme von 1,4 Millionen Reichsmark und ein Eigenkapital von 215.900 Reichsmark hatten.

1934 trat Emmeline Stegmann in den Ruhestand und erlebte am Ende des Zweiten Weltkrieges als inzwischen 80-Jährige noch Flucht und Vertreibung aus ihrer Heimat. Am 26. Februar 1946 starb sie in Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern.

Dr. Holger Martens
Vorstand und Geschäftsführer der Historiker-Genossenschaft


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