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Im Fokus: Genossenschaftliche Bildung – praxisnah und leistungsstark | Veröffentlicht am 10.06.2021

Welche Ausbildungsfinanzierung ist die fairste?

Die CHANCEN eG finanziert Studiengebühren für Student*innen nach dem Umgekehrten Generationenvertrag. Ist das die fairste Ausbildungsfinanzierung in Deutschland? Wie kann man den Zugang zu Ausbildung gerechter machen? GENiAL diskutierte darüber mit Oliver Kaczmarek, dem bildungspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, sowie Florian Kollewijn, Vorstandsmitglied der CHANCEN eG.

Florian Kollewijn ist Mitgründer und Vorstand der 2016 gestarteten CHANCEN eG. Nach seinen Bachelor-Abschlüssen in Philosophie, Politik und Ökonomik sowie Business Economics an der Universität Witten/Herdecke hat er seinen MasterAbschluss für Leadership und Beratung – Psychodynamisch fundierte Organisationsentwicklung an der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU) Berlin gemacht.

Herr Kaczmarek und Herr Kollewijn, wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Oliver Kaczmarek: Bei mir ging das über BAföG* und viele Nebenjobs, unter anderem im Sozialwesen des Bergbaus. Das hat mich zwar persönlich weitergebracht, aber auch viel Zeit gekostet.

Florian Kollewijn: Ich hatte mehrere Finanzierungstöpfe für mein Studium: ein Stipendium, eine niederländische Studienfinanzierung, Jobs an der Uni, meine Eltern. Meine Studiengebühren an der Universität Witten/Herdecke habe ich über den Umgekehrten Generationenvertrag finanziert. Die Kosten zahle ich jetzt als Berufstätiger ab.

Herr Kollewijn, der Umgekehrte Generationenvertrag ist das Herzstück Ihrer Biografie und Ihrer Genossenschaft. Warum ist das für Sie so ein faires Instrument?

Florian Kollewijn: Der Umgekehrte Generationenvertrag ist so fair, weil die Kosten für Studiengebühren erst anfallen, wenn man berufstätig ist und ein bestimmtes Mindesteinkommen hat. Außerdem ist die Rückzahlungssumme an das Einkommen gekoppelt. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr zurück. Er trägt somit diejenigen mit, die weniger verdienen und weniger zurückzahlen können. Eben ein echtes Solidarmodell. Und wer sein Studium abbricht, eine Ausbildung oder einen anderen Studiengang beginnt, hat keine Nachteile. Der Umgekehrte Generationenvertrag bleibt bestehen, gezahlt wird erst im Erwerbsleben und das erst ab einem Mindesteinkommen von 27.000 Euro. Auch nach oben gibt es eine Deckelung. Die Fairness beweist das Modell seit über 25 Jahren – 1995 wurde es an der Universität Witten/Herdecke entwickelt und funktioniert seitdem nachhaltig.

Wie finden Sie dieses genossenschaftliche Modell, Herr Kaczmarek?

Oliver Kaczmarek: Bei der Studien- und Ausbildungsfinanzierung ist uns als Sozialdemokrat*innen eine Vielfalt der Wege sehr wichtig. Das Modell der CHANCEN eG ist hier sicherlich ein guter Baustein, zumal wir auch Genossenschaften gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Darüber hinaus gibt es aber auch die gesetzliche Unterhaltsverpflichtung der Eltern. Und natürlich das BAföG als staatlich garantierte Rückfalloption für alle diejenigen Eltern, die zum Beispiel nur teilweise oder gar kein Studium finanzieren können. Ich würde mir persönlich wünschen, dass mehr Student*innen das BAföG-Angebot nutzen würden. Ich würde mir aber zum Beispiel auch wünschen, dass wir beim BAföG ein höheres Mindesteinkommen ansetzen, ab dem dann die Rückzahlungen für diese Ausbildungsförderung beginnt.

In Schweden und Norwegen gibt es Ausbildungsfinanzierungen, die komplett unabhängig vom Einkommen der Eltern sind. Was halten Sie davon?

Oliver Kaczmarek: Wir Sozialdemo-krat*innen tun uns mit diesem Gedanken schwer, weil wir es einfach ungerecht finden, dass einkommensstarke Eltern sich nicht an der Ausbildung ihrer Kinder beteiligen. Aber ein elternunabhängiger Sockelbeitrag, aufgestockt durch bedarfsabhängige Leistungen: Das wäre ein gerechtes Modell zur Ausbildungsfinanzierung.

Florian Kollewijn: Alles, was an Ausbildungsfinanzierung nicht zurückgezahlt werden muss, sondern durch staatliche Mittel abgedeckt wird, ist immer besser als der Umgekehrte Generationenvertrag. Aber dieser ließe sich auch gesamtgesellschaftlich denken. Aber so weit sind wir natürlich nicht, deshalb gibt es ja auch die CHANCEN eG.

Der gebürtige Kamener Oliver Kaczmarek, MdB, SPD, hat Geschichte und Sozialwissenschaften für das Lehramt der Sekundarstufen I und II studiert. Er ist seit 2016 Mitglied im Präsidium der NRW SPD und unter anderem zuständig für die BAföG-Reform, die Themen Inklusive Bildung und Hochschulfinanzierung. Außerdem ist er Obman im Bildungsausschuss des Deutschen Bundestages und Sprecher für Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion.

Was muss sich ändern, um den Zugang zu Bildung in Deutschland gerechter zu machen?

Oliver Kaczmarek: Dieses Thema ist ein großes Feld. Tatsache ist: Wir haben Bildungsungleichheit in Deutschland. Und sie hat sich durch die Corona-Pandemie noch verschärft. Bildungsungleichheit muss möglichst früh bekämpft werden, zum Beispiel schon im Kindergarten. Unabhängig vom Einkommen oder Bildungsgrad der Eltern muss jedes Kind die gleichen Chancen haben. Und wenn wir nochmal das Thema BAföG aufgreifen: Dass es finanzielle Unterstützung durch das BAföG gibt, muss schon in den Schulen bei jungen Menschen verbreitet werden. Der BAföG-Antrag an sich muss viel einfacher, weniger aufwendig und viel digitaler werden. Junge Menschen und ihre Familien dürfen nicht durch bürokratische Hürden abgeschreckt werden, eine ihnen rechtmäßig zustehende Unterstützung zu beantragen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen sozialem Aufstieg und Bildungsgerechtigkeit?

Florian Kollewijn: Ganz eindeutig ja, das zeigen viele Studien. Bildung verspricht sozialen Aufstieg. Allerdings hängt der Bildungserfolg mehr von der sozialen Herkunft als von der eigenen Veranlagung ab. Das zeigt ja auch der sogenannte Bildungstrichter, der sich auf empirische Studien stützt: 74 von 100 Kindern akademisch ausgebildeter Eltern studieren, bei Nicht-Akademikern sind es nur 21. Und jede*r Fünfte entscheidet sich nach dem Abitur aus finanziellen Gründen gegen ein Studium.

Was müsste man dann schon zu Beginn einer Bildungsbiografie anders, besser oder gerechter machen?

Oliver Kaczmarek: Wir müssen viel stärker in die frühkindliche Bildung investieren. Das bedeutet beispielsweise auch, mehr Stellen für Erzieher*innen zu schaffen und den Beruf durch Aufstiegschancen attraktiver zu machen. Wir müssen außerdem Kitas und Grundschulen vor allem in sozialen Brennpunkten besser unterstützen. Ganz wichtig sind auch gute Ganztagsangebote, die anregende Lern- und Förderangebote haben und soziales Lernen ermöglichen. Auf diese Weise könnten die größten Potenziale gehoben werden.
Inken Schrammen/Sabine Bömmer


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