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Im Fokus: Genossenschaftliche Bildung – praxisnah und leistungsstark | Veröffentlicht am 10.06.2021

Die (Bildungs-)Chance in der Krise

Das private Gymnasium Raiffeisen-Campus wird zehn Jahre alt und bewährt sich in der Pandemie als genossenschaftlich-innovative Bildungsinstitution.

Das Lächeln in den Gesichtern der angehenden Abiturient*innen hielt den ganzen Aschermittwoch. Ein Tag, der sonst sowohl religiös als auch gesellschaftlich ein ruhiger Tag der Besinnung ist, war für die 45 angehenden Abiturient*innen in Dernbach ein Tag der Freude. Denn nach zwei Monaten Homeschooling kehrten sie als Erste wieder in den Präsenzunterricht zurück. Und obwohl sie in der Zwischenzeit täglich nach normalem Stundenplan mit ihren Lehrer*innen gearbeitet und keinen „Stoff“ versäumt hatten: Die Gemeinschaft im Schulhaus hatten sie spürbar vermisst.
Was ist anders an diesem genossenschaftlichen Ganztagsgymnasium, das die Krise nicht nur deshalb gestärkt überstanden hat, weil es bereits 2013 auf ein digitales Lernmanagementsystem setzte?

2011 als gemeinnützige eG gegründet, hat sich die Schule vorgenommen, ausgetretene Pfade zu verlassen und getreu ihrem Namensgeber auf allen Ebenen innovativ zu sozialem Zweck zu agieren. Und keinesfalls zu warten, bis der Staat die Probleme zentral zu lösen imstande ist, die Menschen lokal besser und schneller umsetzen können. So wie es Friedrich Wilhelm Raiffeisen vorgelebt hatte.

Erfolg in der Krise

Schulleiter Bernhard Meffert ist seit dem ersten Schultag dabei. „Natürlich wussten wir 2011 noch nicht, welche Herausforderungen 2020 auf uns warten würden. Aber der Erfolg in der Krise ist kein Zufallsprodukt, sondern liegt in unserer DNA begründet. Wir hinterfragen ständig Strukturen und Prozesse und denken dabei immer vom Lernenden her. Diese Haltung haben wir früher oft erklären müssen. Seit dem Lockdown erklärt sie sich quasi von selbst.“

Und so war ihm trotz steigender Infektionszahlen bereits im Februar 2020 nicht bange, als er sein Leitungsteam mit der damals noch überraschenden Prognose zusammenrief, man müsse mit der baldigen Schulschließung rechnen. „Wir hatten ja neun Jahre lang vieles getan, um eine durch und durch agile Organisation zu sein. Diese Agilität in den Strukturen, vor allem aber in den Köpfen und Herzen war der Grund, warum ich mir sicher sein konnte, dass wir das durchstehen. Dass es uns aber sogar stärken würde, hätte ich damals nicht zu hoffen gewagt.“

Ein Begriff fiel während dieser ersten Zielüberlegungen immer wieder, er gewann bei den Lehrer*innen an Kraft und zog sich schließlich wie ein roter Faden durch die Zieldefinition angesichts der großen Herausforderung, vor der die Schule stand: KONTINUITÄT. Der Diskontinuität des Lockdowns der Schulen wollten Meffert und sein Team die maximal mögliche Kontinuität schulischen Lebens und Lernens entgegensetzen. Der für eine innovative Schule bis dato wenig prominente Wert der Kontinuität war dabei selbstverständlich nur auf die bekannten Ziele bezogen, die Prozesse mussten teils völlig neu geschaffen werden.

Drei wesentliche Aspekte standen und stehen bei der Planung und Umsetzung während des Lockdowns beziehungsweise des Wechselunterrichts bis heute im Vordergrund. Wenn Lernen gelingen soll, sollte es erstens möglich sein, Kontinuität in der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden herzustellen. Also musste das Team neben der Kontinuität des Tagesablaufs und der Didaktik auch die hohe Qualität der beiderseitigen Beziehungen weiter ermöglichen und befördern. Dazu benötigte man im Lockdown andere Formen, um die anlasslose, selbstverständliche Begegnung aller in den Fluren, beim Mittagessen und in den Pausen zu ersetzen, die für das Miteinander am Campus so prägend sind. Und so traf sich die Schulgemeinschaft fortan eben in virtuellen Versammlungen, begegneten sich Lehrende und Lernende live im Chat des Lernmanagementsystems und gelegentlich auch auf den sozialen Kontakt fördernden Videokonferenzen. Schulpastoral und Schulsozialarbeit waren jederzeit telefonisch oder über die Lernplattform erreichbar, um individuelle Krisen auffangen zu können.

Dass eine hohe Beziehungsqualität an der Schule zwar sinnvoll, aber kein Selbstzweck ist, zeigt sich auch am zweiten Aspekt, in dem Kontinuität auf innovativem Weg hergestellt werden sollte: „Wir wollten erreichen, dass die innovative Qualität des Lernens an unserer Schule möglichst nah an der des Präsenzlernens bleibt. Also mussten die innovativen Elemente unseres Konzepts jetzt auch zu Hause funktionieren.“ So sollte das für den Campus prägende fächerübergreifende und selbstverantwortliche Lernen in der Unter- und Mittelstufe auch während des Lockdowns fortgeführt werden. Vermieden werden sollten lange Videokonferenzen zugunsten von echter Interaktion und eigenverantwortetem Lernen. Dies erforderte ein großes Maß an Innovation. Da aber das zentrale Werkzeug seit 2013 allen vertraut war, konnte man sich ganz auf die Umsetzung konzentrieren.

Den dritten Aspekt von Kontinuität begründet Meffert auch vor dem Hintergrund seiner akademischen Ausbildung. „Als Soziologe und Theologe weiß ich, wie wichtig und entlastend Rituale sind. Der Mensch freut sich nur so lange über Veränderung, wie sie sein Leben bereichert. Zu viel Veränderung verunsichert.“ Deshalb wurde der Schultag in den normalen zeitlichen Strukturen von 8 bis 16 Uhr abgebildet und half so, den Alltag zu Hause zu strukturieren.

School in progress

In wenigen Wochen freut sich die Schulfamilie auf die dritte Abiturfeier der Schulgeschichte, und auch ein Schulfest zum kleinen Jubiläum wird selbstverständlich stattfinden. Egal, ob digital oder in Präsenz: Das Gymnasium hat bewiesen, dass das Schlagwort vom „lernenden System“ am Raiffeisen-Campus zutrifft. „Natürlich ist es schön und motiviert uns, dass in der Pandemie die Wertschätzung und auch die Wahrnehmung in der Genossenschaftswelt noch einmal gesteigert wurden“, findet Meffert. „Aber nichts wäre uns lieber, als wieder alle Kinder und Jugendlichen gleichzeitig im Haus zu haben.“ Wird dann alles wieder so sein wie vorher? „Nein, ganz bestimmt nicht. Wir haben als Schulfamilie auf allen Ebenen enorm viel gelernt. Und wir werden diesen Lerngewinn reinvestieren. In eine noch bessere Schule in den nächsten zehn Jahren.“

Hans-Peter Leimbach


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