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Im Fokus: Genossenschaftliche Bildung – praxisnah und leistungsstark | Veröffentlicht am 10.06.2021

Chancenreichtum ohne Grenzen

Erst studieren, dann zahlen: Auf dieser einfachen, aber einfach guten Idee fußt der sogenannte Umgekehrte Generationenvertrag (UGV). Die CHANCEN eG macht aus dem erfolgreichen Modell, bereits 1995 von der StudierendenGesellschaft der privaten Universität Witten/Herdecke auf den Weg gebracht, seit fünf Jahren einen nationalen wie auch internationalen Exportschlager. Ab dem Sommer weitet die Bildungsgenossenschaft ihr nachhaltiges Konzept auf Lebenshaltungskosten aus.

Die Mitarbeiter*innen der Chancen eG

1.000 finanzierte Student*innen, 36 Bildungspartner, eine Bilanzsumme von rund 20 Millionen Euro und mehr als 100 Investor*innen: Schon die blanken Zahlen, die aktuell hinter der CHANCEN eG stecken, sprechen eine deutliche Sprache. Ebenso interessant ist indes die Geschichte hinter dieser einzigartigen wie erfolgreichen Genossenschaft, die am 6. Februar 2016 in einem Wittener Café ihren Anfang nahm. Das Treffen der 36 Frauen und Männer, die hier den Grundstein für die CHANCEN eG legten, hat bis heute nachhaltige Wirkung.
Denn ihre Vision, jedem Menschen unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten eine bestmögliche Bildung zu ermöglichen, ist für viele junge Leute längst zur Realität geworden. Das Zauberwort, das dahintersteckt, lautet Umgekehrter Generationenvertrag (UGV). Dabei übernimmt die CHANCEN eG zunächst die Studiengebühren, die die Student*innen erst nach dem Studium zurückzahlen, wenn sie genug Geld verdienen.

Die Rückzahlung erfolgt ausschließlich einkommensabhängig und über meist acht Jahre – und finanziert somit wieder das Studium der nächsten Generation mit. Verdient jemand weniger als 27.000 Euro brutto im Jahr, beispielsweise wegen einer Familienpause, setzt die Rückzahlung zunächst aus und wird hinten angehängt. „Anders als bei einem Kredit gehen die Student*innen damit kein Überschuldungsrisiko ein“, erläutert Florian Kollewijn. Gemeinsam mit Olaf Lampson ist er nicht nur Mitgründer der CHANCEN eG, sondern auch deren Vorstand. Das Duo weiß nur zu gut, wie hilfreich ein UGV sein kann, schließlich sind sie beide einst als Studenten an der Uni Witten/Herdecke auch in dessen Genuss gekommen.

Seinerzeit wurde das Konzept, eine sozialverträgliche Finanzierung des Studiums zu ermöglichen, von der StudierendenGesellschaft der Universität Witten/Herdecke angeboten. Student*innen hatten den Verein bereits 1995 aus der Taufe gehoben, als die Hochschule Studiengebühren einführte. Das Wachstum der Privatuni sowie der dadurch gestiegene Finanzierungsbedarf führten 2014 zur Emission einer börsennotierten Anleihe von 7,5 Millionen Euro. Die Hausbank der StudierendenGesellschaft, die GLS Gemeinschaftsbank eG aus Bochum, begleitete die Student*innen bei der Platzierung der „StudierendenAnleihe“. Ihr Erfolg war die Initialzündung dafür, das Modell des Umgekehrten Generationenvertrages schließlich auf breitere Füße zu stellen und bundesweit anzubieten. Seit 2016 sorgt die CHANCEN eG für Chancengerechtigkeit in der Bildung – und das längst nicht nur für Student*innen verschiedenster Fachrichtungen hierzulande.


Studienförderung auch in Ruanda

Batya Blankers (2.v.li.), Geschäftsführerin der Tochtergesellschaft CHANCEN International gGmbH (CI), in Ruanda mit ihrem Team

Seit 2018 bietet die Genossenschaft das erfolgreiche Solidarmodell über ihre Tochtergesellschaft CHANCEN International gGmbH (CI) auch in Ruanda an. In dem ostafrikanischen Land, in dem Bildung noch unerschwinglicher für viele junge Menschen ist, sind bereits 1.300 Student*innen unter UGV-Vertrag, vornehmlich Frauen. Doch damit nicht genug: CI-Geschäftsführerin Batya Blankers – auch sie profitierte einst als Studentin der Uni Witten/Herdecke vom UGV – hatte mit ihrem Team sogar schon alles in die Wege geleitet, um das Modell auf weitere afrikanische Länder südlich der Sahara auszuweiten. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Wenn sich das Leben wieder normalisiert hat, gehen sie ihren Weg weiter, auch mithilfe des neuen Future of Work Fund, mit dem künftig 10.000 Student*innen in Afrika gefördert werden sollen. Dieser Fonds ist inzwischen gegründet, das Gros des notwendigen Geldes bereits zugesagt.

Auch in weiteren Ländern in Europa macht das Modell der CHANCEN eG seit 2019 Schule. An mehreren osteuropäischen Partneruniversitäten, darunter beispielsweise die LSMU in Litauen, übernimmt die Genossenschaft die Finanzierung der Studiengebühren für Medizinstudent*innen. „Wir erfüllen damit nicht nur den individuellen Wunsch des Studiums, sondern tragen auch zur notwendigen Ausbildung von Ärzt*innen und zur medizinischen Versorgung bei“, hebt Florian Kollewijn hervor. Denn trotz des zunehmenden Ärztemangels erhalten jährlich rund 50.000 junge Studieninteressierte in Deutschland keinen Medizinstudienplatz an einer gebührenfreien Universität.

Interessant für Investor*innen

Mittlerweile haben die ersten Student*innen, die allesamt automatisch Mitglieder der eG sind, mit den Rückzahlungen begonnen – und somit das Rad der generationenübergreifenden Finanzierung allmählich ans Laufen gebracht. Die Bildungsgenossenschaft indes benötigt zahlreiche eigene Mittel zur Refinanzierung. Diese werden von sogenannten Impact-Investor*innen ermöglicht, die ihr Geld nicht nur sicher und gut verzinst, sondern auch gesellschaftlich wirksam anlegen wollen. 650 Studienplätze wurden alleine durch den Erlös der „BildungsCHANCEN Anleihe“ finanziert. Diese hatte die Genossenschaft ab August 2019 über einen Gesamtbetrag von 13 Millionen Euro, zu einem Zinssatz von drei Prozent und mit einer Laufzeit von zwölf Jahren emittiert und überwiegend über die Bochumer GLS Bank platziert – mit großem Erfolg. „Da die CHANCEN eG bis 2023 weiteren Student*innen ihre Wunschausbildung finanzieren möchte, planen wir weitere Anleihen“, sagt Finanzvorstand Olaf Lampson.

Ab Sommer dieses Jahres geht eine weitere Neuerung an den Start: Erstmals will die CHANCEN eG dann auch die Finanzierung von Lebenshaltungskosten für Student*innen an staatlichen Hochschulen anbieten. Geplant sind monatliche Auszahlungen zwischen 100 und 700 Euro für die Regelstudienzeit plus zwei Fachsemester. Die monatliche Höhe können die Student*innen je nach persönlichem Bedarf selbst festlegen. „Ein riesiges Projekt, für das wir in den kommenden drei Jahren 50 Millionen Euro einsammeln wollen“, berichtet das Vorstandsduo. Anja Scheve


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