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Im Fokus: Genossenschaften gründen Genossenschaften

Genossenschaftlicher Strom aus Haltern: Geballte Energie für Neues

Gemeinsam für die Energiegenossenschaft: Vorstand und Aufsichtsrat mit Vertretern der EnergieAgentur.NRW und Berater. © Volksbank Haltern eG

Hier gibt es reichlich Rückenwind für sauberen Strom: Angeschoben von starken Partnern wie der örtlichen Volksbank, ist Nachhaltigkeit bei der Energiegenossenschaft Haltern am See die alles antreibende Kraft. Davon zeugen vielfältige Projekte – und jetzt auch eine besondere Auszeichnung.

Prima Klima in und für Haltern am See. Die touristisch attraktive Stadt am Nordrand des Ruhrgebiets steht mit ihren Wildparks, Erlebnis-Bauernhöfen und Badeseen nicht nur für naturnahe Erholung. Sie verfügt zudem über jede Menge Energie, neue Wege für (noch) mehr Lebensqualität zu beschreiten. „Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt geht unsere Zielsetzung ganz klar in Richtung Nachhaltigkeit, wir machen uns für dezentrale Energieversorgung stark und leisten einen direkten Beitrag zur Sicherung der Klima- und Energiezukunft unserer Stadt“, sagt Henning Henke, Vorstandsvorsitzender der Energiegenossenschaft. Seit ihrer Gründung im September 2010 setzt die eG im Bereich der regenerativen Energien ein deutliches Zeichen – und treibt die nachhaltige Stromerzeugung voran. „Der damalige Gründungsgedanke, durch die Genossenschaftsidee möglichst viele Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und perspektivisch zusammen zu profitieren, passt nach wie vor sehr, sehr gut“, resümiert Henning Henke. Und dafür gibt es in Haltern gleich eine Reihe passender Beispiele.
Ob Energiegewinnung mit Sonne, Biomethan oder Wind – gerade die „Vielgestaltigkeit“ der vor Ort angeschobenen Projekte war auch der Energie.Agentur.NRW jüngst einen besonderen Preis wert. Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums wurde erstmals der Wettbewerb „Energiegenossenschaft der Zukunft“ ausgelobt. Die Gewinner kommen aus Haltern am See: Sie behaupteten sich als vorbildliche Genossenschaft und dank ihres „großartigen Engagements“ erfolgreich unter 33 Mitbewerberinnen. „Dieser Zukunftspreis ist für uns Ehre und Ansporn zugleich, er ist eine schöne Bestätigung der bisherigen genossenschaftlichen Arbeit und Ausdruck unserer Effektivität“, freut sich Henning Henke über die tolle Auszeichnung.

Bestens vernetzt

Als Vorstandsvorsitzender der Vorzeige-Genossenschaft hat Henning Henke mit seinen Vorstandskollegen ehrenamtlich ein breites Spektrum an Geschäfts- und Betätigungsfeldern im Blick. Genossenschaftliches Handeln prägt auch seinen Beruf: Er ist seit 2014 als Vorstand der Halterner Volksbank eG tätig. Henning Henke vertritt damit in Doppelfunktion einen von insgesamt vier starken Partnern, die von Beginn an ihre Kräfte für die Energiegenossenschaft bündeln. Sie sind bestens miteinander vernetzt: Die Stadt Haltern am See, die Stadtsparkasse, die örtlichen Stadtwerke und die Volksbank sind mit jeweils einem Vertreter im Vorstandsteam vertreten – und gehen gemeinsam mit mittlerweile rund 600 Mitgliedern die Energiewende an. So hat sich seit der Gründung vor acht Jahren die Zahl der beteiligten Halterner mittlerweile mehr als verdoppelt. Damit ist aus der Energiegenossenschaft vor Ort eine echte Bürgergenossenschaft gewachsen. Ihre Ziele sind klar gesteckt, die „Errichtung und Unterhaltung von Anlagen zur effektiven Erzeugung regenerativer Energien“ steht im Fokus. Das macht seither in der rund 38.000 Einwohner zählenden Stadt erfolgreich Schule.
Denn bereits im Jahr 2011 ging auf dem Dach eines Schulzentrums eine große Photovoltaikanlage ans Netz. Seither werden hier an der Holtwicker Straße jährlich 74.000 Kilowattstunden Strom produziert. Weitere Projekte mit Photovoltaik (PV) folgten, die eG betreibt seit Jahren Anlagen auf einem Sparkassen-Gebäude in Haltern-Sythen sowie auf einem Wohnhaus in Haltern-Mitte. Zudem wurde von ihr als Kreditgeber die Erneuerung eines örtlichen Blockheizkraftwerkes unterstützt, das mit Biomethan betrieben wird. Das ist nicht alles: Seit Ende 2016 sind die Genossen an der Windenergie Haltern am See Gmbh & Co. KG mit einem Anteil von 12,5 Prozent beteiligt, die in Haltern-Lavesum über drei Windräder mit einer Gesamtleistung von neun Megawatt verfügt.

Neues Pachtmodell

Mit geballter Energie geht es in Haltern weiter voran, aktuell gesellt sich ein neues PV-Projekt hinzu. Das wurde erst kürzlich auf dem Dach der Grundschule in Haltern-Sythen realisiert und als Pachtmodell umgesetzt. „Wir sind Investor der Anlage und stellen sie der Grundschule zur Eigennutzung zur Verfügung“, berichtet Henning Henke. Die Genossenschaft zeigt sich damit auch als ein Vorreiter: „Die PV-Anlagenpacht ist in Deutschland noch wenig verbreitet.“
Nachhaltigkeit ist Trumpf – genauso gilt es, im Sinne der Mitglieder die Rentabilität bei allen Investitionsprojekten stets im Blick zu haben. Solides wie langfristiges Wirtschaften spiegelt sich in einer dezidierten Zehn-Jahres-Geschäftsplanung der eG wider. Das kommt bei bestehenden und potenziellen neuen Mitgliedern bestens an. „Aufgrund der hohen Nachfrage, auch mehrere Anteile zeichnen zu wollen, beabsichtigen wir bei weiteren Projekten eine zeitlich befristete Mehrzeichnung anzubieten“, so der Vorstandsvorsitzende.
Für die rund 600 Mitglieder, die Geschäftsanteile an der Genossenschaft halten, steht vor allem auch die Identifikation mit ihrer Stadt Haltern und den genossenschaftlichen Projekten im Vordergrund. Deshalb ist und bleibt es auch künftig wichtig, neue Möglichkeiten und Chancen aktiv anzugehen.

Nachhaltige Ideen und Pläne

Zusätzliche Pläne sind längst in der Pipeline. Für 2019 ist die Beteiligung an einem weiteren Windpark-Projekt auf Halterner Gebiet vorgesehen. „Wir haben im Vorfeld alle Vor- und Nachteile transparent erörtert und mit unseren Mitgliedern ausführlich diskutiert“, so Henning Henke: „Mit einem überwältigenden Votum von weit über 90 Prozent haben sie dafür gestimmt.“ Das sorgt für starken Rückenwind beim Ausbau der Windenergie.
Nachhaltige Ideen gibt es noch viele. Diese werden unter Berücksichtigung der Infrastruktur Halterns genauestens auf ihre Plausibilität geprüft. „Vorstellbar wäre es, beispielsweise in E-Autos zu investieren und diese in Kombination mit Carsharing vor Ort den Halterner Bürgern und Firmen anzubieten“, erläutert Henning Henke. „Hier sind wir noch in der Statusanalyse, sammeln relevante Informationen und beleuchten unter anderem die Frage, ob sich ein solches Modell in unserer Stadt tatsächlich auch rechnen kann.“ Zusätzlichen Input sowie Impulse dafür gab es im September von Beratungsprofis der innova eG aus Essen, die auf Coaching und Weiterbildung von Genossenschaften spezialisiert ist.
Als Preisträger des Wettbewerbs „Energiegenossenschaft der Zukunft“ hatten die Halterner diese dreitägige individuelle Beratung als Gewinn erhalten: Sowohl die künftige Ausrichtung und die Unternehmensentwicklung als auch die weitere Konkretisierung möglicher Projekte und Geschäftsfelder standen dabei für den gesamten Vorstand auf der Agenda.
Etwas vor Ort mit und für Halterner Bürgern anstoßen und bewegen zu können – das vereint nicht nur das vierköpfige Vorstandsteam. So viel ist sicher: Die Liste nachhaltiger Projekte der Energiegenossenschaft wird weiter wachsen. Ganz nach dem Mott: Was einer alleine nicht schafft, das erreichen viele gemeinsam …

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