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Im Fokus: Erde | Veröffentlicht am 26.02.2020

Mitglieder "vom Alt-68er bis zum Frankfurter Performer"

In der Kooperative Stadt.Land.Wirtschaft eG bei Frankfurt am Main wollen Städter Kleinbetriebe mit ökologischer Landwirtschaft fördern und Landwirtschaft erleben. GENiAL interviewte die Ideengeber und Vorstandsmitglieder Christoph Graul und Silas Müller.

Christoph Graul und Silas Müller hatten schon vor langer Zeit eine gute Idee. Im September 2018 setzten sie diese in die Tat um und gründeten die Genossenschaft Kooperative Stadt.Land.Wirtschaft in Frankfurt. Diese produziert und liefert gesunde, frische und biologische Lebensmittel aus nachhaltiger Herkunft an die Städter in und um Frankfurt. Das kommt gut an. Rund 400 Mitglieder hat die Genossenschaft inzwischen. Und täglich werden es mehr, die mit ihren Anteilen das Geschäftskonzept unterstützen und davon unter anderem mit wöchentlichen Lieferkisten voll Obst, Gemüse und Eiern profitieren.
Was steckt hinter dem Erfolg dieses Geschäftsmodells? Die Vorstände Christoph Graul und Silas Müller freuen sich sehr, dass ihre unternehmerische Idee so gut eingeschlagen hat und sie andere davon überzeugen konnten. Die beiden jungen Männer kommen aus dem landwirtschaftlichen Bereich: Der Winzersohn Graul hat Produktionsgartenbau studiert. Müller ist Zierpflanzengärtner und hat zusätzlich ein Studium in ökologischer Landwirtschaft abgeschlossen. Graul erklärt: „Wir haben viel über Wertschöpfungsketten in der Landwirtschaft nachgedacht und kamen zum Schluss: Der Verbraucher kennt den Landwirt, der für ihn Lebensmittel erzeugt, gar nicht und umgekehrt. Der Städter und die Städterin wissen gar nicht, wie und unter welchen Umständen Lebensmittel entstehen und können sie deshalb auch nicht entsprechend wertschätzen. Das wollten wir ändern.“ Die Lösung sahen sie darin, den Verbraucher zum Beteiligten, also zum Mitunternehmer, zu machen und ihn so „intrinsisch“ zu motivieren.

Alle Kunden sind Mitglieder

Nach einem langen Reflexionsprozess und gründlicher Recherche in der Region entschieden sie sich für die Region Frankfurt und testeten ihre Idee zunächst mit 100 Kunden – mit Erfolg. Nach sorgfältiger Abwägung anderer Rechtsformen wählten sie die Genossenschaft. Graul: „In dieser Rechtsform ist für uns das partizipatorische Unternehmertum am besten aufgehoben. Da jedes Mitglied – unabhängig von seinen Anteilen –auch nur eine Stimme hat, können die demokratischen Strukturen auch nicht gefährdet oder ausgehebelt werden.“ Die einzige Bedingung, die die Genossenschaft stellt: Alle Kunden müssen Mitglieder sein und deshalb einen Genossenschaftsanteil von 200 Euro erwerben. Und welche Menschen tragen die Genossenschaft? Müller: „Unsere Mitgliedschaft ist bunt gemischt: Hier findet sich der Single genauso wie die Familie und der Alt- 68er wie der typische Frankfurter Performer. Der Markt in und um Frankfurt ist riesig.“

Die Genossenschaft baut einen Großteil ihres Obstes und Gemüses selbst an und beschäftigt dafür zehn Fachkräfte. So hat sie eine Gärtnerei in Frankfurt-Oberrad gekauft. Dort baut sie im Rahmen der Fruchtfolge auf 5 Hektar Freilandgemüse an und hält 200 Legehennen, die für frische Eier sorgen.„Im Frühjahr stocken wir auf 400 Legehennen auf, um unseren Bedarf zu decken“, sagt Vorstand Graul. Zusätzlich hat die Genossenschaft einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 15 Hektar in der Nähe Frankfurts aufgekauft, auf dem sie Brotgetreide anbaut. Dazu gehören außerdem Streuobstwiesen mit Äpfeln. Zusätzlich hat sie Kooperationen mit 14 landwirtschaftlichen Betrieben in der nahen Umgebung von Frankfurt. Diese produzieren und liefern Fleisch und unterschiedliche Gemüse- und Obstsorten. Das Besondere: Da zwischen Erzeuger und Verbraucher der Zwischenhändler wegfällt, wird der Preis nicht vom Wettbewerbsdruck am Markt bestimmt: Müller: „Wir wollen faire Preise zahlen und fragen die Landwirte, welche Preise sie für ihre Arbeit und ihre Produkte brauchen.“

Die landwirtschaftlichen Produkte kommen ohne lange Transportwege direkt vom Feld auf den Tisch. Jedes Mitglied erhält sogenannte Ernteanteile in Kisten, voll mit Honig, Obst, Gemüse, Eiern und Säften. Die Zusammensetzung der Biokisten kann je nach Saison und Witterung variieren. Diese können die Mitglieder in 30 Depots in Frankfurt und im Umland abholen. Das sind die Räume von Bio-Läden, Nichtregierungsorganisationen, Vereinen, aber auch von Privatmenschen. Später sollen einmal eigene Quartiersläden entstehen. 60 Prozent der Kisten werden mit dem Fahrradkurier ausgeliefert, der Rest per Auto: „Unser Ziel ist es, alle Mitglieder mit ihren Ernteanteilen über Fahrradkuriere bis an die Haustür zu beliefern. Aber dafür müssen wir erstmal die Strukturen schaffen“, meint Graul.
Wichtig war beiden Gründern auch, dass die Produktionsstandorte in unmittelbarer Nähe zu den Mitgliedern liegen, höchstens 20 Minuten entfernt. Müller erklärt: „Die Menschen aus der Stadt sollen Landwirtschaft verstehen, deshalb brauchen wir kurze Wege, damit sie unsere Produktion erleben können. Außerdem wollen wir das genossenschaftliche Miteinander fördern.“ So veranstaltet die Genossenschaft regelmäßig Feste für die Mitglieder und lädt zum gemeinsamen Sauerkrautstampfen, Einmachen und Gärtnern ein. Graul: „Der Andrang ist groß, ganze Familien kommen zu uns raus: In der Erde zu wühlen und den Kindern Wachstum zu zeigen: Das scheint ein tiefes Bedürfnis der Menschen zu sein.“

Wachstum nicht das Ziel

Deshalb will die Genossenschaft ihre Mitgliederveranstaltungen noch stärker ausweiten und denkt gerade über weitere Aktionen für das Wochenende, aber auch Projekte wie einen Mitgliedergarten nach.
Die Genossenschaft wächst von Tag zu Tag: „Aber Wachstum ist nicht unser Ziel“, sagt Graul. Wenn wir 600–800 Mitglieder haben, machen wir Schluss. Mit mehr Mitgliedern können wir unser partizipatives Konzept nicht fahren. Da hören wir lieber auf und starten eine neue Blaupause hier in der Region.“ In zwei oder drei Jahren soll es so weit sein, die Genossenschaft sucht bereits nach weiteren Standorten im Raum Frankfurt. Ziel der neuen Genossenschaft soll es auch sein, Menschen zur Mitgestaltung zu motivieren, die Gemüse- und Obstanbautradition wiederzubeleben, aber nach ökologischen Standards, und den Umweltschutz zu stärken.

Sabine Bömmer

www.diekooperative.de


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