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Im Fokus: Einfach anders - Genossenschaften | Veröffentlicht am 11.12.2020

Mehr als eine tierisch gute Idee

Allein schon der erste Teil des Namens lässt angenehme Erinnerungen aufkommen – an lukullische Köstlichkeiten, an Momente voller Freude und Lebenslust. Die Rede ist von der neu gegründeten Genießergenossenschaft Sachsen eG, die in Zukunft gesundes und edles Schweinefleisch produzieren will. Was sich genau dahinter verbirgt, darüber spricht GENiAL mit Jan Gumpert, Vorstandsvorsitzender der Agraset-Agrargenossenschaft eG in Naundorf bei Rochlitz.

Genießergenossenschaft Sachsen eG

Herr Gumpert, in Umfragen erklären sich viele Verbraucher*innen bereit, mehr Geld für Fleisch ausgeben zu wollen und regionale Unternehmen zu bevorzugen, würde die Haltung das Tierwohl deutlich mehr berücksichtigen. Ist man da bei Ihnen richtig?
Jan Gumpert: Unbedingt. Wir bieten Menschen, die Fleisch essen wollen und dabei auf hochwertige Produktion und tiergerechte Haltung viel Wert legen, eine Lösung. Und das dann auch noch unter demokratischer Mitbestimmung und regionaler Wertschöpfung. Mehr geht nicht. Wir ermöglichen den Schulterschluss zwischen Erzeuger und Verbraucher.

Wie sieht Ihre Lösung konkret aus?
Die Konsumenten bekommen die Möglichkeit, ihr Fleisch selbst zu erzeugen beziehungsweise natürlich von uns als bäuerlichen Profis nach besonderen Richtlinien erzeugen zu lassen. Die Genießergenossenschaft wird Fleisch von Duroc-Schweinen erzeugen, das einen überdurchschnittlichen Anteil an intramuskulärem Fett besitzt. Fett ist der Geschmacksträger schlechthin. Verbunden mit einem langsamen Wachstum wird der Geschmack erheblich verbessert. Durch unsere besondere Fütterung haben diese Tiere besonders viele Omega-3-Fettsäuren. Diese senken das Risiko für schwere Krankheiten.

Wo liegen die Vorteile gegenüber Mitbewerber*innen?
In unserer Einzigartigkeit. Die Vorteile der Genießergenossenschaft liegen auf drei Feldern: Es wird qualitativ hochwertiges Schweinefleisch zu guten Konditionen produziert, die Haltung der Tiere geht weit über gesetzliche Vorgaben hinaus und die gesamte Wertschöpfung von der Futtermittelerzeugung bis zur Schlachtung und Verarbeitung erfolgt in der Region und verbleibt auch hier. Die Tiere haben viel Platz und Bewegungsmöglichkeiten und werden auf einem Tiefstreubett aus Stroh gehalten. Die Schwänze werden nicht kupiert, lange Tiertransporte vermieden und die Verarbeitung erfolgt ausschließlich in der Region nach individueller Handwerkskunst und -tradition. Zudem wird nur natürliches Futter aus Sachsen verwendet: Weizen, Gerste und Erbsen. Bis hierher gibt es in den verschiedenen Kombinationen schon ähnliche Produzenten. Deren Anzahl verringert sich ganz stark, wenn auch noch die Identität zwischen Erzeuger und Konsument innerhalb einer Genossenschaft hinzukommt. Zudem macht uns die Fütterung mit Leinsamenschrot einzigartig.

„Ohne Moos nix los“, sagt ein Sprichwort. Wie sieht Ihre Finanzierung aus?
Insgesamt sollten ursprünglich 2.000 Genossenschaftsanteile à 1.000 Euro gezeichnet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten wir in der Agraset mit der Volksbank Mittweida sehr eng zusammen. Sie lädt ihre Mitglieder und Kunden ein, sich in dem Projekt zu engagieren. Zusätzlich haben wir eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit in Sachsen organisiert. Mehrere Artikel in Tageszeitungen, Radio- und Fernsehberichte kamen sehr gut an.

Genießergenossenschaft Sachsen eG

Wie ist bislang die Resonanz in der Bevölkerung?
Bis heute wurden 553 Anteile gezeichnet. Das sind zwar keine 2.000, aber die bisherigen Mitglieder haben ein wunderbares Netzwerk entwickelt und sind voll des ehrenamtlichen Engagements. Zudem verfügen sie über hervorragende Qualitäten in den vielfältigsten Bereichen und werden dadurch den notwendigen Absatz sichern. Deshalb stellen wir nun den notwendigen Bauantrag für die Genossenschaft und versuchen schnellstmöglich zum Bau und zur anschließenden Produktion zu kommen. Diese Genießer sind es wahrlich wert. Inzwischen hat auch unser Ministerpräsident Michael Kretschmer die Schirmherrschaft für unsere Genießergenossenschaft übernommen. Auch dieser Fakt zeigt, dass wir mit unserem Vorhaben eine geschmackvolle und demokratische Idee umsetzen.

Welche Argumente haben Sie, um Interessenten zu überzeugen, Geld zu investieren?
Die Mitglieder der Genießergenossenschaft Sachsen schlagen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie werden nicht nur genossenschaftlicher Produzent von hochwertigem Fleisch aus der Region. Sie investieren in Zeiten des Niedrigzinses auch noch in ihr eigenes, nachhaltiges Unternehmen. Auf einen Genossenschaftsanteil wird eine garantierte jährliche Dividende in Form von einem Kilo Fleisch oder Würsten des selbsterzeugten Duroc-Schweins gezahlt. Das entspricht einer Dividende in Höhe von 1,8 Prozent – nicht schlecht in Zeiten des Negativzinses. Erwirtschaftet die Genossenschaft Überschüsse, kann die Generalversammlung eine höhere Dividende beschließen.

Wo können die Genießer die Produkte kaufen?
Aktuell legen wir die örtliche Verteilung an unsere Genießergenoss*innen fest und versuchen diese so zu sortieren, dass sie in akzeptabler Nähe ein „Verteilzentrum“ für ihre Ware bekommen können. Das werden Einzelhändler, Landmärkte, Marktschwärmereien oder andere geeignete Einrichtungen sein. Bis zur Verfügbarkeit der Waren werden diese Aufgaben von uns abgearbeitet. Online-Handel wird natürlich ebenfalls angeboten. Wir haben hervorragende und professionelle IT-Expert*innen als Genießergenoss*innen mit im Boot. Deren Expertise wird bei der umfangreichen Verwaltung unserer Warenströme bis hin zu unverfälschbaren Herkunftskennzeichnungen eine sehr große Unterstützung sein.

Abschlussfrage: Sind Sie von der Afrikanischen Schweinepest betroffen?
Aktuell wie alle Schweinehalter auch, die nicht in einem Sperrbezirk arbeiten. Alle kämpfen mit dem furchtbaren Preisverfall und der Unsicherheit, wann in unserer Region erkrankte Wildtiere gefunden werden. Hier können wir lediglich alle Register der Biosicherheit ziehen – wie intakte Umzäunungen oder auch die Einhaltung des Schwarz-Weiß-Prinzipes. Rein wirtschaftlich ist eine Versicherung möglich. Den Verlust der Ware kann sie jedoch auch nicht ausgleichen. Diese Ware gibt es eben nicht anderweitig zu kaufen. Deshalb kann im Schadenfall lediglich nach dem Ereignis wieder von vorn begonnen werden. Unser Vorteil ist, dass wir ja aktuell noch keine Tiere halten und in zirka einem Jahr die Seuche vielleicht bereits eingedämmt sein könnte.

Peter Leimbach


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