Gremienräume

Unsere Gremienräume sind ein geschlossener Bereich, in dem wir für unsere Gremienmitglieder Unterlagen der Gremien – Verbandstag, Verbandsrat, Regionaltage, Fachräte und Arbeitsausschüsse – zur Verfügung stellen.

Zu den Gremienräumen

Mitgliederportal

Für die Fachvereinigungen:

  • Agrar
  • Gewerbe
  • Landwirtschaft
  • Energie, Immobilien und Versorgung

Unser Mitgliederportal ist ein geschlossener Bereich, in dem der Genossenschaftsverband den Mitgliedern der Fachvereinigungen Agrar, Gewerbe, Landwirtschaft sowie Energie, Immobilien und Versorgung Informationen und Anwendungen zur Verfügung stellt.

Zum Mitgliederportal

Mitgliederbereich

Für die Fachvereinigung:

  • Kredit

Der Mitgliederbereich für die Fachvereinigung Banken ist ein exklusiver Service für unsere Genossenschaftsbanken.

Das Magazin für das
genossenschaftliche Netzwerk

Im Fokus: Einfach anders - Genossenschaften | Veröffentlicht am 11.12.2020

Kreativ im Kollektiv

Sie sind nicht nur frei-, sondern auch gemeinsam schaffend: Die Freeters eG in Bonn ist ein internationales Netzwerk von und für Künstler*innen, das Räume neu erfindet und gestaltet – ob in Unternehmen oder Behörden, Kindergärten oder Flüchtlingsunterkünften.

Herzlich, divers und intuitiv: Fragt man die beiden Vorstände Amely Spötzl und Johannes Hess, mit welchen drei Adjektiven sie ihre besondere Genossenschaft am treffendsten beschreiben würden, dann mit diesen. Wer hinter die spannenden Kulissen der Freeters eG schaut, wird verstehen, warum. Freeters: Dieser Name ist eine Komposition aus den englischen Begriffen „free“ und „workers“ und verdeutlicht vortrefflich das Ansinnen aller: freie Künstler*innen, die zusammenarbeiten.

Angefangen hat alles vor zirka zehn Jahren, als erste große Projekte für Unternehmen organisiert und durchgeführt werden mussten. „Da haben wir erstmals viele Kolleg*innen gefragt, ob sie mitmachen wollen“, erinnert sich Amely Spötzl. Einige Gemeinschaftsarbeiten und Jahre später war der Gruppe klar: „Wir benötigen eine Struktur und eine juristische Form, die uns nach innen und außen definiert und mit der wir uns auch dem Kund*innen gegenüber als Gemeinschaften darstellen können“, so die freischaffende Bildhauerin. Auf einer Klausurtagung im Frühjahr 2018 fiel schließlich die Entscheidung, sich als eG zu formieren und zu committen.

Am 28. Dezember erfolgte mit 12 Mitgliedern die Gründung der Bonner Freeters eG, bei der jede*r eine Einlage von 4.000 Euro gezahlt hat. „Mit dieser recht hohen Summe wollten und wollen wir erreichen, dass nur die mitmachen, denen es wirklich wichtig und wert ist“, sagt das Vorstands-Duo. Mittlerweile bringen 35 Kreative sich und ihre Ideen in die Genossenschaft ein, darunter aktiv Tätige sowie Investierende. Erstere bilden das Gerüst der eG, halten sie zusammen, organisieren und entwickeln den kreativen Alltag. „Die Investierenden wiederum sind die Peripherie und all die, mit denen wir synergetisch zusammenarbeiten“, erläutert Johannes Hess.

Raum für Neues
Je nach Projekt gesellen sich bis zu 100 Künstler*innen aus ganz Europa und teils auch aus Übersee dazu – ob aus Marseille, Los Angeles oder ganz Deutschland. Die Basis indes bilden Kreative aus dem Rheinland, viele von ihnen kennen sich seit dem Studium. „Wir haben ein großes Netzwerk, verstehen uns als Gemeinschaft. Dieser Zusammenschluss und Zusammenhalt, der wunderbar, freundschaftlich, positiv und konstruktiv funktioniert, ist schon etwas Besonderes, denn eigentlich sind Künstler*innen autonom und arbeiten auch so“, meint Amely Spötzl.

Das Individuelle, das jede*r mit- und in die Gemeinschaft einbringt, ist die Stärke der Freeters eG. Mit ihren Arbeiten schaffen sie nicht nur neue Räume, sondern auch Raum für Neues, Inspirierendes, Innovatives – sei es bei der Außengestaltung eines Kindergartens oder eines Parks, sei es mithilfe neuer Kreativflächen für ein Unternehmen, das damit die Neugier, Agilität, Kreativität und/oder Kollaboration seiner Mitarbeiter*innen fördern möchte. „Jedes Mal suchen wir nach ganz individuellen Lösungen und gehen dabei oft mit den Kund*innen einen Schritt weiter, als er*sie es zunächst erwartet hatten“, erläutert Johannes Hess.

Die Arbeit mit, in und an Räumen ist das Steckenpferd der Freeters. „Wir sind schließlich echte Urgestalter“, bringen es die beiden Bildhauer auf den Punkt. Sie und ihre Mitstreiter*innen, zu denen auch Maler*innen, Architekt*innen oder Graffitykünstler*innen gehören, verstehen Raum als aktive Dimension und Werkzeug. „Man kann Räume psychologisch, emotional aktivieren, kann damit beruhigen oder beleben, kreative Kräfte freisetzen oder eher die Konzentration ansprechen und so verschiedenen Eigenschaften eine Heimat geben“, erklärt Amely Spötzl. Oft werde Raum als reine Quadratmeterzahl begriffen, doch das komme der Realität nicht nahe genug. Daher bieten auch mehr und mehr Unternehmen Räume und Flächen an, wo sich Mitarbeiter*innen wohl fühlen und wo Kunst die treibende Kraft für jeden erdenklichen Prozess werden kann.

Inspirierende Projekte
So wie bei der Grow GmbH in Ludwigsburg, die Inkubator und Plattform für globale Start-ups des Technologiekonzerns Bosch ist. Mit ihr haben die Freeters ein Projekt gemeinsam entwickelt. „Wir haben von Anfang an gemeinsam überlegt, was notwendig, fördernd und inspirierend ist für die Prozesse, die dort stattfinden“, so das Vorstandsduo. Zur Verfügung stand eine 5.000 Quadratmeter große Open-Space-Halle, für die das Bonner Künstler*innenkollektiv schließlich ein Raum-in-Raum-Konzept entwickelt hat – mit Retromöbeln, einer Holzhütte für Team-Meetings und jeder Menge Industrieambiente.

Ein ganz besonderes Projekt war die Gestaltung einer Flüchtlingsunterkunft in Kiel vor einigen Jahren. Hier hat die Stadt zuvor anders genutzte Gelände und Gebäude umgewandelt, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Dem Bonner Künstler*innennetzwerk oblag dabei die Aufgabe, in einem ehemaligen Hubschrauberhangar einen Gemeinschaftsraum zu schaffen. „Dieser besaß zuvor die Atmosphäre einer Kfz-Werkstatt“, erinnert sich Johannes Hess. Also haben die Künstler*innen mit kleinem Budget und großen Ideen, mit Möbelstücken, Teppichen und Stoffen sowie gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz und den Geflüchteten selbst einen neuen, einladenden Raum geschaffen und diesem „eine Seele gegeben. Unter anderem haben wir dort die Akustik eingefangen mit großflächigen Stoffen, auf denen die vergrößerten Zeichnungen der Kinder zu sehen waren“, so Amely Spötzl.

Neben Großprojekten wie diesem laden die Freeters regelmäßig zu Workshops in ihr großes Atelier in Bonn ein, geben Führungen für Student*innen oder Architekt*innen, betreuen Praktikant*innen. Die Corona-Pandemie hat das kreative Bonner Kollektiv keinesfalls lahmgelegt, sondern eher noch beflügelt. „Die Kunst hat an Künstler*innen den Anspruch, sich ständig neu zu erfinden. Dieses Alleinstellungsmerkmal hilft uns gerade in Zeiten wie diesen“, hebt Amely Spötzl hervor. Für 2021 jedenfalls sind die Auftragsbücher der Freeters bereits voll.

Anja Scheve

www.freeters.de


Das könnte Sie auch interessieren!